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Reingehört

Neue Alben von Keith Richards, Gayle, Marillion, Soeckers und anderen

Damals klang er cooler als die Rolling Stones: Von Stones-Gitarrist Keith Richards erscheint das 92er Album „Main Offender“ in einer remasterten und erweiterten Jubiläumsausgabe.

Genesis live auf „Last Domino“-Tour. Großer Seufzer! Das erste Konzert, auf dem man seit mehr als zwei Jahren war. Und es war ein grandioser Genuss in Licht und Sound und Songs, auch wenn Phil Collins in der hannoverschen ZAG-Arena wegen Rücken wirklich nicht mehr gut zu Fuß war und im Sitzen singen musste. Aber als er den Drifters-Song „On Broadway“ anstimmte über die Neonlichter und die „magic in the air“, da glitzerte man innerlich mit. Und Tony Banks, der Brit-Gott der Tasten, erschafft sowieso in jedem Konzert eine neue Welt! Ja, man setzte die Maske nicht ab, ja man testete sich danach im Halbtagesrhythmus. Aber: Was für ein Abend war das! Live legt wieder los im Land (auch wenn – beispielsweise – Sabaton und Scorpions ihre Tourneen erneut verschoben haben).

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Marillion und die Stunde vor der Dunkelheit

Apropos: Genesis. Im Herbst kommen denn auch Marillion live. Und diese Truppe aus Englands Süden, die als Epigonen von Genesis begannen, mögen wir auch. Anders als Genesis nimmt das Quintett gelegentlich auch noch Studioalben auf. Und in Marillions fülligen Progrock-Epen, in den Exkursionen von Mark Kellys Keyboards und Steve Rotherys Gitarre fühlt man sich als Hörer auch im 43. Jahr des Bandbestehens (auf dem 20. Studiowerk) der Briten noch immer sauwohl.

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Irgendwie schien Steve Hogarth mit dem Prä-Brexit/Prä-Trump-Album „Fuck Everyone And Run (FEAR)“ ziemlich zeitendeprimiert. „An Hour Before It‘s Dark“ nun, an dessen oft suitenhaften Langsongs die Band parallel zum Corona-Ausbruch zu arbeiten begann, ist vordergründig nicht unähnlich – ein Album, das in Zeiten der Angst und des Infragestellens Gestalt annahm. Steve Hogarth sieht in „Murder Machines“ den Corona-Infizierten als potenziellen Mörder und weiß: „Kein Impfstoff / kein Entkommen“. Und er stellt in „Be Hard on Yourself“ Gier, Konsum und Geschwindigkeit als Klimakiller an den Pranger. „Geh raus und mach‘s besser“ fordert er den Hörer auf. Und tröstlich im ersten und letzten Song: „You‘ve Got an hour before it‘s dark.“ Eine Stunde vor der Dunkelheit klingt nach einer nutzbaren Frist auf der Doomsdayuhr.

Marillion – An Hour Before It‘s Dark (ear Music)

Soeckers – Eins für die Liebe (wenn sie vorbei ist)

Soeckers wissen, wie man einen Song richtig brennen lässt. Und selten wurde körperliches Begehren so nachfühlbar wie vor zwei Jahren im Heulen des fantastischen Johannes Schulte auf dem Debüt „Kopfkarussell“ von Soeckers: „Schlaf bei mir!“ So schnell hätte man nicht Nachschub erwartet, aber was soll man als Band auch tun, wenn Bühne nicht geht. „Nie wieder“ heißt das zweite Album der fantastischen Rock-‘n‘-Roll-Münsteraner und ist eins für die Liebe, wenn sie vorbei ist. Und wenn man noch nicht loslassen will, weil alles noch so unfassbar greifbar ist, weil Erinnerungen einem vorspielen, alles sei in Wahrheit perfekt gewesen. „Nie wieder singst du für mich Lieder“, singt Schulte im Titelsong. Und „Ich bin so viel / doch leider nicht / gut für dich“ in „König der Spinner“. Und „Du schweigst in mein Ohr und ich werde taub / Sag, wer holt uns hier raus?“ in „Schweig!“ In so einfache Worte kann man die ganze Traurigkeit der Welt packen.

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Und das ganz ohne die Larmoyanzformel der Schlagerpopper unserer Tage. Soeckers schrammeln einen melodiestarken Indierock mit Britpopnote. „Heartbreak Hotel“ und „Michelle“ heißen Songs hier, aber es sind eigene Stücke, keine Coverversionen der gleichnamigen Klassiker von Elvis und den Beatles. Soeckers stellen ihre Roots aus, und vor allem die Fab Four finden sich im Genmaterial dieses Gitarrensounds. Der Einsatz von Klavier und Streichern deutet kommende Großtaten an. Das Beste dieser vortrefflichen Band kommt erst noch!

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Soeckers – Nie wieder (Chateau Lala)

Erin Rae – braves Cover, betörende Songs

Mit Blümchen und Brave-Mädchen-Pulli lächelt Erin Rae McKaskle ganz fernweltig auf der Hülle von „Lighten Up“. Das Outfit der Sängerin (früher bei Erin Rae & The Meanwhiles) sieht nach christlich gefärbtem Weltanschauungspop aus, die Blümchen in der Hand sind noch ein weiterer Grund, keine Kaufhandlung zu tätigen. Aber: Beurteile nie eine Platte nach ihrem Cover. Diese zwölf Lieder hier sind so betörend, dass man nicht anders kann, als wieder und wieder auf Repeat zu drücken. Sie sind minimalistisch, melodieschön und abwechslungsreich und die Liedermacherin aus Nashville hat eine Stimme, so hell und mondseeklar, dass oberflächliche Hörer Erin Rae im Countryspektrum verorten würden. Aber mithilfe des großartigen Jonathan Wilson, der das Juwel in seinem Studio im kalifornischen Topanga Canyon eingespielt hat, ist ein Sound gelungen, der am ehesten an Joni Mitchell erinnert. Wilson gibt Streicher dazu, setzt subtile Rockgitarrenmomente. Der Song „Love‘s True Face“ über die Sehnsucht nach wahrer, tiefer Liebe rockt cremig – mit einer simmernden Wurlitzer und einer sich schlängelnden Slidegitarre. Nashville-Glamrock.

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Es geht vornehmlich und sehr aufrichtig um Beziehungen und wie man in einer immer wilderen Welt offenen Sinnes bleibt. In der Ballade „Enemy“ singt Erin Rae vom Feind im eigenen Kopf, im folkig-duftigen „Modern Woman“ deckt sie falsche Frauenbilder auf. „Die alten Zeiten, sie locken und lügen, bevor sie sterben, singt sie im ätherischen „Cosmic Sigh“. Und diese weibliche Selbstermächtigung ist ein Song für alle – die melancholische Süße dieses Songs erinnert an Katie Melua und ist ein weiteres „closest thing to crazy“.

Erin Rae – „Lighten Up“ (Thirty Tigers)

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Max Paul Maria probiert sich am Bandsound

Die Geschichte der Menschheit ist immer die Geschichte der Gewinner, singt Max Paul Maria zutreffend im Eröffnungssong seines Albums „Paradigm Beach“ von Narrativ und Wahrheit. Seine raue, heisere Stimme, sein Sprechsingen passt perfekt zur splissigen Akustikgitarre von „The Big Vacation“, er klingt da wie ein Troubadour im besten Dylan-Sinn, einer, der nichts braucht als sein Instrument, die Straße und die Bühne. Genauso puristisch waren seine Alben bisher, diesmal aber setzt der bislang kaum bekannte Songwriter auf einen Bandsound und zeigt, wie vielseitig seine Lieder sind. Eine elektrische Gitarre malt die „certain kind of loneliness“ aus, die er in dem Dire-Straits-artigen „House of Love“ besingt.

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Dann der bluesrockige Titelsong über die Unübersichtlichkeit der Welt, das punkige „Cops“ über die gelegentliche Unverhältnismäßigkeit staatlichen Drucks und zum Schluss die spätbeatlesk anmutende Ballade „American Friend“ über „letzte Worte, den letzten Kuss“. Die Liebe regnet auf andere herab, bilanziert Max Paul Maria. Apropos American: Max Paul Maria ist ein Berliner. Klingt aber weltweit.

Max Paul Maria – „Paradigm Beach“ (Devil Duck Records)

Indierocker Odeville verbreiten das Gefühl von Obhut

Die Gitarren nadeln, das Schlagzeug treibt den Sänger voran, der auch ungemein dringlich singt – ein Lied von den ratlosen Eltern an die tapferen Kinder, eins für den Tag, an dem das Eingesperrtseingefühl der Pandemie enden wird, an dem es dann auch allerhand zu verzeihen gibt. „Der Tag wird kommen“ heißt der Song, der Hoffnung im Refrain trägt. „Am Ende dieses Tages singen alle vereint / wir wollen nie mehr so einsam sein.“ Odeville sind zurück – die Hamburger mit dem mächtigen Sound und den durchaus anrührenden Emo-Songs haben ihr sechstes Album am Start. Mit euphorisierenden Indierock-Gemmen wie dem wild wirbelnden Lied „Monster“ über die besten, die unzertrennlichen Freundschaften: „Monster und ich hängen im Glühbirnenbaum / halsüberkopf spielen wir heute noch Krach / und das Mädchen am Stacheldrahtzaun / winkt uns herüber und wir werden schwach.“ Wir wissen genau, was Hauke Horeis meint.

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Mit pfeilschnellem Klartext-Rock-‘n‘-Roll („Seifenblasentraumfabrik“) und romantisch-balladesker Verspieltheit (man höre die Trompetenbrise am Ende von „Lila“) richten Horeis (Gesang, Texte), David Bergert (Gitarre) und Sascha Gotthard (Schlagzeug) Odeville ihr lyrisches Augenmerk auf die unsicheren Zeiten. Singen keine schnellen Antworten, aber stiften ein Gefühl von Obhut, Gemeinschaft, Ermutigung: „Halte stand!“ ist die Aufforderung am Ende der Rockwalze „Welle“. Und dann ehren sie noch die großen Fury in the Slaughterhouse mit einer schrammeligen deutschsprachigen Version des vielleicht hymnischsten Gitarrenpopstücks aus heimischen Rockfabriken: „Won‘t Forget These Days“, die Eloge aufs Losziehen und Musikmachen: „Die Jungs aus der Gosse heben ab und wollen alles für immer / keine Angst die woll‘n einfach nur spielen ...“

Odeville – Jenseits der Stille (Crestwood Records)

Mike Campbell auf den Spuren von Tom Petty

Dass die Dirty Knobs durchaus eine echte Band seien, sagte Mike Campbell zuletzt wiederholt – so, als könnte man was anderes denken. Und das nicht etwa erst seit 2020, als die Schmuddelknäufe ihr erstes Album „Wreckless Abandon“ veröffentlichten. Sondern schon seit zwei Dekaden. Und als Tom Petty 2017 starb, da wurde das Nebenprojekt, mit dem sich das Gründungsmitglied der Heartbreakers zwischen Petty-Sessions und -Tourneen die Zeit vertrieb, noch richtiger. Nicht einmal anderthalb Jahre nach dem Debüt lässt der 72-jährige Gitarrero das zweite Album „External Combustion“ folgen.

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Campbell, Gitarrist Jason Sinay, Bassmann Lance Morrison und Schlagzeuger Matt Laug lassen dabei den „southern appeal“ der Heartbreakers deutlich hören. Auch die Wurzeln der Knobs liegen im Blues und im Sound der Britbands der Sechzigerjahre und Campbells Gesang ist auch diesmal wieder erstaunlich pettyesk. Mit Mott The Hooples Ian Hunter teilt er sich den Gesang im bluesrockigen „Dirty Job“. Heartbreakers-Keyboarder Benmont Tench macht bei „Lightning Boogie einen auf Killer Jerry Lee – ein Trip zurück in die Zeit des Rockabilly. Und mit Margo Price singt Campbell die schmalzige Soul-Country-Ballade „State of Mind“. Der Schlusssong „Electric Gypsy“ ist dann ein Brecher von „Into The Great Wide Open“-Kaliber mit einem royalen Gitarrensolo: „Ich war allein fast mein ganzes Leben lang und die Straße steht weit offen“, singt Campbell vom Leben auf der Straße. Definitiv keine Lebensbeichte dieses seit 1975 glücklich verheirateten Familienvaters.

Mike Campbell & The Dirty Knobs – „External Combustion“ (BMG)

The Dip und die Macht des süßen Souls

Zu ihrer Rettung würde er das Meer durchschwimmen, da ist sich Tom Eddy sicher und der Groove, die perlende Gitarre und das treibende Schlagzeug zu „Paddle to The Stars“ sind so was von Sixties-R-‘n‘-B! Nein, The Dip stammen nicht aus Detroit oder Philadelphia, sondern aus Seattle, aber ihr Sound verbeugt sich vor Philly und Motown, vor Temptations, Smokey Robinson und Marvin Gaye, und so wie der Hubbabubba auf dem Cover von „Sticking With It“ am Sneaker klebt, so hängt sich der Retro-Soul dieser weißen Truppe ins Ohr.

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Und er ist keineswegs langweilig, dafür sorgt die Bläsersektion – die Trompete von Brennan Carter („When You Lose Someone“) und die Saxofone von Evan Smith und Levi Gillis. Der „spirit“ ihrer mitreißenden Liveshows ist auf diesem Album eingefangen worden, ihrem ersten für das Label Dualtone. Sie singen vorzugsweise humorvolle Beziehungsgeschichten – vom „Real Contender“, der in seiner Liebe endlich einmal ernst genommen werden will, oder über „Appollonia“ die mit quietschenden Reifen die Flucht ergriff und zehn Meilen weg war, bevor der verdutzte Liebhaber auch nur in seine Stiefel kam. Aber dann ist da auch das funkige „Crickets“, in dem sie den Klimawandel beklagen. „Gerade als die Zeit zu kämpfen an uns war / tauchte keiner auf, war nichts zu hören“, singt Soulman Eddy. Und da ist zum Schluss das jazzige „Forget About You“, in dem die Keimzelle einer besseren und gerechteren Welt benannt wird: „Helft einander! Seid gut zueinander!“ Geau so. Die Sixties leuchten in die bösen Zwanziger hinein.

The Dip – „Sticking With It“ (Dualtone Records)

Gayle rockt die Beziehungskisten

Der Opener „Luv Started“, der mit einem traurigen Piano beginnt und zur Hymne wächst, hat das Zeug zum Stadionkracher. Die 17-jährige Taylor Gayle Rutherford versteht sich auf treffliche Melodien und selbstbewusste Lyrik, was sie durchaus zur nächsten Pink werden lassen könnte. Mit dem druckvollen Discopoprocker „Abcdefu“, der natürlich auch auf ihrer ersten EP für das Traditionslabel Atlantic enthalten ist, lieferte der aparte Teenie aus Texas eine erste Nummer eins für 2022 auch in Deutschland – eine Nummer, die sich vom stumpfen Deutschrap und vom lamoyanten Deutschpop, der sonst dort vorne alles andere notorisch blockiert, wohltuend abhob. Ging um den Zorn auf einen Ex, der nach der Trennung zur Nemesis wird. Auch der Folgehit „Ur Horny“ war ein solches Kaliber – wieder ein Mittelfinger, diesmal gegen einen Kerl der üblen Sorte, die sich einem Mädchen als „platonischer Gefährte“ andienen, nur um auf diesem Umweg doch irgendwann mit ihr schlafen zu können und die hinterher zum Arsch werden. Solche Frauenmissversteher gibt‘s in jedem Umfeld, oder?

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Auch in „Sleeping With My Friends“ und in „e-z“ geht es um die Fallstricke der Libido, um die Grenzlinien zwischen Freundschaft und Liebe. Und in der zarten Ballade „Kiddie Pool“ hat Gayle Beziehungskindereien satt, will alles, keine Planschbecken – den ganzen Ozean. Das, mit Verlaub, könnte klappen.

Gayle – „A Study of The Human Experience Volume One“ (Atlantic)

„Main Offender“ – Keith Richards feiert Album-Jubiläum

Man mag es ja nicht laut sagen, aber die (insgesamt drei) Alben von Keith Richards und seiner Zweitband waren alle erste Sahne, und wenn Mick Jagger auch die voluminösere Stimme hat, so hatte Keith damals doch die besseren Songs für sich reserviert: Das Debüt der X-Pensive Winos, „Talk Is Cheap“, war 1988 kantiger als das allzu glatte 86er Rolling-Stones-Album „Dirty Work“ und Richards‘ Nachfolger „Main Offender“, der am heutigen Freitag in diversen Formaten (unter anderem einem Superdeluxe-Boxset) 30-Jähriges feiert, war knurriger und erdnäher als das 1989er Stones-Comeback „Steel Wheels“ (wenngleich nicht mehr mit demselben Riesenabstand). An der Grollgitarre von Songs wie „999″, „Will, But You Won‘t“ „Runnin Too Deep“ und (vor allem) „Wicked As It Seems“ kann man sich nicht satt hören. Richards serviert zudem Reggae („Words of Wonder“), Funkrock („Bodytalk“) und Soul („Hate It When You Leave“). Der Chefmusiker der größten Rock-‘n‘-Roll-Band auf Erden, die wir uns in diesem Jahr auch noch mal – wie dieser Tage vermeldet – in München und auf Schalke live anhören dürfen, klingt wie der Chef einer heißen Indie-Combo.

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Die besteht aus Gitarrist Waddy Wachtel, Keyboarder Ivan Neville (von den Neville Brothers), Bassmann Charlie Drayton, Saxofonist Bobby Keys und Schlagzeuger Steve Jordan, der nach dem Tod von Charlie Watts bei der US-Tour der Stones einsprang. Erneut gibt es zum (von Jordan) remasterten Studioalbum eine Livedisc von der folgenden Tour: „Winos Live in London 1992″ enthält Songs der beiden Soloalben, dargeboten von einer wilden, verschworenen Kapelle plus drei Stones-Juwelen: Richards‘ Klassiker „Happy“ und „Before They Make Me Run“ sowie eine besonders raue Version des Rockgospels „Gimme Shelter“.

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Keith Richards – „Main Offender“ (BMG) – als Jubiläumsbox mit Vinyl und CD des Albums, Doppelvinyl und CD des Konzertmitschnitts, 88-seitigem Buch, Gitarrenplektron et cetera; außerdem 2-CD-Mediabook, limitierte LP 180 g in rotem Vinyl, LP 180 g in schwarzem Vinyl, CD-Digipak sowie in digitalen Formaten.

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