Besser verträglich, aber hohes Restrisiko

Helfen gekochte Erdnüsse bei Allergien?

Erdnüsse.

Viele Kinder zeigen beim Verzehr von Erdnüssen allergische Reaktionen.

Eine Erdnussallergie kann lebensgefährlich sein. Mildere Symptome sind Kopfschmerzen, gereizte Atemwege, Jucken, Hautausschlag oder Bauchschmerzen. In schweren Fällen droht ein anaphylaktischer Schock, der Atemnot und Kreislaufversagen bis zum Tod auslösen kann. Schätzungen zufolge leiden zwischen 0,5 und 2 Prozent der Kinder und 0,2 Prozent der Erwachsenen in Europa darunter.

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Eine wirksame Therapie gibt es bisher nicht. Könnten gekochte Erdnüsse helfen, die Allergie zu überwinden? Australische Forschende haben in einer Studie erste Erfolge damit erzielt. Allerdings fehlen noch weitere Daten und das Verfahren ist keinesfalls risikofrei. Fest steht schon jetzt: Für starke Allergiker ist die Methode nicht geeignet.

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An der australischen Studie hatten 70 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren teilgenommen, bei denen zuvor eine Erdnussallergie diagnostiziert worden war. Langes Kochen verändert die Proteine der Erdnuss. Die Eiweiße verlieren ihre Struktur und lösen danach weniger starke allergische Reaktionen aus: Man spricht auch von einer Denaturierung der Proteine. Dies gilt als einer der Gründe dafür, warum es in Asien weniger Erdnussallergien gibt. Während in Europa, Amerika oder Australien vor allem geröstete Erdnüsse konsumiert werden, sind in asiatischen Gerichten häufig gekochte Erdnüsse enthalten. Die australischen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hatten nun versucht, die Kinder mithilfe gekochter Nüsse allmählich an den Genuss von Erdnüssen zu gewöhnen. Ein Verfahren, das man Hyposensibilisierung nennt.

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Zunächst aßen die Kinder zwölf Wochen lang Erdnüsse, die zwölf Stunden lang gekocht worden waren, und danach 20 Wochen lang Erdnüsse, die zwei Stunden lang gekocht worden waren. Im Anschluss aßen die Kinder weitere 20 Wochen lang geröstete Erdnüsse, die als weniger gut verträglich gelten. Den Autoren und Autorinnen der Studie zufolge konnten 80 Prozent der Kinder bei Studienende zwölf geröstete Erdnüsse essen, ohne eine allergische Reaktion zu entwickeln.

Für starke Allergiker zu gefährlich

Die Studienergebnisse sind aber mit Vorsicht zu betrachten. So war der Versuch nicht Placebo-kontrolliert: eigentlich ein wissenschaftliches Standardverfahren, bei dem die Wirkung einer Therapie im Vergleich zu einem wirkstofflosen Scheinmedikament getestet wird. Zudem waren Kinder mit besonders ausgeprägten Allergien von der Studie ausgenommen worden – für sie wäre der Versuch zu gefährlich gewesen.

Thomas Fuchs ist Vizepräsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (Aeda) und als Professor in der Universitätsmedizin Göttingen tätig. Er sieht die neue Untersuchung kritisch. „Es ist zwar ein interessanter experimenteller Ansatz. Aber die Studie ist inkomplett. Ich halte das Risiko für zu groß, dass auch durch gekochte Erdnüsse schwerste allergische Reaktionen ausgelöst werden können“, sagt Fuchs.

Die Verarbeitung von Erdnüssen könne zwar tatsächlich deren Verträglichkeit beeinflussen: „Es gibt Hinweise darauf, dass das bei uns übliche Rösten der Erdnüsse deren Allergenität intensiviert “, sagt Fuchs. „Durch langes Kochen hingegen könnten Erdnussproteine teilweise denaturieren und von Allergikern dann besser vertragen werden. Allerdings ist bei Erdnüssen bekannt, dass deren Proteine relativ beständig sind, und es sind daher sicher auch nach dem Kochen noch Allergene enthalten.“

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Erdnüsse besser vollständig meiden

Tatsächlich waren auch in der australischen Studie unerwünschte Reaktionen aufgetreten. 61 Prozent der Kinder entwickelten zumindest vorübergehend allergische Reaktionen. Bei dreien waren diese so stark, dass sie mit dem Notfallmedikament Epinephrin behandelt werden mussten. Drei Kinder mussten die Teilnahme am Versuch wegen allergischer Reaktionen abbrechen.

Eltern sollten in keinem Fall selbst versuchen, einem allergischen Kind gekochte Erdnüsse zu geben, auch im Versuch war dies zunächst nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen. „Davon kann ich nur dringend abraten“, sagt auch Fuchs. Exprimente seien speziell bei der Erdnuss gefährlich. „Es handelt sich hier um ein relativ starkes Allergen und allergische Reaktionen können tödlich verlaufen“, so Fuchs.

Standardisierte Produkte mit geringen Dosen Erdnussprotein zur Hyposensibilisierung seien bereits auf dem Markt. Möglich sei auch, dass sich die Reaktion auf Spuren von Erdnüssen damit verringern lasse. Eine Hoffnung für viele Eltern, die fürchten, dass ihre Kinder versehentlich geringe Mengen von Erdnüssen zu sich nehmen, die in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten sind. Anders als einige seiner Kollegen und Kolleginnen, sagt Fuchs, halte er aber auch den Einsatz solcher Produkte für wenig sinnvoll. „Auch hierbei besteht ein relativ hohes Risiko für Nebenwirkungen“, sagt Fuchs. Der bessere Weg sei es, bei einer Allergie Erdnüsse vollständig zu meiden.

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