So klingt der Frühling

Neue Alben von Red Hot Chili Peppers, Michael Bublé, Wolfgang Niedecken und anderen

Fünfjahresplaner: Die Red Hot Chili Peppers (von links Bassist Flea, Gitarrist John Frusciante, Schlagzeuger Chad Smith und Sänger Anthony Kiedis) präsentieren heute (1. April) mit „Unlimited Love“ ihr erstes Album seit 2016.

Sie doomscrollen seit Wochen? Hüpfen mit dem Finger von schlechter Nachricht zu schlechter Nachricht. Von wenig nachvollziehbaren politischen Corona-Kapriolen zu Corona-Spaziergängern, in deren Reihen auch jetzt noch Russlandfahnen geschwenkt werden, zu den neuesten Grausamkeiten in Putins Angriffskrieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung bis hin zu denjenigen Analysten, die sich sicher sind, dass der Dritte Weltkrieg nur noch ein paar falsche Entscheidungen weit weg ist. Die Welt ist schwarz, gewiss und manchmal scheint es derzeit, als seien ihr die guten Nachrichten ausgegangen. Aber sie ist auch weiterhin groß und gemeinschaftlich und manche Länder und Städte benennen die Straße mit der russischen Botschaft einfach in „Straße der ukrainischen Helden“ um. Dazu kann man Charlie Chaplins „Smile“ auflegen – einen der tröstlichsten Popsongs aller Zeiten. Michael Bublé hat ihn neu aufgenommen – eine Umarmung in Musik.

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Wieder mit Rubin, wieder funky – die Red Hot Chili Peppers

Sie waren mal freakigst stylish, waren die heißesten und funkigsten Rocksocken des Westens. Da trugen die Red Hot Chili Peppers auf der Bühne gern nur Strümpfe vorm Gemächt – nachzusehen ist der laxe Look auf der „Abbey Road E. P.“ – einer nudistischen Hommage an das ja vielzitierte Beatles-Cover. Erst gab es ein Album pro Jahr, dann alle zwei Jahre eins, nach dem Massenerfolg der Ballade „Under the Bridge“ nur noch alle vier Jahre und inzwischen und als Megaact – wie die faulen Phantome der Popmusik genannt werden – muss ein Lebenszeichen alle fünf Jahre reichen. „Unlimited Love“ heißt der 17-Song-Nachfolger von „The Getaway (2016), mit dem die Kalifornier einen Produzentenwechsel von Rick Rubin zu Danger Mouse vollzogen hatten, um nun wieder zum alten Authentizitätsmogul zurückzukehren.

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Im schläfrigen Groover „Poster Child“ macht Sänger Anthony Kiedis die Popgeschichte mobil, das Namedropping reicht zurück bis zum Cheftwister Chubby Checker – eine Mode derzeit, was Bob Dylan mit „Murder Most Foul“ oder Sondre Lerche mit „Avatars of Love“ untermauern. Holla Fuchs, denkt man, wie köstlich, wie tanzbar, nachdem „Black Summer“, die Single davor, so ein sacht psychedelischer Melancholiebeförderer für krisengedrückte Gemüter war, wie man ihn von der Band ähnlich schon zur Genüge kennt. Entspannt wird hier gern mal zu Funk, das Chili im Bandnamen kommt verstärkt zu Ehren und „Aquatic Mouth Dance“ hat im Abgang eine jazzige Note. Weitere Höhepunkte: Die späte Siebzigerjahre des New Wave winken uns in „Bastards of Light“, The-Who-artig gerockt wird bei „These Are the Ways“, „Here Ever After“ ist noch so ein von Fleas Bass gehobeltes Tanzbrett, die Geschichte von – unter anderem – „Veronica“, der Frau aus Chicago mit dem erinnernswerten Regenmantel, hat Sixties-Psychedelisches. Und die Ballade „Not the One“, ein Klagelied übers Geschasstwerden ist definitiv eine von „Under the Bridge“-Güte. Noch eine Rückkehr: Im Lineup ist wieder der alte Gitarrist John Frusciante, der nach 14 Jahren Auszeit das klassische (nicht das Gründungs-Lineup) wieder komplett macht. Mit seiner taffen Saitenarbeit tritt Frusciante ein paar Nummern so in den Hintern, dass man sich auf den Konzertsommer freut. Im Juli in Köln (5.) und Hamburg (12.)

Red Hot Chili Peppers – „Unlimited Love“ (Warner)

Schöne Restbestände – High South auf den Spuren der Eagles

Die Eagles des 21. Jahrhunderts waren gerade dabei, sich in den Herzen Europas einzunisten. Das dritte Album „Peace, Love & Harmony“ bot im März 2020 bestes Konzertmaterial, um die alte Welt mit klassischen Countryrockklängen für sich zu gewinnen. Dann war schon nach fünf Shows Schluss, die Band, die auch optisch wie aus den Seventies gefallen scheint, entkam von München gerade noch so nach Nashville und dann beendete Corona den Live-Rock‘n‘Roll für zwei Jahre. Seither zogen sich Gitarrist Phoenix Mendoza und Produzent Josh Leo aus privaten Dingen aus der Band zurück. Jetzt nehmen Kevin Campos und Jamey Garner neuen Anlauf – begleitet von Mark Anthony Castrillon. Konzertauftakt ist am 5. April in Koblenz.

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Im Gepäck ist „Peace, Love & Harmony Revisited“, das keine Wiederveröffentlichung ist. Die erste Scheibe des Doppelalbums enthält an bekannten Songs nur den Titelsong und „Joshua Tree in Neuaufnahmen. Ansonsten bringen High South Outtakes der damaligen Sessions – eigene Stücke und berückende Coverversionen. Sie lassen Kacey Musgraves‘ „Slow Burn“ wie einen Song von America klingen, lassen Americas sonnenflirrenden „Ventura Highway“ gleißen, verbeugen sich mit „Suite: Judy Blue Eyes“ vor Crosby Stills & Nash (ihren anderen „Soundahnen“) und „The Weight“ von The Band. Mit dem beigefügten „Live in Woodstock“ werden dann nochmal die meisten der wonnigen Songs des Originalalbums in Erinnerung gebracht. Hier lässt sich der Duft des Sommers schon jetzt atmen.

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High South – „Peace, Love & Harmony Revisited“ (High South Records/Cargo)

Wolfgang Niedecken geht ausgiebig auf „Dylanreise“

Wolfgang Niedecken singt nicht nur seit Ewigkeiten Dylan, er erklärt auch, warum er den göttlichen Kauz, den König der amerikanischen Songwriter, den nimmermüden Rock‘n‘Roll-Reisenden als eine Art Leitstern verehrt. Das Dreieralbum „Dylanreise“ ist ein Musik- und Erzählstück, eine Verdeutlichung seines Buches „Wolfgang Niedecken über Bob Dylan“ in gesprochenem und gesungenem Wort. Niedecken erinnert sich daran, wann immer der spätere Literaturnobelpreisträger für sein Leben wegweisend, sinnstiftend zumindest bedeutsam war – und singt in den Lücken zwischen seinen Erinnerungen Dylan-inspirierte Bap-Songs wie „Sinnflut“, für Bap oder Niedeckens Leopardefellband übersetzte Dylan-Songs wie „Wie ne Stein“ („Like A Rolling Stone“) oder das melancholische, nie veröffentlichte „Mädchen aus dem Norden“ („Girl from the North Country“) und Dylan im Original wie „The Times They Are A-Changing“ oder „With God on Our Side“ – die beiden Letztgenannten ungemein aktuell.

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Behagliche Atmosphäre – Dylan wird von Niedecken mit rauzärtlicher Stimme, Gitarre, zuweilen Mundharmonika sowie dem Kaminklavier von Mike Herting dargeboten. Intim ist das wie die Konzertlesungen, mit denen der Bap-Chef im Oktober zwischen zwei Tourflügeln seiner Band noch einmal zurückkommt. Und möglicherweise so live entstanden wie das nicht unähnliche Werk eines ehemaligen Duettpartners von Niedecken – „Springsteen on Broadway“.

Wolfgang Niedecken – „Dylanreise“ (Vertigo Berlin)

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Larry McCray – der Bluesmann, der auch Soul kann

„Sie sagen, die Guten sterben jung“, singt Larry McCray in dem Song „Good Die Young“. Um seinen Schöpfer sogleich zu fragen: „Hey, warum bin ich dann eigentlich noch hier?“ Jetzt sei‘s demnach ja wohl zu spät, um noch zu den Guten gezählt werden. Witz hat er auch, der gar nicht so betrübt wirkende Bluesmann aus Arkansas, der irgendwann in den Nullerjahren in der Kiste mit den Vermissten landete, nachdem er in den Neunzigern mit zwei vielbeachteten Alben gestartet war. McCray, der von den drei Kings des Blues geprägt wurde (Albert, Freddie und B. B.) und der Dylan aufnahm, gesellt seine auch mit 62 Jahren noch schöne, volltönende Stimme nach wie vor zu seiner jubilierenden Gitarre.

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„Blues Without You“ heißt das von Josh Smith und Joe Bonamassa produzierte Album, das mit dem Bo-Diddley-Beat von „Arkansas“, dem dampfenden „Drinkin‘ Liquor And Chasin‘ Women“, mit der Bluesballade „Roadhouse Blues“ oder dem Boogie von „Without Love It Doesn‘t Matter“ seinen Schwerpunkt zwar im Zwölftaktschema hat, dann aber doch darüber hinausgeht. McCray kann auch Soul mit einer Prise Country, wenn er mithilfe seines Co-Gitarristen, des Gov‘t-Mule“-Chefs Warren Haynes (Platz 23 der besten 100 Gitarristen laut „Rolling Stone“-Mann David Fricke) in „Down to the Bottom“ davon erzählt, dass man unten anfangen muss, um sich hochzuarbeiten. Und „No More Crying“ klingt dann wie eine Ballade des irischen Soulman Van Morrison.

Larry McCray – „Blues Without You“ (Keeping-The-Blues-Alive-Records/Rough Trade)

Die britischen Shires sind auf dem Taylor-Swift-Weg

Chrissie Rhodes hat so nen Country-Schluckauf in der Stimme, Ilya Toshinky lässt Mandoline und Banjo plinkern und ja, Justin Schippers Steelgitarre ist durchaus auch ein Soundsymptom – aber, hey, der Opener „Cut Me Loose“ ist kein Country sondern ein astreiner, elegant geschliffener Popsong der Fleetwood-Mac-Schule, und das folgende „Sparks Fly“ könnte trotz Banjo sofort jedem Teenieact untergeschoben werden. The Shires, im Kern das Duo Rhodes und Ben Earle, kommen aus den Grafschaften Hertfordshire und Bedfordshire, und gelten seit nun bald schon einer Dekade als Britannias beste Adresse für Country. Auf ihrem fünften Album seit 2015, „10 Year Plan“ ist Country aber nur noch ein Klangbild von mehreren. „I See Stars“ etwa ist ein Song, der Chris Martin hätte einfallen müssen, dann hätte es nach einiger Zeit wieder mal nen Klasse-Coldplay-Song gegeben. Das gilt auch für die Ballade „Plot Twist“ – ein richtig feines Popmöbel.

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Im Verlauf des Albums nehmen klassische Countrythemen zu – etwa die Trink-den-Herzschmerz-weg-Nummer „Bar Without You“. Und klar, gibt‘s richtigen Countrypop wie den Titelsong, das twangende „Wild Hearts“ oder die Ballade „When It Hurts“ und es findet sich sogar ein völlig unpoliertes Folkschätzchen wie „Peggy, I‘m Sorry“ (Kanten sind immer schöner, bitte mehr davon!). Aber die Shires sind auf dem Taylor-Swift-Weg und man darf gespannt sein auf die nächste Ernte im Zehnjahresplan.

The Shires – „10 Year Plan“ (BMG)

Paul Cauthen verbandelt Country mit Rap und Elektro

Wenn Country elektronisches Beiwerk bekommt wie im Song „Country Clubbin‘“ des neuen Albums „Country Coming Down“ von Paul Cauthen und der Mann dazu auch noch in einen rhythmischen Sprechgesang verfällt, dann gehen die Augenbrauen der Kritiker hoch und ihre Federn werden geschliffen wie Skalpelle. Für „The Wanderer“, die formidable Kooperation von Johnny Cash und U2 hatten die Puristen damals auch wenig Beifall. Erst recht für Lil‘ Nas X und seine Country-Hip-Hop-Nummer 1 „Old Town Road“. Alle aber, die nicht miesepetern, sobald jemand von der Marty-Robbins-Road abweicht, sind hier willkommen und kommen voll auf ihre Kosten. Die Sounds sind cool, die Melodien weitgehend ohrgängig, der Bariton des Mittdreißigers kann cool à la Cash oder Waylon Jennings und auch mal emo wie Elvis. Zu „Fuck You Money“ kann man die Hüfte rasseln lassen wie zu „Heartbreak Hotel“ und wenn Cauthen singt, dass ihn die Reichtümer der Welt mal können, ist das Haltung. Paul Cauthen rockt.

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Wenn er in „Coutry As Fuck“ dann davon erzählt, dass er mit dem Titelsong seine eigene Kategorie von Country schafft, dass er das System (der Musik) in die Knie zwingt, eine neue Religion begründet, kann man das Augenzwinkern förmlich hören: Den die Gattung verschlagernden Kollegen zeigt er den Mittelfinger („echte Cowboys rocken nicht zu Kenny Chesney“) und countryrappt gegen Trendsetter: „Ich bin schon Traktoren gefahren, bevor es sexy wurde.“

Paul Cauthen – „Country Coming Down“ (Velvet Rose)

Joss Stone – Ein Album für die Liebe und den Soul

Platinblondes verwuscheltes Haar, das das Gesicht bis auf die in leuchtendem Rot akzentuierten Lippen verbirgt – das Coverfoto von Joss Stone ist die Nachempfindung eines Marilyn-Monroe-Fotos. „Never Forget My Love“ heißt das neue Werk der Souldiva aus Dover nach sieben Jahren Albumpause. Es geht auf dem Album mit dem Schlafzimmeroutfit um Liebesschwüre, Herzensbrüche, dass man die süßen Dinge des Leben nicht bedauert und sich nicht von der Liebe unterkriegen lässt.

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Auf Dave Stewarts Label Bay Street Records ist das Werk erschienen, der einstige Eurythmics-Star hat die Songs allesamt mit Stone verfasst und sie auch produziert. Gemeinsam haben Stewart und Stone eine prächtige Hommage an den Soul von Shirley Bassey, Dusty Springfield und Dionne Warwick geschaffen – Stones leidenschaftlicher Gesang trifft in Retrosongs wie dem funkigen Titelsong oder der mächtigen Ballade „Love You Till the Very End“ auf Herb-Alpert-Gebläse und Burt-Bacharach‘sches Orchestergeschmeide. „You Couldn‘t Kill Me“ ist ein Lied übers Überleben einer toxischen Beziehung, „When You‘re in Love“ ein Plädoyer dafür, sich immer wieder neue auf die Liebe einzulassen. Am Ende verabschiedet sich Stone passend zum Cover: „Ich hör‘ jetzt auf zu singen und summe meinen Weg zum Bett.“

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Joss Stone – „Never Forget My Love“ (Bay Street Records)

„Higher“ – Michael Bublé ehrt Mutter und McCartney

Wer hat‘s nicht gecovert? Bob Dylans „Make You Feel My Love“ ist DAS Liebeslied im Oeuvre des Literaturnobelpreisträgers. Auch Michael Bublé hat‘s gewagt, das Orchester wird doch tragen ... Das Ergebnis ist eine Version, die vortrefflich ins Rat-Pack-Portfolio des Crooners passt. Funktioniert, wie so vieles bei dem kanadischen Homo sympathicus, der außer feinen Bearbeitungen von Songs der Bee Gees und Beach Boys das bis heute witzigste klassische nordamerikanische Weihnachtspopalbum eingespielt hat (außer natürlich Dylans „Christmas in The Heart“).

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Auch wenn er mit Songwriterhilfe von OneRepublic-Sänger Ryan Tedder seiner Mutter die hingebungsvolle Liebeserklärung „Mother“ geschrieben hat (nur Ed Sheeran würde hier noch privater), ist das Album „Higher“ dominiert von Fremdmaterial, das sich dem 46-Jährigen in der Mehrzahl der Fälle wie verliebt anschmiegt. Seine Version von Paul McCartneys „My Valentine“ wird von Paul McCartney produziert, bei seiner Version von Willie Nelsons „Crazy“ steht Willie Nelson mit ihm am Mikrofon. Bublé lässt Sam Cookes „Bring It on Home to Me“ von einer Piano-bei-Kerzenschein-Ballade zum Großgospel mit Rockgitarre wachsen. Er ist richtig in seinem Metier, wenn er uralte Oldies poliert wie Vera Lynnes „A Nightingale Sang in Berkeley Square“ oder Duke Ellingtons „Don‘t Get Around Much Anymore“ oder wenn er die ultimative Bombastversion von Charlie Chaplins „Smile“ abliefert. Alles funktioniert? Nein, beim Discoklassiker „You‘re the First, the Last, My Everything“ kann er Barry Whites Pyjamaentledigungsbass das Wasser nicht reichen.

Michael Bublé – „Mother“ (Warner/Reprise)

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Joe Satrianis Gitarre singt in einer wunderschönen Sprache

Noch ein apartes Cover. Die stilisierten Elefanten auf „The Elephants of Mars“ sind aus elektrischen Gitarren geformt. Und Gitarrist Joe Satriani, der in den Neunzigern kurzzeitig Ritchie Blackmore bei Deep Purple ersetzte, versteht sich darauf, ein (fast) reines Instrumentalalbum – nur über den Track „Through a Mother‘s Day Darkly“ wird Text gesprochen – so zu gestalten, dass man umgehend den Repeatknopf betätigt. Der Schreiber dieser Zeilen wird sonst hibbelig, wenn auf einer Platte nicht spätestens nach zehn Minuten jemand seine Stimme erhebt.

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Dass es bei Satrianis Elefanten des Mars (der Track klingt nicht unbedingt nach „Kriegselefanten“) anders ist, liegt nur zum einen daran, dass der 65-jährige New Yorker, ausgehend von der pinkfloydesken Eröffnung des groovenden Auftaktstücks „Sahara“, das ein hypnotisches, arabisches Gepräge hat, ungemein abwechslungsreich durch Genres reist – Progrock und Psychedelicrock finden sich ebenso wie Funkrock, Soul und mit „Night Scene“ hat die Moroder-Disco die Tore geöffnet. Das walzernde „Dance of the Spores“ ist dann eine völlig abgedrehte Instrumentaloperette mit Ohrwurmmelodie. Und damit wollen wir die 14 Tracks auch ab sofort Songs nennen statt Stücke oder Tracks. Denn das eigentliche Wunder: Satrianis Gitarre singt die ganze Zeit – in einer wie außerirdischen oder überweltlichen, jedenfalls unglaublich schönen Sprache.

Joe Satriani – „The Elephants of Mars“ (earMusic/Edel) – erscheint am 8. April

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