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Inzidenz liegt wieder unter 1000

Beginnt jetzt der entspannte Corona-Sommer?

Timmendorfer Strand: Zahlreiche Menschen sind schon in den Morgenstunden am Ostseestrand unterwegs.

Zahlreiche Menschen tummeln sich am Timmendorfer Strand: Wird der Corona-Sommer wieder entspannt?

Das letzte Mal lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland am 26. Januar diesen Jahres unter 1000. Damals zeichnete sich ein steiler Anstieg der Corona-Neuinfektionen ab, ausgelöst durch die deutlich ansteckendere Virusvariante Omikron. Nach mehr als zwei Monaten scheint sich die Infektionslage nun zu bessern, die Inzidenz ist wieder unter die Marke von 1000 gefallen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Kennzahl am Samstag mit 876,5 Fällen pro 100.000 Einwohner an. „Der Gipfel der aktuellen Welle ist jetzt klar überschritten“, schrieb die Behörde bereits in ihrem Wochenbericht vom 7. April.

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Doch wie geht es jetzt weiter? Ist die Gefahr durch das Coronavirus ein für alle Mal gebannt, und es steht ein entspannter Sommer bevor? Oder muss sich Deutschland noch einmal auf einen Anstieg der Infektionszahlen einstellen?

Es wird wärmer, und das Coronavirus ausgebremst

Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen ist zuversichtlich, dass die Fallzahlen in den kommenden Wochen weiter zurückgehen werden. „Dies ist vermutlich einer Kombination von Saisonalität und vorausgegangener Infektion beziehungsweise Impfung geschuldet“, sagte er auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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Dass saisonale Effekte das Coronavirus ausbremsen, konnten mittlerweile mehrere Studien zeigen – unter anderem eine umfassende Analyse von US-amerikanischen Forschenden, die meteorologische Daten und offiziell nachgewiesene Covid-19-Fälle in 50 Ländern der Nordhalbkugel miteinander verglichen hatten. Sie waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Rate neuer Corona-Fälle bei steigenden Temperaturen abnimmt.

„Obwohl Covid-19 eine Infektionskrankheit ist, die nicht temperaturabhängig übertragen wird, deuten unsere Untersuchungen darauf hin, dass es auch eine saisonale Komponente haben kann“, wird Aruni Bhatnagar, Co-Autor der Studie und Direktor des Brown Envirome Institute, in einer Mitteilung der University of Louisville zitiert. Ebenso spielen Faktoren wie soziale Distanzierung und die Aufenthaltsdauer in Innenräumen bei der Verbreitung des Coronavirus eine Rolle.

Infektionen mit Omikron bauen schwächere Immunität auf

Als die Forscherinnen und Forscher ihre Studie durchführten, gab es aber noch nicht die Omikron-Variante. Die erstmals Ende vergangenen Jahres nachgewiesene Mutante des Coronavirus löste in Südafrika während der Sommermonate eine neue Infektionswelle aus, trotz hoher Temperaturen. Ein Hinweis darauf, dass saisonale Effekte bei Omikron schwächer ausfallen könnten. Allein reichen sie ohnehin nicht aus, um das Infektionsgeschehen deutlich abzuschwächen – egal, welche Virusvariante zirkuliert.

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Entscheidend für den weiteren Verlauf der Pandemie sei laut Zeeb deshalb besonders die Stärke der Immunantworten. „Leider ist Omikron scheinbar nicht so immunogen wie vorherige Varianten“, sagte der Epidemiologe. Milde Krankheitsverläufe, wie sie die Virusvariante größtenteils verursacht, stimulieren das menschliche Immunsystem nicht so stark wie schwere. Das heißt, die Antikörperantworten fallen geringer aus, und damit auch der Schutz vor erneuten Infektionen.

Tübinger Forscher entwickeln neuen Corona-Impfstoff für Menschen mit Immundefekt

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Gleichzeitig bieten vorangegangene Infektionen mit anderen Virusvarianten nur wenig Schutz vor Ansteckungen mit Omikron, wie etwa eine Studie aus Katar nahelegt. Und die durch eine Ansteckung erworbene Immunität lässt mit der Zeit nach – unabhängig davon, mit welcher Version des Coronavirus man sich infiziert hat.

Keine Herdenimmunität möglich

Ansteckungen allein sorgen also auf Dauer nicht für eine ausreichende Immunität in der Bevölkerung. Dafür braucht es auch die Corona-Impfungen. Zwar kann Omikron nicht nur die Immunantworten von Genesenen umgehen, sondern auch von Geimpften; aber die Impfstoffe schützen weiterhin effektiv vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen – insbesondere dann, wenn sie dreimal verabreicht wurden, wie Daten des Robert Koch-Instituts verdeutlichen. Bei einer neuen Studie, die ein Team um die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf durchgeführt hat, war zudem herausgekommen, dass dreifach Geimpfte sogar weniger ansteckend sind als Ungeimpfte.

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Einen hundertprozentigen Schutz vor dem Coronavirus bieten die Impfstoffe jedoch nicht. Auch ihre Wirkung lässt mit der Zeit allmählich nach, insbesondere der Schutz vor Infektionen. Das heißt, auch Geimpfte können sich irgendwann wieder mit Sars-CoV-2 infizieren. Dadurch wird eine Herdenimmunität, auf die zu Beginn der Pandemie viele Expertinnen und Experten gehofft hatten, unmöglich. Das Virus bleibt wohl auf Dauer in der Bevölkerung präsent und verursacht Infektionen. Ein Zustand, der als Endemie bezeichnet wird.

Virologe Drosten: Sommer wird nicht infektionsfrei

Christian Drosten, der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, ist überzeugt, dass auch der kommende Sommer nicht infektionsfrei verlaufen wird. „Ich glaube nicht, dass wir bei uns eine ungebändigte Welle im Sommer sehen“, sagte er Anfang März im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. „Aber man wird sich auch im Sommer mit diesem Omikron-Virus anstecken können.“ Ähnliche Vermutungen stellte auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an, als er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler und Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), zuletzt von einer bevorstehenden „Sommerwelle“ sprach.

„Meine Einschätzung ist, dass wir auf ein niedrigeres Niveau bei den Fallzahlen kommen werden als jetzt, und insgesamt mit den Erkrankungen im Gesundheitswesen ausreichend klarkommen, aber weiter daran arbeiten müssen, die Todeszahlen zu vermindern“, sagte Epidemiologe Zeeb mit Blick auf die kommenden Monate. Nach wie vor versterben viele Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Zuletzt meldete das RKI binnen eines Tages 29 Todesfälle.

Kliniken leiden unter Personalengpässen

Weiterhin auf einem hohen Niveau ist auch die Zahl der in den Krankenhäusern behandelten Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Eine Überlastung der Intensivstationen drohe zwar nicht, stellte Divi-Präsident Marx bei der vergangenen Bundespressekonferenz in Berlin klar. Aber es gebe zum Teil einen großen Personalmangel.

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Einige Kliniken müssten Operationen verschieben und den Betrieb einschränken, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen einer Corona-Infektion nicht einsatzbereit seien. „Die hohe Quote fehlender Mitarbeiter ist für das Gesundheitssystem insgesamt, und insbesondere auf den Intensivstationen, belastend und eine wirklich große Herausforderung im Moment“, sagte Marx.

Entspannter Sommer – aber weiter vorsichtig sein

Obwohl die Infektionszahlen in Deutschland nun allmählich sinken, wird das Coronavirus auch in den kommenden Wochen weiter in der Bevölkerung zirkulieren. Weitere Infektionen – und damit eventuelle Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen – sind also nicht auszuschließen. Basisschutzmaßnahmen wie Abstand halten, regelmäßiges Lüften, das Tragen von Masken, Testen, bei coronatypischen Symptomen zu Hause bleiben und sich impfen lassen, werden also auch im Sommer wichtig bleiben.

Wie immer in dieser Pandemie sollte man sich jedoch nicht zu sicher fühlen.

Marco Binder,

Virologe vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

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Virologe Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ist „verhalten optimistisch, dass wir vor dem Herbst keine ernsteren Situationen mehr durchmachen müssen und einen recht entspannten Sommer haben können“. Er mahnte jedoch, die Situation weiter genau zu beobachten: „Wie immer in dieser Pandemie sollte man sich jedoch nicht zu sicher fühlen“, sagte er dem RND. „Wachsame Gesundheitsbehörden und Wissenschaftler werden das Virus im Auge behalten und können besorgniserregende Veränderungen der Lage frühzeitig erkennen.“

Im Herbst droht ein erneuter Fallzahlanstieg

Eine Sache bereitet den Expertinnen und Experten aber schon jetzt Sorge: der Herbst. „Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen im Herbst wieder ansteigen“, gab Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster auf Anfrage des RND zu bedenken, „und dann wird der weitere Verlauf abhängig sein von der Frage, ob es einen angepassten Impfstoff gibt und ob sich neue Varianten herausbilden, die noch ansteckender sind.“

Bis ein an Omikron angepasster Impfstoff auf dem Markt ist, wird es wohl noch dauern. Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Moderna hat sein mRNA-Vakzin nicht vor August angekündigt. Schneller könnte das Präparat von Biontech zur Verfügung stehen: „Wir werden die zulassungsrelevanten Daten noch im April veröffentlichen“, kündigte eine Sprecherin des Mainzer Biotechnologieunternehmens im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ an.

Bis zu einer Zulassung der Vakzine durch die Europäische Arzneimittelbehörde dürften dann noch mal einige Wochen vergehen. Wenn es gut läuft, könnten die ersten Impfungen schätzungsweise im Spätsommer beginnen. Die entscheidende Frage ist am Ende: Wie effektiv sind die neuen Omikron-Impfstoffe? Da entsprechende Daten noch fehlen, raten Expertinnen und Experten, sich lieber mit den jetzt vorhanden Vakzinen impfen und boostern zu lassen, als auf die angepassten Omirkon-Impfstoffe zu warten.

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Wie variabel ist das Coronavirus noch?

Eine Prognose zur Entstehung neuer Virusvarianten ist hingegen kaum möglich. „Zu oft schon wurden wir von neuen Varianten überrascht, die wir so nicht auf dem Schirm hatten“, sagte Virologe Binder. Tatsächlich könnte auch jetzt wieder eine virale Überraschung bevorstehen. Es gibt nach wie vor viele Länder, in denen sich massenweise Menschen mit dem Coronavirus infizieren und in denen sich teilweise sogar mehrere Virusvarianten gleichzeitig verbreiten – das sind ideale Bedingungen für Mutationen.

„Wir gehen davon aus, dass sich das Virus weiter verändern wird“, sagte Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel (Schweiz), gegenüber dem RND. „Wie genau, und welche Auswirkungen solche Veränderungen haben, lässt sich aber nicht vorhersagen.“

Problematisch wäre nicht nur eine Virusvariante, die noch infektiöser ist als Omikron, sondern die zudem noch immunflüchtiger ist. Dann „könnten wir weitere Wellen erleben“, stellte Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen, in Aussicht. „Kleinere, regionale Wellen wären dann auch im Sommer nicht ausgeschlossen.“

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