Cyclocross in Büdelsdorf

Ministerpräsident hilft seinem Onkel

Foto: Manfred Bartsch (links oben) organisiert regelmäßig Radsportveranstaltungen in Schleswig-Holstein und fährt bei Querfeldeinrennen mit. Seine Sportbegeisterung teilt er mit seinem Neffen Daniel Günther, der schon mal für ihn zum Hörer greift, wenn es Probleme gibt.

Manfred Bartsch (links oben) organisiert regelmäßig Radsportveranstaltungen in Schleswig-Holstein und fährt bei Querfeldeinrennen mit. Seine Sportbegeisterung teilt er mit seinem Neffen Daniel Günther, der schon mal für ihn zum Hörer greift, wenn es Probleme gibt.

Kiel. "Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mit Daniel Günther verwandt bin. Ein Anruf, und die Veranstaltung wäre genehmigt", soll Bartsch Ende September nach der Entscheidung im örtlichen Ausschuss für Bildung, Familie und Freizeit gesagt und dabei vielsagend mit dem Finger geschnippt haben. Das berichten die "Kieler Nachrichten".

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Sein Neffe habe ihm zuvor schon zwei andere Veranstaltungen "gerettet", wird Bartsch zitiert. Diese Worte seien im Herausgehen gefallen, wohl aus Wut über die verweigerte Genehmigung.

Zum vierten Mal wollte die Sportgemeinschaft Athletico Büdelsdorf das Cyclocross-Radrennen am 18. November im Eiderstadion und dem benachbarten Wald ausrichten. Doch die Stadt lehnte aus Umweltschutzgründen ab.  Für den Büdelsdorfer Gerhard Schachtner, der als Zuhörer zu der öffentlichen Sitzung gekommen war, klang die Aussage von Bartsch nach Erpressung: „Er hat versucht, die Stadt unter Druck zu setzen.“

Unter Druck gesetzt habe sich niemand gefühlt, sagt Arvid Hagge, Vorsitzender des Ausschusses. „Wir waren alle eher verdutzt, als Herr Bartsch damit um die Ecke kam“, sagt der CDU-Politiker.

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Bartsch rief bei seinem Neffen an

Er habe seinen Neffen, den Sohn seiner verstorbenen Schwester, angerufen und gefragt, ob Sportminister Hans-Joachim Grote (CDU) helfen könne, sagt Bartsch. Das sei schon Wochen vor der Ausschusssitzung gewesen. „Ich habe ihn als Ministerpräsidenten eingeschaltet, nicht als meinen Verwandten, weil hier ein sportliches Großereignis im Land gecancelt wird.“ Günther habe geantwortet, dass er der Stadt keine Weisung erteilen dürfe, aber er könne einmal versuchen, mit den Verantwortlichen zu sprechen.

Günther bestätigt auf Anfrage das Gespräch mit seinem Onkel. Er habe zunächst den Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter gebeten, den Sachstand zu erfragen. Dann habe er sich persönlich in zwei Telefonaten mit der Büdelsdorfer Bürgervorsteherin Maike Wilken (CDU) und mit Bürgermeister Rainer Hinrichs (parteilos) die Lage schildern lassen und nach möglichen Lösungen erkundigt.

Hätte sich Günther auch eingeschaltet, wenn kein Verwandter betroffen gewesen wäre? „Als Mensch und Politiker, der sich für Sport begeistert, wäre Daniel Günther in jedem Fall aktiv geworden, um mindestens die Möglichkeit einer Genehmigung im Rahmen geltenden Rechts auszuloten“, sagt Regierungssprecher Peter Höver. Eine Vorzugsbehandlung habe es nicht gegeben. „Im Übrigen können sich Verwandte des Ministerpräsidenten darauf verlassen, dass er sie nicht schlechter behandelt als Menschen, die nicht mit ihm verwandt sind.“

Radrennen findet woanders statt

Im Fall Büdelsdorf hat die Intervention aus dem Landeshaus am Ende übrigens nichts genützt: Die Cross-Radfahrer müssen im November an einem anderen Austragungsort an den Start gehen – dem Kolonistenhof in Neu Duvenstedt.

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Von Anne Holbach/RND

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