Schleswig-Holstein

Firmen buchen weniger Weihnachtsfeiern: Restaurants und Hotels sorgen sich

Die Vorweihnachtszeit ist für Gastronomen die wichtigste Jahreszeit. Doch die Buchungslage ist in vielen Betrieben noch mau.

Die Vorweihnachtszeit ist für Gastronomen die wichtigste Jahreszeit. Doch die Buchungslage ist in vielen Betrieben noch mau.

Lübeck. Zwischen Hoffen und Bangen bewegt sich die Gefühlslage der Gastronomen und Hoteliers in Schleswig-Holstein, wenn es um ihr Weihnachtsgeschäft geht. Einzig auf Verbandsebene strahlen die Verantwortlichen Optimismus aus.

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„Ich bin guten Mutes, dass da noch was kommt“, sagt Axel Strehl, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Schleswig-Holstein. „Im vergangenen Jahr haben viele Unternehmen auch erst im Oktober ihre Weihnachtsfeiern gebucht. Nur gab es ja leider noch die Rolle rückwärts und viele Stornierungen im November – wegen der Corona-Maßnahmen.“

Corona und Energiekosten verhindern Feiern

Die Pandemie spielt jedoch immer noch eine Rolle und wirkt sich auf die aktuelle Buchungslage aus. „Viele Firmen – gerade große – handeln präventiv und buchen wegen Corona nicht“, meint Barbara Herting, Inhaberin von Gut Mönkhof in Lübeck. „Lauterbach (der Bundesgesundheitsminister, Anm. der Redaktion) hat die Angst vor einer Riesenwelle geschürt. Und jetzt haben die Unternehmen Angst vor einem großen Arbeitsausfall, wenn sie feiern.“

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Als zweiten Grund, weshalb die Reservierungen für Weihnachtsfeiern ausbleiben, sieht Herting die Kosten für Energie in den Unternehmen. „Ich kann mir vorstellen, dass deshalb in vielen Firmen auf gewisse Sachen verzichtet werden muss.“ In diesem Fall gerade in kleineren Unternehmen, die eigentlich im Dezember ihrem Betrieb einen vollen Terminkalender beschert hätten.

Wegfallendes Weihnachtsgeschäft wichtig

Derzeit verzeichnet die Inhaberin drei gebuchte Feiern in der Vorweihnachtszeit. "Normal wäre jetzt die doppelte Anzahl", sagt sie. "Für das Veranstaltungsgeschäft ist der Dezember existenziell, im Januar, Februar und März passiert da nicht viel." Da Herting ihr Geschäft auf Freitage und Sonnabende konzentriert, bleiben vor Weihnachten nur sechs bis acht Termine. Kämen nicht noch Reservierungen rein, "bleibt es im Dezember bei uns oft dunkel, der Umsatz aus und die Mitarbeiter oft zu Hause." Daher sei das ausbleibende Weihnachtsgeschäft für sie "einschneidender als die hohen Energiekosten", die das Hotel- und Gaststättengewerbe gerade massiv belasten.

„Jeder hält sein Geld zusammen“

Ähnlich eingetrübt ist das Bild im Hotel Waldhof auf Herrenland in Mölln. „Wir hatten noch nicht mal eine Anfrage“, sagt Geschäftsführerin Conny Didt und fasst so die aktuelle Weihnachtsfeier-Buchungslage zusammen. Die ersten Anfragen kämen eigentlich im August oder September, Stammgäste seien auch spontaner und reservierten erst im Oktober und November.

Aber auch hier macht sich die Inflation bemerkbar. „Jeder schaut, wo die Reise hingehen könnte, und hält sein Geld zusammen“, sagt Didt. Und Unternehmen, die sich jetzt trotzdem für eine Weihnachtsfeier entscheiden, bekommen noch einen Dämpfer: die höheren Preise. „In den vergangenen Jahren haben wir für eine Gans für vier Personen maximal 119 Euro genommen“, so die Geschäftsführerin. „Jetzt liegen wir bei 229 Euro.“ Bei kleineren Feiern kämen oft zwei Gänse auf den Tisch. Der Grund für diesen Preissprung? Der Einkaufspreis für eine Gans hat sich vervierfacht.

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Nicht jedes Geschäft lohnt sich derzeit

Die Monate November und Dezember stehen im Hotel Waldhof für rund 20 bis 25 Prozent des Jahresgeschäfts. Wie reagiert die Geschäftsführerin angesichts dessen auf die aktuelle Situation? „Wir haben in den Corona-Jahren gelernt, dass es sich nicht lohnt, alles für vielleicht nur zwei Personen aufzumachen“, sagt Didt. Deshalb nimmt sie nicht alle Anfragen an. Eine Tagung für zehn Personen mit Übernachtung und einem bestimmten Umsatz lohne sich, ein Abendessen mit nur ein paar Gästen eher nicht. „Wir würden uns im Winter auch lieber die Hacken heiß laufen.“ Aber es ginge nicht anders.

Die Hoffnung ist „sehr gering“

Die Hoffnung auf eine bessere Buchungslage ist bei Birte Friedländer „sehr gering“. Sie führt die Geschäfte im Ferienresort Gronenberger Mühle in Scharbeutz. Ihr Bauchgefühl sage ihr, dass die Weihnachtsfeiern ausbleiben würden. Denn: „Es kommen auch insgesamt weniger Gäste. Die bestellen anders als früher: Das Steak fällt weg, dafür wird Tomatensuppe bestellt. Und beim Trinkgeld gibt es häufiger Gäste, die zum Beispiel von 19,70 auf 20 Euro aufrunden.“ Das sei alles „eine Katastrophe“.

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Von Michael Dick

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