Düstere Aussichten: Intensivstationen droht Überfüllung in wenigen Wochen

Auf der Covid-Station, einem Bereich der Operativen Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig, versorgen Ärzte und Schwestern Patienten. Auf der Intensivstation wächst seit Tagen die Zahl der Corona-Erkrankten mit schweren Verläufen, darunter immer mehr jüngere Patenten zwischen 30 und 60 Jahren.

Auf der Covid-Station, einem Bereich der Operativen Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig, versorgen Ärzte und Schwestern Patienten. Auf der Intensivstation wächst seit Tagen die Zahl der Corona-Erkrankten mit schweren Verläufen, darunter immer mehr jüngere Patenten zwischen 30 und 60 Jahren.

Neue Berechnungen möglicher Szenarien in der Winterwelle zeigen eindrücklich, dass sich die Situation auf den Intensivstationen in Deutschland in den kommenden Wochen zuspitzen wird – und bis voraussichtlich April 2022 zu starken Belastungen im Gesundheitswesen führt.

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Schon jetzt ist die Lage angesichts der steigenden Zahl der Corona-Ansteckungen und gleichzeitig zunehmenden Auslastung der Intensivstationen durch schwer an Covid-19 Erkrankte angespannt. Operationen müssten bereits verschoben werden, auch der Mangel an Pflegepersonal sei zu spüren, berichtet die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Auch die Anästhesistenverbände schlagen Alarm und warnen vor Engpässen bei der Versorgung, die nicht nur Covid-Erkrankte treffen: Herzinfarkte, schwere Verletzungen oder Krebserkrankungen könnten mittelfristig beispielsweise nicht mehr ausreichend behandelt werden. Bundesweit werden aktuell mehr als 2600 Covid-19-Patienten versorgt – annähernd so viele wie vor einem Jahr.

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Vierte Corona-Welle: Intensivstationen erneut an der Belastungsgrenze

Die Vorhersage für die kommenden Wochen und Monate fällt nicht besser aus. Sie kommt von Mathematiker Andreas Schuppert von der Technischen Hochschule Aachen und dem Intensivmediziner und Leiter des DIVI-Intensivregisters Christian Karagiannidis. Die Ergebnisse sind auch in einem Preprint nachzulesen. Die Berechnungen auf Grundlage des derzeitigen Infektionsgeschehens zeigen, dass sich die Patientenzahl in den kommenden Wochen voraussichtlich fast verdoppeln wird – wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter so steigt wie bisher.

„Bei einer Inzidenz von 300 erwarten wir bundesweit etwa 4500 Covid-Patienten mit großen regionalen Unterschieden“, erläuterte Intensivmediziner Karagiannidis dazu im Gespräch mit dem „WDR“. 5000 Patienten seien vielleicht zu schaffen – aber es könne trotzdem sein, dass man bereits bei insgesamt 3000 Patienten „in Bayern absolut größte Schwierigkeiten“ haben werde, Platz für einen Covid-Patienten zu finden.

Die derzeit am stärksten betroffenen Regionen – bei den Neuinfektionen wie auf den Intensivstationen – sind Sachsen mit einer Inzidenz von 491,3 vor Thüringen mit 427,5 und Bayern mit 316,2. In den drei Ländern liegt jeweils in rund jedem fünften Intensivbett ein Covid-19-Fall. Mehrere Landkreise in den Hotspotregionen haben laut Divi-Intensivregister nur noch wenige oder keine freien Intensivbetten mehr. In Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Niedersachsen seien Intensivstationen regional vereinzelt komplett ausgelastet, könnten aber noch innerhalb des Bundeslandes den Mangel an Intensivbetten ausgleichen.

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Noch 270.000 potenziell Intensivpflichtige wegen Covid-19

Bei den aktuellen Impfquoten gehen Schuppert und Karagiannidis davon aus, dass es bundesweit noch etwa 270.000 Patientinnen und Patienten gibt, die im Zusammenhang mit Covid-19 potenziell intensivpflichtig werden könnten. Diese setzten sich aus 232.000 Nichtgeimpften und 38.000 Geimpften und Genesenen mit Grunderkrankungen, Immunschwäche und/oder hohem Alter zusammen. Im Durchschnitt belege eine schwer an Covid-19 erkrankte Person derzeit rund 20 Tage ein Bett.

Die entscheidende Frage wird sein, ob und wie der Aufwärtstrend gestoppt werden kann.

Aus dem Bericht zur Hochrechnung

Die Berechnung zeigt also: In jedem Fall wird die Belastung des Gesundheitswesens durch die Winterwelle enorm sein. Die offene Frage ist eben nur: Bei welchem Inzidenzlevel ist im Dezember Schluss, wo wird sich die Zahl der Ansteckungen einpendeln? Dabei gibt es noch Spielraum.

„Die entscheidende Frage wird sein, ob und wie der Aufwärtstrend gestoppt werden kann“, heißt es auch im Paper von Karagiannidis und Schuppert. Die Werkzeuge? Booster-Impfungen breitflächig ausrollen „und damit einen substanziellen Einfluss auf den R-Wert bekommen“, Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte in Form von 2G, der freiwillige Verzicht auf Kontakte durch Geimpfte, Genesene und nicht Geimpfte.

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Mehr Geimpfte tragen zu schnellerer Entspannung der Corona-Lage bei

Wenn der Anstieg der Inzidenzen von Jahr zu Jahr geringer ausfällt und damit auch die damit verbundene Intensivbelastung, könnte die Corona Pandemie wie eine Schwingung, die von Saison zu Saison geringer wird, auslaufen.

Aus dem Bericht

Ein Umdenken bei hohen Infektionszahlen könnte dazu führen, dass die Ansteckungen mit dem Coronavirus im Dezember und Januar auf einem bestimmten Infektionsniveau verbleiben – und sich letzten Endes bis voraussichtlich April oder Mai 2022 ein Plateau einstellt. „Aus Sicht der intensivmedizinischen Kapazitäten wäre dies eine gangbare Lösungsmöglichkeit“, heißt es im Bericht. Die Kliniken könnten sich dann auf eine auf ähnlichem Niveau bleibende Zahl von Covid-19-Erkrankten anpassen.

Eine bittere Erkenntnis steckt aber auch in dem Bericht. „Ein Schließen der Impflücke, würde auf der anderen Seite alle vorangegangenen Punkte ad hoc lösen und ein weitestgehend normales Leben ermöglichen“, heißt es darin. Dass noch Luft nach oben ist, zeigen die aktuellen vom RKI gemeldeten Impfquoten: Rund 14,5 Prozent der über 60-Jährigen, 26,4 Prozent der 18 bis 59-Jährigen haben keinen Impfschutz. Bei den 12 bis 17-Jährigen sind 57 Prozent nicht geimpft (Stand: 9. November).

Und nach der Winterwelle? „Wenn der Anstieg der Inzidenzen von Jahr zu Jahr geringer ausfällt und damit auch die damit verbundene Intensivbelastung, könnte die Corona Pandemie wie eine Schwingung, die von Saison zu Saison geringer wird, auslaufen“, schreiben Karagiannidis und Schuppert. Hierzu wäre es dann aber essenziell, dass die Inzidenzen nur so weit steigen, dass dies intensivmedizinisch auch noch geleistet werden könne.

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