Eleganter Alltagswagen

Renault Mégane E‑Tech Electric: alter Name, komplett neues Auto

Elegante Erscheinung: der neue Renault Mégane E‑Tech Electric.

Elegante Erscheinung: der neue Renault Mégane E‑Tech Electric.

Renault verlangt seinen Fans einiges ab. Während zum Beispiel bei VW ein Golf auch noch in der achten Generation als solcher zu erkennen ist, war der Name stets so ziemlich das einzige, das sich ein neuer Renault Mégane nach jedem weiteren Modellwechsel bewahren konnte. Und auch aktuell gibt es wieder einen Mégane im Portfolio der Franzosen. So rigoros aber wie der nun mit seinen Vorgängern bricht, das ist selbst für Renault neu.

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Weder optisch noch technisch hat der rein elektrische Mégane E‑Tech noch etwas zu tun mit seinem Vorgänger, dem Mégane IV. Nun gut, dass man bei Renault Elektroauto kann, das beweisen die Franzosen seit rund einem Jahrzehnt mit dem Zoe, einem der meistverkauften Stromer überhaupt. Zugegebenermaßen ist der allerdings eher ein Auto für die Kurz- oder vielleicht noch für die (möglichst knapp bemessene) Mittelstrecke und hat damit eher Zweitwagencharakter. Der E‑Tech soll das Zeug zum Erstwagen haben, will begehrenswert, repräsentativ und natürlich alltagstauglich sein.

So folgt auch der neue Mégane der aktuell bei vielen Autoherstellern so beliebten Formensprache, die das Beste aus den Gattungen SUV (etwas höher gelegt), Kombi (Heckklappe und erweiterbarer Kofferraum), Limousine (vier Türen, Platz für vier bis fünf) und Coupé (nach hinten abfallende, elegante Dachlinie) unter ein Autodach bringt. Wenn das funktioniert – es funktioniert aber längst nicht immer und überall –, kommt dabei ein aufregend-dynamisches Auto heraus, das ganz bewusst noch einen Hauch von Concept-Car in sich trägt, siehe zum Beispiel Kia EV6 oder Hyundai Ioniq 5, die sowohl optisch als auch technisch überzeugen können.

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Der agile Renault Mégane E‑Tech Electric vermittelt schon im Stand Dynamik und Eleganz.

Der agile Renault Mégane E‑Tech Electric vermittelt schon im Stand Dynamik und Eleganz.

Rafal-Grau, Black-Pearl-Schwarz und goldene Akzente – das macht was her

Was die Optik betrifft, kann der E‑Tech hier durchaus schon einmal mithalten. Der Testwagen (Topversion Iconic mit 220-PS-E‑Motor und Akku mit 60 Kilowattstunden) kommt in der Farbe Rafal-Grau und einem Dach in Black-Pearl-Schwarz sowie mit „goldenen Akzenten“ an Front und Heck und steht auf eindrucksvollen 20-Zoll-Rädern. Gerade in dieser Kombination vermittelt das Auto schon im Stand Dynamik, ohne dabei eine gewisse Eleganz vermissen zu lassen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Griffe der Vordertüren bündig versenkt sind und erst zum Vorschein kommen, wenn man sich dem Auto mit der für Renault typischen Chipkarte nähert. Die Öffner der Hintertüren sind – ähnlich wie einst beim Alfa Romeo 156 –, in der C‑Säule untergebracht. Noch selbstbewusster ist die Spielerei mit den Außenspiegeln, die bei Dunkelheit ein Schattenspiel in Form des Renault-Rhombus auf den Asphalt zaubern.

Lässt man nun den Blick über den Arbeitsplatz der Fahrerin oder des Fahrers und über das Armaturenbrett schweifen, ist man nicht nur vom sehr ansprechenden Design, sondern auch von der Materialqualität beeindruckt. Mit wenigen Ausnahmen – die Versteller der vertikalen Lüftungsdüsen auf der Fahrerseite und der untere Teil der Vordertürverkleidung wirken wegen des spröden Hartplastiks ziemlich billig – macht hier das meiste einen wertigen Eindruck. Und auch die Bedienbarkeit taugt: Ähnlich wie bei Tesla ist der im Hochformat verbaute Zwölf-Zoll-Touchscreen vom Fahrersitz aus gut erreichbar und reagiert vor allem schon auf sanften Fingerdruck. Zudem wird die Klimatisierung über eine Tastenleiste geregelt, was allen Traditionalistinnen und Traditionalisten sowie Freundinnen und Freunden von Dreh- und Kippschaltern und von Drehknöpfen entgegenkommt.

In stillem Gedenken an den legendären R16

Nicht ganz so eindeutig anwenderfreundlich ist dagegen die Sache mit dem Wahlschalter. Der sitzt nicht wie bei vielen anderen E‑Autos dort, wo früher die Schaltung saß, auf der Mittelkonsole, sondern als Hebel rechts hinter dem Lenkrad auf der Lenksäule und erinnert so an eine Lenkradschaltung. Das hat zwar nostalgischen Charme und bei einem Renault durchaus seine Berechtigung (erinnert sei nur an den ikonischen R16, die erste Schräghecklimousine der Welt), sorgt allerdings auch für Verwirrung. Denn hier, auf der rechten Seite, befinden sich auf engstem Raum neben dem Wahlhebel auch der Scheibenwischerhebel, eines der beiden Paddle für die Rekuperation sowie schließlich noch und ebenfalls Renault-typisch der Satellit für Lautstärke, Senderwahl und Soundquelle. Das kann dann schon einmal dazu führen, dass man in diesem Funktionsdschungel die Übersicht verliert und, statt den Rückwärtsgang einzulegen, den Scheibenwischer aktiviert.

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Fahren wie Gott in Frankreich: RND-Tester Andreas Kötter am Steuer des Renault Mégane E‑Tech Electric.

Fahren wie Gott in Frankreich: RND-Tester Andreas Kötter am Steuer des Renault Mégane E‑Tech Electric.

Nun gut, es gibt sicher schlimmere Vergehen, derer sich ein neues Auto schuldig machen kann. Zudem ist Überfluss beim E‑Tech auch ein Konzept, dass durchaus seine guten Seiten hat. Denn die Liste der Ausstattung ist in der getesteten Version mit „üppig“ noch unzureichend beschreiben. Nicht nur so ziemlich alle Assistenten, die man heute kennt, sind an Bord, auch in Sachen Connectivity mangelt es an nichts. So wartet das Renault-eigene „Open R Link“-System mit integrierten Google-Funktionen wie Google Maps, Google Play und Google Assistant auf. Und das neue Soundsystem von Harman Kardon macht den E‑Tech beinahe zum rollenden Konzertsaal.

Apropos „rollen“: Wie fährt es sich denn nun im und mit dem Mégane E‑Tech? Zunächst einmal fällt auf, dass das Auto trotz der großen Räder sehr komfortabel abrollt. Überhaupt legt der E‑Tech ein Fahrverhalten an den Tag, das exzellente Manieren und das typische „Reisen wie Gott in Frankreich“-Gefühl, für das französische Automobile schon immer stehen, mit einem Hauch von Sportlichkeit verbindet. Bei einem Hauch bleibt es dann aber auch, denn bei 160 km/h ist Schluss. Die Ingenieurinnen und Ingenieure bei Renault haben die Leistung begrenzt, damit man gar nicht erst in die Versuchung kommt, den E‑Tech von der Leine und damit die Restreichweite wie Schnee in der Sonne schmelzen zu lassen. Und vielleicht mangelt es den ansonsten durchaus bequemen Sitzen auch deshalb etwas an Seitenhalt, denn wer braucht den schon, wenn man in der Regel mit kaum mehr als Richtgeschwindigkeit unterwegs ist.

Aktuell eines der besten Elektroautos auf dem Markt

Ein bisschen mehr Oberschenkelauflage wäre trotzdem erfreulich. Schließlich kann der E‑Tech immerhin rund 350 Kilometer weit kommen, vorausgesetzt, man nutzt die Paddles für die Rekuperation auch fleißig. Denn so hält der sinnbildliche Schnee durchaus etwas länger, und manchmal kommt sogar Neuschnee dazu. So lässt sich der ein oder andere schon verloren geglaubte Kilometer durchaus zurückgewinnen. Längst nicht bei jedem Elektroauto funktioniert das so ordentlich wie beim Mégane. Und auch beim Stromtanken macht er eine gute Figur. Zwar wird die Ladeleistung von 130 Kilowatt nur unter sehr guten Bedingungen und selbst dann nur kurz erreicht. Immerhin aber kann man in einer knappen Dreiviertelstunde wieder auf etwa 80 Prozent auftanken. Sicherlich kein Spitzenwert, aber allemal akzeptabel.

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Effektiver Energierückgewinner: Der Mégane E‑Tech Electric rekuperiert zuverlässig.

Effektiver Energierückgewinner: Der Mégane E‑Tech Electric rekuperiert zuverlässig.

Alles in allem ist der Mégane E‑Tech durchaus eine sehr erfreuliche Erscheinung und gehört aktuell zu den besten Elektroautos auf dem Markt. Kleinigkeiten wie die schon erwähnte überfrachtete Lenksäule oder die hohe Landekante des Kofferraums (440 Liter, maximal 1330 Liter) ändern daran nichts. Eher schon könnte der Preis ein Hindernis für manch interessierte Person sein. Zwar beginnen die Preise bei 35.200 Euro (dann aber mit dem schwächeren Motor respektive der kleineren Batterie). Will man aber in den Genuss aller Freundlichkeiten kommen, die der E‑Tech anbietet, steigt der Preis auf stolze 52.400 Euro. Das muss man dann wirklich wollen.

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