Wer überwacht das Coronavirus zukünftig?

Gesundheitsarbeiter nehmen in Bangkok einen Nasenabstrich von Einwohnern für den Coronavirus-Test auf einem Markt.

Gesundheitsarbeiter nehmen in Bangkok einen Nasenabstrich von Einwohnern für den Coronavirus-Test auf einem Markt.

In welcher Form auch immer: Corona wird bleiben. Auch wenn es die Welt nicht mehr als Pandemie in Atem hält – ganz verschwinden wird Sars-CoV-2 wohl nicht mehr. Stattdessen gehen Forschende davon aus, dass das Virus weiter nach Möglichkeiten suchen wird, das menschliche Immunsystem zu umgehen und auszutricksen. Dabei werden sich neue Varianten bilden, die das Ziel haben, trotz Impfungen weiterhin Menschen zu infizieren. Zum Problem wird das vor allem dann, wenn dies unbeobachtet geschieht. Wenn dem Virus ein „immune escape“ gelingt, ohne dass die Menschen schnell darauf reagieren – zum Beispiel mit einem angepassten Impfstoff.

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Vorbild Influenza?

Gesundheitsexperten und -expertinnen kennen dieses Problem bereits. Der Grippeimpfstoff beispielsweise muss jedes Jahr aktualisiert und an die zirkulierenden Grippeviren angepasst werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sammelt dazu zahlreiche Daten von nationalen Behörden ein, um eine entsprechende Empfehlung abzugeben. Dazu ist es wichtig, die verschiedenen Grippeviren gut zu beobachten und zu wissen, welche wo verbreitet sind. In Deutschland ist unter anderem das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Influenzaviren an der Überwachung beteiligt. Es bestimmt das Profil der verschiedenen in der Bevölkerung auftretenden Grippeviren. So wurden dem Labor in der Woche zwischen dem 17. und 23. Mai insgesamt Proben von 38 Arztpraxen für die Analyse zugesandt. Diese Daten werden dann unter anderem der WHO zur Verfügung gestellt. Außerdem erhält die „Arbeitsgemeinschaft Influenza“, zu der das NRZ gehört, Meldungen von zahlreichen Arztpraxen in Deutschland.

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Auch das Coronavirus wird künftig weiter ganz genau beobachtet werden müssen. Aber geht das überhaupt?

Ein Vorbild könnte hierzu tatsächlich das Influenza-Überwachungssystem sein, sagt Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel. In Europa funktioniere die Überwachung der Erbgutsequenzen und neu auftretenden Mutationen bei Sars-CoV-2 mittlerweile sehr gut, „aber bei der Charakterisierung der Varianten und der Risikobewertung wäre mehr internationale Koordination sinnvoll“. Das sei vor allem für die Aktualisierung von Impfstoffen notwendig.

Art der Proben wichtig

In jedem Fall brauchte es zur Überwachung von Sars-CoV-2 internationale Strukturen, sagt auch Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe „emerging viruses“ in der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Universität Genf. Die Proben, die analysiert werden, sollten aus unterschiedlichen und repräsentativen Regionen stammen. Viele Proben, etwa von einem lokalen Ausbruch, sind im Bezug auf Variantenkontrolle nicht sehr aufschlussreich.

Doch genau das könne zum Problem werden: In Regionen, in denen der Zugang zu Impfstoff begrenzt ist und das Virus unkontrolliert zirkuliert, besteht die größte Wahrscheinlichkeit, dass neue Varianten entstehen. „Genau diese Länder jedoch haben in der Regel die schwächste Laborkapazität“, so Eckerle gegenüber dem Science Media Center. Hinzu komme, dass – im Gegensatz zur Influenza – bei Sars-CoV-2 noch viel weniger gut verstanden sei, welche Faktoren für die Zirkulation überhaupt eine Rolle spielten, und man deshalb „viel breiter und umfassender überwachen muss“.

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Um einen guten Überblick darüber zu erhalten, wie sich das Coronavirus entwickelt, liest man zudem am besten nicht nur einzelne Abschnitte, sondern das ganze Genom verschiedener Proben aus, erklärt Eckerle. Doch auch das könnte gerade in ärmeren Regionen ein Problem darstellen, weil eine Vollgenomsequenzierung teurer und technisch aufwendiger ist. Eine Alternative könnten dann spezifische PCR-Tests sein.

Wie wird nach dem Pandemieende weiter getestet?

„Eine weitere wichtige Frage wird ebenso sein, wie viel noch auf Sars-CoV-2 überhaupt getestet wird, wenn die Pandemie vorüber ist, sodass viele milde Infektionen unerkannt bleiben werden“, sagt Eckerle. In dem Fall könnten Stichprobenerfassungen oder Tests, die zum Beispiel in Hausarztpraxen bei entsprechenden Symptomen gemacht werden, eine wichtige Rolle spielen.

Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, spricht sich zudem dafür aus, auch die Antikörper im Blick zu behalten. Mittels einer entsprechenden Nachweismethode könne man den Unterschied zwischen Antikörpern nach einer Impfung und Antikörpern nach einer Infektion differenzieren. Es sei so teilweise auch möglich, Antikörper zu identifizieren, die von einer Virusvariante verursacht wurden.

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Eines aber macht Virologin Eckerle auch klar: Nur weil man das Coronavirus und seine verschiedenen Varianten beobachtet, hat man noch keine effektive Infektionskontrolle. „Wenn die Eindämmung schon bei den früheren, weniger ansteckenden Linien von Sars-CoV-2 nicht funktioniert hat, wird dies erst recht nicht bei den ansteckenderen Varianten klappen.“

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