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Nach dem Auftritt von Markus Anfang im „Aktuellen Sportstudio“

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung: Deshalb brauchen Sie sich nicht zu sorgen

Der ehemalige Werder-Trainer Markus Anfang (im Bild mit Moderator Sven Voss) hat nach wie vor „große Angst“ vor einer Corona-Impfung. Seine Befürchtung, eine Herzmuskelentzündung nach der Impfung zu erleiden, ist zumindest statistisch unbegründet.

Es war ein Skandal und kostete den früheren Bundesliga-Profi Markus Anfang seinen Job: Der 47-Jährige war am 20. November 2021 als Trainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen zurückgetreten, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen der Nutzung eines gefälschten Impfausweises ermittelte. Unterdessen wurde er vom Amtsgericht Bremen zu einer Geldstrafe von 36.000 Euro verurteilt. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) belegte den Trainer mit einer Sperre von einem Jahr, die ab dem 10. Juni zur Bewährung ausgesetzt wird.

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Anfang ist nach eigenen Angaben nach wie vor nicht geimpft. Er erklärte dies in seinem TV-Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ am Samstagabend mit „einer großen Angst vor dieser Impfung“, die von einer eigenen Herzmuskelentzündung und einem schweren Herzinfarkt bei seinem Vater herrühre.

Eine Herzmuskelentzündung kann in sehr seltenen Fällen nach einer mRNA-Impfung mit den Vakzinen von Moderna oder Biontech auftreten, betroffen sind vor allem junge Männer. Experten beurteilen das Risiko dafür nach einer Corona-Infektion aber als größer als nach einer Schutzimpfung. „Aber diese Angst ist mir schwer zu nehmen“, sagte Anfang. Er habe deshalb eine Impfung vorgetäuscht, um seinen Trainerjob nicht zu gefährden. „Werder Bremen war eine Riesenchance für mich. Ich wollte unbedingt dabei bleiben“, sagte er.

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Risiko für Herzmuskelentzündung ist gering

Anfangs Angst ist zumindest statistisch unbegründet. Das Risiko, nach der Corona-Impfung an einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Herzbeutelentzündung (Perikarditis) zu erkranken, bleibt insgesamt sehr gering, fanden Forschende der University of Oxford heraus. Stattdessen würden diese Beschwerden deutlich häufiger nach einer Infektion mit dem Coronavirus vorkommen, schrieben sie in ihrer Studie, die Mitte Dezember im Fachmagazin „Natur Medicine“ erschienen ist.

Und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) schreiben in ihrem jüngsten Sicherheitsbericht vom 7. Februar dieses Jahres, der alle Daten bis Jahresende 2021 erfasst: „Bis zum 30.12.2021 wurden laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 148.760.720 Impfungen durchgeführt […] Insgesamt wurden 244.576 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung nach Comirnaty, Spikevax, Vaxzevria und COVID-19 Vaccine Janssen gemeldet.“

Darunter waren 1511 Myokarditis- oder Perikarditis-Fälle.

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Laut PEI sind Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach einer Corona-Impfung sehr selten und treten vornehmlich bei jungen Männern auf. In Sicherheitsbericht des Instituts heißt es: „Die Gesamtmelderate nach dritter Impfung beträgt für die mRNA-Impfstoffe 0,38 (Comirnaty) beziehungsweise 0,34 (Spikevax) pro 100.000 Impfdosen. Für beide Impfstoffe ist die Melderate bei jungen Männern im Alter von 18 bis 29 Jahren am höchsten (1,11 bzw. 2,98 pro 100.000 Impfdosen Comirnaty beziehungsweise Spikevax). Da lediglich vier Fälle einer Myokarditis nach Spikevax in dieser Altersgruppe berichtet wurden, ist die Melderate bei jungen Männern im Alter von 18 bis 29 Jahren mit Vorsicht zu interpretieren.“

Und weiter: „Insgesamt scheint die Melderate einer Myo-/Perikarditis nach Booster-Impfung für Meldungen bis zum 31.12.2021 geringer zu sein als nach der Grundimmunisierung (Vergleich Sicherheitsbericht bis zum 30.11.2021). Dies ist auch konsistent mit Daten der Arzneimittelbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) des Vereinigten Königreichs (Januar 2022).“

Zudem verliefen die Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen meist mild. Eine Erkrankung nach einer Corona-Infektion sei wahrscheinlicher als nach einer Impfung. Bei den Erst- und Zweitimpfungen stuft das PEI das Auftreten von Myo- und Perikarditis übrigens als „sehr selten“ (weniger als ein Fall pro 10.000 Impfungen) ein. Des Weiteren schreiben die Forschenden: „Die publizierten Daten […] weisen auf einen überwiegend blanden (schwach oder mild, Red.) Verlauf hin, d. h. die Mehrheit der Patienten mit einer Myo-/Perikarditis nach Impfung mit mRNA-Impfstoffen spricht gut auf Behandlung und Ruhe an und erholt sich rasch.“

Es besteht also kein Grund zur Sorge, nach einer Impfung an einer der beiden Entzündungsformen zu erkranken. Die individuelle Krankengeschichte der Familie Anfang kann hier allerdings nicht beurteilt werden.

Mit dpa

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