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Wenn Frauen-Fußball ganz Europa begeistert

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die deutsche Herren-Fußballnationalmannschaft schied bei der Europameisterschaft 2021 schon im Achtelfinale gegen England aus. Die Frauen haben ein deutlich erfolgreicheres Turnier gespielt: Sie sind Vize-Europameisterinnen geworden und mussten sich nach einem hochspannenden Spiel auf Augenhöhe lediglich im Finale in Wembley den Engländerinnen geschlagen geben. Wie es sich für den Austragungsort gehört, sorgten ein Handspiel (oder war es doch keins?) und ein nicht gegebener Elfmeter für Aufregung.

Die deutschen Spielerinnen konnten trotz Niederlage am Schluss erhobenen Hauptes den Platz verlassen: Nicht nur, weil sie klasse gespielt haben, sondern auch, weil ihnen während der gesamten EM die Sympathien der Fußballfans zugeflogen sind. Das Finale haben fast 90 000 Menschen live im Stadion gesehen - Rekord für ein EM-Endspiel und ja, ich gestehe: Selbst ich, die sonst wenig bis gar nichts mit Fußball am Hut hat, habe eingeschaltet und habe es gebannt im Livestream verfolgt. Es wird also höchste Zeit, noch einmal über gerechte Bezahlung im (Spitzen-)Sport zu sprechen. Denn dass die Frauen-Mannschaft, die den Titel geholt hat, 60 000 Euro Preisgeld pro Spielerin bekommen soll, während es bei den Männern 400 000 Euro sind, ist angesichts phänomenaler Quoten und ausverkaufter Stadien eine Frechheit.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende,

Ihre

Sophie Schade

Redakteurin

Interview der Woche

Monika Horstmann, Tischlerei Lauenburg

Monika Horstmann, Tischlerei Lauenburg

Monika Horstmann ist seit über 30 Jahren Tischlerin in Lauenburg/Elbe. Dass sie die Tischlerei, die vor fast 130 Jahren von den Vorfahren ihres Mannes gegründet wurde, übernimmt, war so nicht geplant. 2008 dann der Schicksalsschlag: Ihr Mann Martin Horstmann starb unerwartet, Monika Horstmann und ihre Söhne führten das Geschäft weiter. Im Interview spricht sie darüber, was sie die langjährige Erfahrung im Handwerk gelehrt hat.

Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?

Als gelernte Tischlerin habe ich den Sohn des Inhabers der Tischlerei Horstmann anno 1990 kennengelernt und schließlich geheiratet. Die Tischlerei wurde schon 1893 gegründet.

Mein Mann hatte dann den Betrieb des Vaters im Jahr 2000 gekauft/übernommen, ist allerdings plötzlich in 2008 verstorben. Ich hatte „die Wahl“, den Betrieb zu liquidieren, wie es das Vormundschaftsgericht gerne gesehen hätte, oder aber auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und meine Kenntnisse als Tischlerin sowie in der Lohnbuchhaltung und Buchhaltung zu vertrauen und den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mit den Aufgaben wächst man.

Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?

Da wir stark in Ausbildung investieren und auch Frauen das Handwerk erlernen können, gab es nur hin und wieder mal einen kurzen Zeitraum, in dem ich hier im Betrieb die einzige Frau war. Auch hatten wir schon studierende Damen im Praktikum, oder eine Tischlerin angestellt. Derzeit ist eine Auszubildende im dritten Lehrjahr. Gesamt haben wir ab Sommer 2022 sechs Auszubildende.

Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören, weil Sie voller Klischees sind?

Ja sicher, am meisten abwertend ist, wenn man mich als Chefin nach meinem Mann fragt oder nach meinem Meister, weil der Gesprächspartner einer Frau keine Fähigkeiten im Handwerk oder bei Verhandlungen zuspricht. Auch denken die Kunden oder Geschäftspartner leicht, man wäre nicht „stark“ genug für gewisse Arbeiten, dabei lernen gerade Frauen im Handwerk, dass es nicht einzig auf die Muskelpakete ankommt sondern vielmehr auf die Technik.

Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen im Handwerk heutzutage?

Heutzutage gibt es so viele technische Hilfsmittel, dass die Herausforderungen in der Arbeit nicht größer sind als die für Männer. Hebehilfen und vieles mehr. Als ich in die Ausbildung kam, gab es nur einen Hersteller von Arbeitsschuhen in der geforderten Sicherheitsklasse für Tischlerinnen, die dann auch noch einen erhöhten Absatz hatten. Im Handwerk strengen sich Frauen meines Erachtens mehr an als Männer, um den Vorurteilen Paroli zu bieten. Das heißt, frau muss mehr lernen, genauer arbeiten, zuverlässiger sein ...

Was sollte getan werden, um mehr Frauen für das Handwerk zu begeistern?

Es gibt viele Bereiche im Handwerk, wo Frauen besser sind, weil sie meist ein genaueres Auge für Qualität und Sauberkeit haben oder das bessere Gespür für die Kundenwünsche. Die Weiterbildungsmöglichkeiten müssen besser propagiert werden. Das gilt aber grundsätzlich, nicht nur für Frauen. Die Betriebe müssen zwangsläufig über flexiblere Arbeitszeitmodelle nachdenken.

Was würden Sie jungen Handwerkerinnen mit auf den Weg geben?

Besser unterschätzt als überschätzt werden. Diesen „Vorteil“ muss man geschickt einsetzen. Paroli bieten wo nötig und keine Angst vor Herausforderungen haben. Machen ist wie wollen, nur heftiger.

Wer ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?

Keine spezielle Person, aber von Natur aus steckt ein Kampfgeist in mir, der dafür sorgt, dass ich mich nicht so leicht unterkriegen lasse.

Was sind Ihre Wünsche und Ziele für die Zukunft?

In erster Linie, dass das Handwerk mehr Wertschätzung allgemein erhält, dass „Weniger reden , mehr machen“ zum Schlagwort wird, und dass wir Handwerker in KMU nicht untergehen, wir womöglich unfähig werden zu arbeiten, weil der Verwaltungsaufwand zu groß wird.

Für meinen eigenen Betrieb wünsche ich mir, dass die 5. Generation weiter Geschichte schreiben wird.

 

DFB-Frauen glänzen bei Fußball-EM

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft generierte mit ihrem Auftritt bei der Europameisterschaft in England viel Aufmerksamkeit. Die Topberater erklären gegenüber dem RND, wie sie zur Equal-Pay-Debatte stehen und wie sich das EM-Hoch für die Spielerinnen langfristig nutzen lässt.

Am Mittwochabend haben 12,187 Millionen Menschen die Fußball-EM und damit den Einzug der Frauen-Nationalmannschaft ins Finale verfolgt. Damit stellte das Spiel die TV-Konkurrenz weit in den Schatten. Mit 47,2 Prozent schaute fast jeder Zweite das Match.

 

Nachrichten aus der Region

Die Grünen in Schleswig-Holstein müssen Mitte September ein neues Führungsduo wählen. Jetzt haben mit Anke Erdmann und Katharina Bartsch die ersten beiden Kandidatinnen ihren Hut in den Ring geworfen. So stehen ihre Chancen.

Amtsbeginn von Bad Schwartaus neuer Bürgermeisterin Katrin Engeln: Warum die neue Rathaus-Chefin unter erschwerten Bedingungen in die sechsjährige Amtszeit startet.

Mehr Berufung als Beruf: Pia Sahmkow aus Oldenburg ist Deutschlands beste Geigenbau-Gesellin. Warum sie mit zwölf Jahren schon wusste, was sie später werden wollte, und was am Instrumentenbau so faszinierend ist.

Wechsel an der Spitze: Christa Mahl hat zum 1. August ihre Arbeit als neue Geschäftsführerin der Stiftung Herzogtum Lauenburg aufgenommen.

 

Internationale Politik

Politische Eigenmächtigkeiten ziehen sich durch die Vita der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses. Doch auch das gehört zur Erfahrung der Nany Pelosi: Am Ende wurde ihre Hartnäckigkeit stets belohnt. Die 82-Jährige hat mit der Taiwan-Reise ihr politisches Lebenswerk abgerundet.

Politische Eigenmächtigkeiten ziehen sich durch die Vita der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses. Doch auch das gehört zur Erfahrung der Nany Pelosi: Am Ende wurde ihre Hartnäckigkeit stets belohnt. Die 82-Jährige hat mit der Taiwan-Reise ihr politisches Lebenswerk abgerundet.

Chinas Volksbefreiungsarmee reagiert auf Nancy Pelosis Taiwan-Besuch mit sechs Militärübungen. Diese sind jedoch nur der Auftakt für weitere Provokationen.

 

Unser Blick in die Kultur

Mehreren Berichten zufolge soll die Comic-Verfilmung von „Batgirl“ weder im Kino noch von einem Streamingdienst veröffentlicht werden. Die über 70 Millionen Dollar teure Produktion soll bei Testaufführungen zu schlecht abgeschnitten haben.

In „Raumschiff Enterprise“ spielte sie Kommunikationsoffizier Lieutenant Nyota Uhura. Nun ist Darstellerin Nichelle Nichols im Alter von 89 Jahren gestorben. Das teilt ihr Sohn mit.

Ihre Rolle der Kommunikationsoffizierin Nyota Uhura an Bord des Raumschiffs Enterprise machte Nichelle Nichols weltweit zur Popkultur-Ikone. Und es war Martin Luther King persönlich, der die genervte Schauspielerin überredete, unter dem Kommando von Captain Kirk zu bleiben. Mit 89 Jahren starb die Schauspielerin, die mit einem Kuss Fernsehgeschichte schrieb.

 

Buch-Tipp

Der Name einer Sache verkörpert deren Bild, unsere Vorstellung davon und die damit verbundenen Gefühle. Doch wie können wir diesen einfachen Gedanken auf unsere Umgebung übertragen? Phenix Kühnert ist sich sicher: mit Empathie. Sie ist der Auffassung, dass wir in einer Gesellschaft leben, die alle ausschließt, die von der Norm abweichen. In ihrem Buch „Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau“ macht sie deutlich, wie sehr Sprache unser Denken prägt, was es heißt, die eigene Identität abgesprochen zu bekommen, wie uns Zuschreibungen und Vorgaben zu Männlichkeit und Weiblichkeit beeinflussen. Sie setzt sich für trans* Rechte und nicht binäre Menschen, die queere Community und Verständnis ein. Dafür blickt Phenix Kühnert auch zurück in ihre Kindheit, deutet Erinnerungen neu, schreibt über Schmerz und Akzeptanz.

Erschienen bei Haymon, 224 Seiten, 19,90 Euro

 

Twitter-Reaktionen

Das EM-Finale Deutschland gegen England wurde auch auf Twitter in Echtzeit kommentiert. Dabei ging es neben gelungenen oder missglückten Spielzügen auch um Preisgelder, Quoten und Leidensfähigkeit.

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