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Interview

Präses der Kaufmannschaft zu Lübeck: Auch die Buddenbrooks waren Existenzgründer

Axel Blankenburg ist seit November 2021 Präses der Kaufmannschaft zu Lübeck. Hier steht er im Großen Gemach der Kaufmannschaft in der Breiten Straße.

Axel Blankenburg ist seit November 2021 Präses der Kaufmannschaft zu Lübeck. Hier steht er im Großen Gemach der Kaufmannschaft in der Breiten Straße.

Lübeck. Im November 2021 hat Axel Blankenburg das Amt des Präses der Kaufmannschaft zu Lübeck übernommen – nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Hartmut Richter. Mit den Lübecker Nachrichten spricht Blankenburg über den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft, den die Kaufmannschaft gemeinsam mit der IHK zu Lübeck und dem Technikzentrum fördert.

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Wer durch den holzgeschnitzten Treppenaufgang hierherkommt und den Namen Kaufmannschaft hört, denkt an Tradition und Buddenbrooks. Wie passt dazu, dass Sie Innovation und Existenzgründer fördern?

Die Kaufmannschaft ist eine sehr alte Körperschaft, wir gehen zurück bis ins 12. Jahrhundert. Aber auch die Buddenbrooks waren Existenzgründer und haben sich mal selbstständig gemacht, ebenso wie unsere gut 500 Mitglieder. Für mich bedeutet Existenzgründung: frische Ideen, unkonventionelle Umsetzung, Enthusiasmus, mit Energie loslegen, selbstbestimmt arbeiten. Das braucht die Wirtschaft ungemein. Wir haben viele Unternehmen, die seit vielen Jahren erfolgreich am Markt sind, aber irgendwann schleift sich eine Routine ein, und dann passiert da nicht mehr allzu viel. Durch die Existenzgründer in Schleswig-Holstein bekommen wir einen kräftigen Schub – auch für etablierte Unternehmen.

Herrscht Ihnen denn genug Gründerstimmung in Schleswig-Holstein?

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Nein. Wir engagieren uns ja deshalb unter anderem beim Existenzgründerpreis, um diese Stimmung zu fördern. Man sieht es ja an den vielen Unternehmen, die im Zuge des Generationswechsels keine Nachfolger finden. Das wären ja auch Existenzgründungen. Da fehlt es, deshalb ist die Existenzgründerwelle bei weitem nicht so stark, wie ich mir das wünsche.

Existenzgründerpreis: So können Sie sich bewerben

Neue Unternehmen können sich für den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft 2022 bewerben. Den Preis schreiben die LN gemeinsam mit der Kaufmannschaft zu Lübeck, der IHK zu Lübeck und dem Technikzentrum Lübeck aus, die damit den Unternehmergeist in der Region fördern wollen.

Der Wettbewerb richtet sich an Firmen, die in den letzten vier Jahren in Lübeck, in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn, Segeberg, Ostholstein oder Nordwestmecklenburg gegründet wurden. Der mit 5000 Euro dotierte Existenzgründerpreis soll innovative Firmen unterstützen, die sich bereits am Markt etablieren. Zudem wird ein Innovations- und Mutpreis vergeben, der mit 3000 Euro dotiert ist. Hinzu kommt jeweils ein Mediapaket der LN in Höhe von 2000 Euro.

Bewerbungsunterlagen finden Sie unter www.LN-Existenzgruenderpreis.de. Die Bewerbungsfrist läuft bis Ende Juni 2022. Die Preise werden am 22. September verliehen.

„Die Kultur des Scheiterns ist in Deutschland unterentwickelt“

Ist die Angst vor einem Misserfolg zu groß?

Ja. Bei uns ist die Kultur des Scheiterns unterentwickelt. Wenn Sie mit einem Unternehmen scheitern, also in die Insolvenz gehen, sind Sie am Markt verbrannt. Bis Sie dann wieder die Kraft haben, neu zu starten, das dauert Jahre. In anderen Ländern wie etwa Dänemark ist das anders: Wenn Sie da scheitern, heißt es: Das ist eine Erfahrung, aus unseren Fehlern lernen wir – auf ein Neues! Und das funktioniert. Hier in Deutschland sind wir noch zu sehr diesem buddenbrookschen Denken verhaftet: Wer einmal versagt hat, ist Versager fürs ganze Leben. Und das ist falsch. Wenn es hier Anerkennung und Hilfe auch beim Misserfolg gäbe, würde das vielen Menschen die Angst vor der Existenzgründung nehmen.

Krieg, Inflation, Corona drücken aufs Gemüt der Gesellschaft. Was könnte Menschen derzeit die nötige Zuversicht geben, eine Firma zu gründen?

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Natürlich ist vieles in Zeiten einer Hochkonjunktur einfacher. Aber wenn jemand eine gute Idee hat und er sie umsetzen will, wenn er selbstbestimmt arbeiten will, dann ziehen solche Argumente auch in einer solchen Zeit.

„Bekanntwerden hilft Gründern viel mehr als Preisgeld“

Können Sie Beispiele nennen, die Ihnen Mut machen?

Aus der Zusammenarbeit mit dem Technikzentrum Lübeck, an dem die Kaufmannschaft zu einem Drittel beteiligt ist, sehen wir: Viele Start-ups, auch viele Ausgründungen aus der Universität und der TH, machen uns sehr viel Mut. Das ist ja auch für Lübeck sehr wertvoll, weil wir durch die Hochschulen hier so viel Potenzial haben. Dieses Potenzial umzusetzen, gelingt zum Beispiel durch die Arbeit des Technikzentrums, das Gründer durch Räume und Infrastruktur unterstützt. Aber auch so ein Wettbewerb wie der Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft hat da seine Funktion: Nicht das Preisgeld von 5000 Euro ist das Entscheidende, sondern das Bekanntwerden der Idee, das hilft den Gründern ja viel mehr. Da sind wir auf dem richtigen Weg.

Für den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft sind die LN eine Partnerschaft mit Kaufmannschaft, IHK und Technikzentrum eingegangen. Wo sehen Sie die Vorteile in einem solchen Bündnis?

Das sind die wesentlichen Wirtschaftsverbände, Kaufmannschaft und IHK, flankiert durch das Technikzentrum, das die Existenzgründer dann auf die richtige Spur führt. Und ohne die mögliche Publizität, die die Lübecker Nachrichten den Gründern bieten können, wäre so ein Wettbewerb nur halb so viel wert. Diese vier Partner ergänzen sich sehr gut.

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Ich wünsche mir Firmenideen im Bereich Künstliche Intelligenz

Was für ein Start-up würden Sie sich für den Existenzgründerpreis 2022 wünschen?

Lübeck ist ja stark im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Da wünsche ich mir, dass jemand in diesem Bereich eine überzeugende Firmenidee entwickelt. KI hat ja mit Vorurteilen zu kämpfen wie „Oje, wir geben das Denken aus der Hand“, aber das stimmt ja nicht: Es sind immer noch Menschen, die den Maschinen Bescheid sagen, was sie zu machen haben. Dieser Bereich, der durch das Land ja auch mit Professorenstellen und Geld gefördert wird, ist für mich hochinteressant. Ein Bewerber aus diesem Bereich: Das würde ich toll finden.

Sie sind Hartmut Richter nach seinem überraschenden Tod im November 2021 im Amt des Präses nachgefolgt. Wie sehr lag Richter der Existenzgründerpreis am Herzen?

Sehr. So hat er auch agiert. Hartmut Richter hat viel dazu beigetragen, dass Kaufmannschaft, IHK und TZL den Wettbewerb seit nun drei Jahren fördern. Das war eine Herzensangelegenheit für ihn – und das ist es für mich auch.

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