Personalmangel im Norden

Keiner will mehr der Weihnachtsmann sein

Vier Männer in Weihnachtsmannkostümen sitzen bei einer Weihnachtsmannschulung. Immer weniger haben Lust, diese Rolle an Weihnachten zu spielen.

Vier Männer in Weihnachtsmannkostümen sitzen bei einer Weihnachtsmannschulung. Immer weniger haben Lust, diese Rolle an Weihnachten zu spielen.

Lübeck. Oh, du Schreckliche! Stell dir vor, es ist Weihnachten und es kommt kein Weihnachtsmann. Jedenfalls keiner aus Fleisch und Blut, in rotem Mantel und mit weißem Rauschebart, der Kinder beschenkt. Der „Fachkräftemangel“ schlägt offenbar auch in diesem Berufszweig zu.

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Nichts mehr zu holen bei sechs von sieben Arbeitsagenturen im Norden. In Lübeck habe man die Dienstleistung vor ein paar Jahren eingestellt, teilt Sprecherin Olga Nommensen mit. Die Routenplanung sei für die Behörde einfach zu zeitaufwendig gewesen. Bis dahin hatten die Vermittler jedes Jahr ein Stammpersonal von 15 bis 20 Personen zur Bescherung in die Familien geschickt. Die Arbeitsagentur Bad Oldesloe kann schon lange nicht mehr mit Weihnachtsmännern dienen. Einzig die Arbeitsagentur Flensburg hat noch eine sechsköpfige Weihnachtsmannschaft im Repertoire.

Studenten wollen keine Weihnachtsmänner mehr sein

Auch Studentenwerke vermitteln so gut wie keine Auftritte mehr. „Junge Leute haben keinen Bock mehr, am Wochenende oder an Feiertagen zu arbeiten“, klagt Willi Dahmen aus dem niedersächsischen Celle. Der 66-Jährige hat sich der Nachwuchsförderung verschrieben. In seinen Seminaren lehrt er, vor der Bescherung stets ein Lied oder Gedicht einzufordern. Doch er könnte 30,40 Weihnachtsmänner mehr gebrauchen.

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Weihnachtsmänner „zum Verleihen“ habe seine Pfarrei leider nicht anzubieten, teilt Propst Christoph Giering von der katholischen Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern mit. Man erwarte zum Fest schließlich auch keinen Weihnachtsmann, sondern – man hätte es wissen können – das Christkind. Konsequenterweise ruft das katholische Bonifatiuswerk alljährlich die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ aus. Bei der protestantischen Gemeindediakonie in Lübeck heißt es: „Keine Weihnachtsmänner weit und breit!“ Und der Weihnachtsmann vom Petri-Turm ist vom Alpenverein. Das bedeutet: Seine Begabung liegt eher im Klettern.

Großer Mangel im Osten

Besonders groß ist der Engpass im atheistisch geprägteren Osten der Republik. „Weihnachtsmann-Notstand in Sachsen“, schreibt die „Dresdner Morgenpost“, „Sorge um den Weihnachtsmann“, titelt die „Mitteldeutsche Zeitung“, „Weihnachtsmann dringend gesucht“, heißt es in der „Berliner Zeitung“.

Bleiben die „Professionellen“: So liefert die Hamburger „Agentur Blank&Biehl Weihnachtspersonal“ den leibhaftigen Weihnachtsmann ab einer Grundpauschale von 168 Euro frei Haus. Im Preis enthalten sei das „einfache Kostüm“, teilt ein Sprecher mit. Der Heiligabend sei – weil gefragtester Buchungstag – etwas teurer, auch für Extras muss der Kunde draufzahlen. Insgesamt hält die Agentur („wir rennen dem Bedarf hinterher“) bundesweit 38000 Darsteller vor: Freiberufler, Studenten, Künstler, Schauspieler und Rentner. Letztere kämen vorzugsweise zum Einsatz, wenn „ein echter Bart“ beim Weihnachtsmann gewünscht wird. Ach ja: Dick sein ist eine wichtige Qualifikation, ansonsten hilft ein Bauchkissen.

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Curd Tönnemann

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