Zypern berichtet über neue Corona-Variante „Deltacron“

PCR-Proben werden in Speziallaboren genauer untersucht, um mehr über die Bausteine des mutierten Coronavirus zu erfahren (Symbolbild).

Ein Wissenschaftsteam aus Zypern hat nach eigenen Angaben eine neue Variante des Coronavirus entdeckt. Das Besondere: Infizierte hatten sich nach ersten Erkenntnissen mit Delta und Omikron infiziert, wobei sich offenbar die Erbsubstanzen der Varianten miteinander kombinierten. Die mutmaßliche Entdeckung dieses Virenstrangs nannte der Molekularbiologe und Virologe Leondios Kostrikis von der Universität Zypern „Deltacron“, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg News berichtete. Andere Wissenschaftler haben allerdings Zweifel, ob es sich wirklich um Co-Infektionen handelt.

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Das Team um Kostrikis hatte Proben im Labor näher untersucht und die Bausteine der Erbsubstanz im Genom des Virus entschlüsselt. Fachleute sprechen bei diesem Verfahren von Sequenzierung. Innerhalb des Delta-Genoms seien dann genetische Strukturen entdeckt worden, die der Omikron-Variante ähneln, sagte Kostrikis dem Bericht zufolge in einem Interview mit dem örtlichen Sender Sigma TV. 25 solcher Fälle seien bislang identifiziert worden. Die Sequenzen seien Anfang Januar auch an die internationale Datenbank „Gisaid“ geschickt worden. Darüber können Forschende weltweit die Mutationen des Coronavirus verfolgen.

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„Deltacron“: bislang nur ein Einzelbefund

Bislang ist unklar, ob es anderswo weitere solcher Fälle gibt. Es ist auch nicht klar, ob es dadurch Folgen in Bezug auf Ansteckung und Krankheitsschwere gäbe. „Wir werden in Zukunft sehen, ob dieser Stamm pathologischer oder ansteckender ist oder ob er sich gegenüber Delta und Omikron durchsetzen wird“, wird Wissenschaftler Kostrikis zitiert. Er gehe aber davon aus, dass diese Variante durch die hochansteckende Omikron-Variante verdrängt werde.

Überraschend wäre es nicht, dass sich die Variantenstränge vermischen. „Es kann schon vorkommen, dass sich jemand mit Delta und Omikron infiziert und sich die Erbsubstanz rekombiniert“, erklärte vor wenigen Wochen der Virologe Jörg Timm vom Universitätsklinikum Düsseldorf im Gespräch mit dem RND. Es könnte aber auch noch andere Erklärungen für den Befund aus Zypern geben. Die auffälligen Proben könnten im Labor durch Verunreinigungen entstanden sein, tweetete der Virologe Tom Peacock, der am britischen Imperial College London zu Corona forscht. Danach sehe es aus, weil sich die Sequenzen nicht auf einem phylogenetischen Baum gruppierten.

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„Diese Genome sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Artefakte“, erläuterte auch Richard Neher von der Universität Basel (Schweiz), führender Experte für Virusvarianten. Die Omikron-Mutationen, die hier in einem Zusammenhang mit Delta-Genomsequenzen beobachtet würden, beträfen alle einen DNA-Abschnitt, der bei Delta-Nachweisen oft sehr schwach ausfalle und daher sehr anfällig für Kontamination sei. „Es ist zwar durchaus möglich, dass es Rekombinanten gibt, aber bislang wurden keine größeren Ausbrüche mit solchen Varianten beobachtet“, betonte Neher. „Diese Genome aus Zypern sind vermutlich keine Rekombinanten.“ Auch die WHO-Expertin Maria van Kerkhove äußerte auf Twitter, sie gehe davon aus, dass das Ergebnis wahrscheinlich auf Verunreinigungen beim Sequenzieren zurückgehe.

Auch ein Mitglied des griechischen Krisenstabes für die Corona-Pandemie, Gikas Magiorkinis, erklärte, dass Kostrikis‘ Schlüsse falsch seien. „Erste Analysen zeigen, dass es sich um einen technischen Fehler des Labors handelt“, twitterte der Epidemiologe. Kostrikis selbst allerdings wollte eine Fehleinschätzung zunächst nicht einräumen, er beharrte am Montag auf seinen Ergebnissen.

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Corona-Varianten tauchen immer wieder auf

Seit dem Auftauchen von Omikron gab es schon mehrere Berichte über Virusvarianten mit auffällig kombinierten Mutationen. Das jüngste Beispiel: B.1.640.2. Erstmals entdeckt wurde diese Variante Anfang Dezember von Forscherinnen und Forschern des französischen Instituts IHU Méditerranée Infection in Marseille. Diese hatten in Proben von zwölf Corona-Infizierten, darunter fünf Kinder unter 15 Jahren, eine „atypische Kombination“ von Mutationen nachweisen können.

Aber auch in diesem Fall ist es noch zu früh, um über virologische, epidemiologische oder klinische Merkmale zu spekulieren, wie Forschende weltweit betonen. Auch Wissenschaftler Peacock geht davon aus, dass sich die überwiegende Mehrheit solcher Befunde höchstwahrscheinlich als Kontamination oder Co-Infektion herausstellt. Näher müsste man hinschauen, wenn mehrere Sequenzierungslabore die gleiche Rekombination unabhängig voneinander finden. Aber: „Es gibt (noch) keine klaren Anzeichen dafür, dass etwas Reales oder Böses passiert“, betonte der Wissenschaftler.

mit Material von dpa/ aktualisiert am 10. Januar.

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