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Medizin

Lieferengpässe: Langes Warten auf Arzneimittel

Viele Arzneimittel sind zurzeit nicht lieferbar.

Viele Arzneimittel sind zurzeit nicht lieferbar.

Lübeck.„Zurzeit nicht lieferbar“: Diese Auskunft hören immer mehr Kunden, die in Apotheken ein Rezept einlösen oder ein rezeptfreies Medikament kaufen wollen. Ob Schmerzmittel wie Ibuprofen 800 und Aspirin 500 oder Blutdrucksenker wie Ramipril – bei vielen Arzneimitteln bestehen Engpässe, auch bei wichtigen Medikamenten gegen Epilepsie oder bei Immun-Seren zum Beispiel gegen Schlangenbisse.

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Kein Tetanus-Impfstoff

„Der Trend hat sich deutlich verstärkt“, sagt Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein. „Es betrifft Arzneimittel jeglicher Couleur. Zurzeit gibt es zum Beispiel keinen Tetanus-Impfstoff“, sagt er. Zahlreiche Antibiotika seien nicht verfügbar, im vergangenen Jahr fehlten Heuschnupfen-Medikamente. Auch Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, registriert die sich häufenden Engpässe. „Wir haben schon länger davor gewarnt“, sagt er.

Scharfer Wettbewerb

Die Probleme hätten verschiedene Ursachen. Zum einen wirke sich der immer schärfere Preisdruck und Wettbewerb auf dem globalen Arzneimittelmarkt aus. „Das führt dazu, dass es immer weniger Hersteller der Wirkstoffe gibt. Fällt ein Produzent weg, hat das gleich große Auswirkungen“, sagt Friedrich. In Deutschland werde das noch durch die Systematik der Rabattverträge verstärkt. Der billigste Anbieter erhalte von den Krankenkassen den Zuschlag. Auch das berge die Gefahr von Verknappung. Zudem sei der deutsche Markt für den Weltmarkt weniger wichtig geworden, sagen Friedrich und Jaschkowski. Die Preise lägen im Vergleich „im Mittelfeld“. In Ländern wie den USA seien Arzneimittel deutlich teurer. Das führe dazu, dass US-Amerikaner Medikamente in Deutschland aufkaufen würden, die dann hier fehlten.

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„Hamstern“ in Großbritannien

Eine ähnliche Entwicklung löse die Erwartung des Brexit aus. Großbritannien bevorrate sich zurzeit umfangreich mit Medikamenten, weil das Land eine Knappheit nach einem Austritt aus der EU befürchtet. Aus Großhandlungen sei zu hören, dass sich die „normalen“ Lieferengpässe seit April noch einmal verdoppelt hätten – das werde der „Hamster“-Bevorratung in Großbritannien zugeschrieben. „Das ist auch ein Teilaspekt der Problematik“, sagt Friedrich.

„Denkbar ist, dass Arzneimittel-Hersteller, die bereits Lager für einen Brexit im März angelegt haben, nun aufgrund der begrenzten Haltbarkeit in die Situation kommen könnten, dass die gelagerten Arzneimittel teilweise ausgetauscht werden müssen“, sagt Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH).

Ärzte kennen das Problem

„Die Rückmeldungen über nicht lieferbare Arzneimittel haben sich bei uns erheblich gehäuft“, sagt Michael Sturm vom Hausärzteverband Schleswig-Holstein. Das Problem sei seit Jahren größer geworden. Auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) kennt das Problem. „Von den globalen Lieferschwierigkeiten sind alle betroffen, damit kämpfen wir seit langem“, sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. „Das liegt an der weltweiten Konzentration der Pharma-Industrie. Und es wird um so schwieriger, je spezieller ein Medikament ist.“ Das UKSH stelle deshalb viele Medikamente selbst her. „Durch Lagerhaltung versuchen wir, temporäre Engpässe zu überbrücken“, erklärt Grieve.

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Auch der Patienten-Ombudsverein frage öfter nach, warum Arzneien nicht lieferbar seien. Ein Ende dieser Engpässe ist derzeit nicht in Sicht. „Ich habe den Eindruck, dass es sogar noch schlimmer wird“, sagt Jaschkowski von der Apothekerkammer Schleswig-Holstein voraus.

Christian Risch

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