Musiker beziehen Stellung

Krieg in der Ukraine: Popstars singen für den Frieden

Sting konnte 2020 nicht nach Dresden kommen, nun wird sein Auftritt bei den Festspielen 2021 stattfinden.

Die Russen lieben ihre Kinder auch: Sting hat seinen Oldie „Russians“ neu eingespielt – ein Statement gegen Putins Krieg.

Sting spielt wieder „Russians“ – seinen versöhnlichen Song aus der Spätphase des Kalten Krieges. Der im November 1985 als Single erschien und damit praktisch das erste Treffen des einst russophoben US-Präsidenten Ronald Reagan und des im März zuvor zum ersten Mann der Sowjetunion aufgestiegenen Michail Gorbatschow in Genf „begleitete“. Eine Phase des Aufeinanderzugehens und des Miteinanders brach danach an, der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West wurde verschrottet, die „bessere Welt“ schien möglich.

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Sting spielte den Song nicht oft. Wozu auch? Bald gab es keinen Grund mehr, daran zu erinnern, dass „die Russen ihre Kinder auch lieben“, wie es im Text heißt. Das war sonnenklar.

Sting singt wieder „Russians“

Jetzt singt der britische Popstar das Stück wieder. „Angesichts der blutigen und bedauerlich fehlgeleiteten Entscheidung eines Mannes, in ein friedliches, harmloses Nachbarland einzumarschieren, ist das Lied erneut ein Plädoyer für die uns gemeinsame Menschlichkeit“, sagt Sting auf Instagram. „Für die tapferen Ukrainer, die gegen diese brutale Tyrannei kämpfen, und auch für die vielen Russen, die trotz drohender Verhaftung und Inhaftierung gegen dieses Unrecht protestieren: Wir, wir alle, lieben unsere Kinder. Stoppt den Krieg!“ Dann singt er, spielt dazu Akustikgitarre, während Ramiro Belgardt sein Cello weidlich trauern lässt.

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Schon immer schrieben Popmusiker Lieder gegen den Krieg

In Kriegszeiten braucht es Friedenszeichen. Schon immer seit den Zeiten von Vietnam schrieben Popmusiker Lieder gegen den Krieg. „Make Love, Not War“ hieß die Losung der Hippiegeneration gegen den Vietnamkrieg. Jimi Hendrix schredderte 1969 in Woodstock die amerikanische Nationalhymne, John Fogertys Creedence Clearwater Revival entdeckten in „Fortunate Son“, dass die Kriegsteilnahme in Amerika durchaus eine Frage der Klassenzugehörigkeit war. Und die zwei markantesten der vielen Friedenslieder schrieb Beatle John Lennon – 1969 „Give Peace A Chance“ und 1971 „Imagine“. Zuerst eine Aufforderung zu Frieden, dann die Vision einer Welt ohne Kriegsgründe.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Beide Lennon-Lieder sind in den Tagen seit dem Überfall Putins auf die Ukraine überall auf dem Globus zu hören gewesen. Wo immer Menschen zusammenfanden, wurden sie gesungen. Am 4. März spielten Hunderte Radiosender weltweit zeitgleich um 8.45 Uhr die Message von John und Yoko: „All we are saying is give peace a chance ...“

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Abba und Madonna widmeten Songs um

Auch andere Künstler widmeten bereits bestehende Songs um. So verstanden Abba-Fans den kommentarlosen Facebook-Post ihrer operettenhaften „Ode To Freedom“ sofort als Kommentar der Schweden zum Angriffskrieg. „Wann schreibt jemand eine Ode an die Freiheit, die wir alle gemeinsam singen können?“, heißt die Kennzeile. Und Madonna brachte einen Remix ihres Hits „Sorry“ mit massiver Putin-Schelte im Video. Den Diktator der Russen verglich sie mit Hitler, der vor fast 83 Jahren den letzten Angriffskrieg in Europa geführt hatte.

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Ein richtig neuer Antikriegssong ist eigentlich – und das eher zufällig – von den Hamburgern Tocotronic zu vermelden. Im Titelsong ihres erst vor ein paar Wochen erschienenen Albums „Nie wieder Krieg“ sieht Dirk von Lowtzow die Keimzelle jeglicher Waffengänge im Individuum: „Nie wieder Krieg / in dir / in uns / in mir“, schließt der Sänger. Ein Lied gleichen Namens – ursprünglich für sein Musical „Zeppelin“ gedacht – holte Schlagerkomponist Ralph Siegel aus der Schublade und vertonte es quasi im Handumdrehen mit den Sängern Sebastian Hämer und Tim Wilhelm: „Weil überall auf unserer Welt / nur Liebe, Freiheit und Leben zählt / nie wieder Krieg“, heißt es zu einem Video, in dem die Kamera über Gräber, Kriegerdenkmäler und zerbombte Städte streift. Die Deutschrapper Capital Bra und Kontra K sampeln für ihre Kriegsanklage „Stop Wars“ U2s Antikriegssong „Sunday Bloody Sunday“.

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Während Donald Trumps Amtszeit blühte der Protestsong

Noch ist es zu früh für viele neue Songs, die jetzt aber gewiss schnell kommen werden – das zeigt die Protestsongkultur, die nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten aufblühte wie seit den Sechzigerjahren nicht mehr. Vorerst wird man gegen Putins Krieg weitere Umwidmungen und Coverversionen von Antikriegs- und Friedensliedern hören können – beispielsweise von „Blowin‘ in The Wind“, „Masters of War“ (Bob Dylan), „War“ (Temptations), „What‘s Going On?“ (Marvin Gaye), „One“ (U2), „Peace“ (Depeche Mode) oder von „All You Need Is Love“ der Beatles.

Klar auch Nenas „99 Luftballons“ werden neu aufsteigen, Udo Lindenbergs Frage „Wozu sind Kriege da?“ wird wieder gestellt werden – aber vielleicht gibt man auch Großartigkeiten wie Ludwig Hirschs „Der fremde Soldat“ und „Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht“ von Reinhard Mey und seinen Freunden eine zweite Chance.

Beim ESC-Vorentscheid am vergangenen Samstag (5. März) sangen Conchita, Jane Comerford und Gitte Haenning schon mal Nicoles „Ein bisschen Frieden“ von 1982 – den ESC-Siegertitel aus der Spätphase der letzten Atomkriegsangst.

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Bisher gibt es von Popstars hauptsächlich Statements

Dass die Popmusik für Frieden eintritt, zeigen bislang vor allem verbale Äußerungen vieler Musiker und Musikerinnen – von Nick Cave bis Iggy Pop, von Miley Cyrus bis Shawn Mendes, von Ed Sheeran bis BTS. Nadeshda Tolokonnikova von der russischen Band Pussy Riot nannte den Präsidenten ihres Landes in ihren Instagram-Storys einen „Clownpsychopathen“. Die ewige Fleetwood-Mac-Elfe Stevie Nicks zog – wie Madonna – den Putin-Hitler-Verglich, Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour forderte: „Russische Soldaten, hört auf, eure Brüder zu töten.“ „Dieser Krieg ist die barbarische Entscheidung eines Mannes“, urteilte Peter Gabriel, und die Deutschpunks Die Toten Hosen fordern zu Friedensdemos auf: „Dieser Krieg ist ein Angriff aufs Völkerrecht“, schrieben die Düsseldorfer.

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Kiss-Zunge Gene Simmons forderte einen Konzertboykott: „Zeigt euch solidarisch: Spielt nicht in Russland!“ Ex-Beatle Paul McCartney postete ein Bild von einem Ukraine-Auftritt, auf dem er die blaugelbe Fahne schwingt. Sein alter Bandkollege Ringo Starr gab sich philosophisch: „Warum können wir nur in Frieden ruhen und nicht in Frieden leben.“ Und Soullegende Stevie Wonder teilte in Gedichtform via Twitter mit, sich für die Ukraine zu engagieren, bedeute, eine „Schlacht um die Seele der Welt“ zu führen. „Nur die ganze Menschheit kann den Dritten Weltkrieg verhindern.“

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Der „Wind of Change“ wird wieder zur Zukunftsmusik

Die Scorpions hatten 1990 den perfekten Song, als alles gut wurde zwischen Ost und West – das Lied zur Zeitenwende von Glasnost, Perestroika, Wiedervereinigung und Ende des Kalten Krieges. Ihre Ballade „Wind of Change“ entwickelte sich trotz der Moskauer Location zu einer weltweiten, allgemeingültigen Friedenshymne. Jetzt wurde der Song durch Putins Angriff hinter seinen ursprünglichen Kontext zurückgeworfen. Das scheinbar Erreichte wird nun wieder zum Ersehnten – das Zusammenrücken der Welt, die Verbrüderung der einstigen Gegner, das Geläut der Freiheitsglocke. „Wir können nur eines machen, und das haben wir unser ganzes Leben lang gemacht: Beten für die Menschen!“, sagte Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker dem „Rolling Stone“, den Tränen nahe.

Der „Wind der Veränderung“ ist 2022 zwar nur noch einer der Hoffnung. Aber gerade deswegen und für die „children of tomorrow“ – die russischen, die der Ukraine und die der gesamten Menschheit – sollten die Scorpions ihren größten Hit auf ihrer am 26. März in Las Vegas startenden Tour Abend für Abend selbstbewusst und mit Inbrunst spielen. Er ist Zukunftsmusik. Nie war er, nie war Hoffnung spenden so wichtig.

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