Defekt an Stauwehr

Das ist der Grund für die Rekord-Ebbe in der Oberelbe

Dramatischer Wasserabfluss an der Elbe sorgt für massives Niedrigwasser. Vor Lauenburg zeigen sich nie gesehene Sandbänke.

Dramatischer Wasserabfluss an der Elbe sorgt für massives Niedrigwasser. Vor Lauenburg zeigen sich nie gesehene Sandbänke.

Geesthacht/Lauenburg. Es sieht aus wie nach einem Erdbeben: Ein massiver Schaden am Geesthachter Stauwehr unterhalb der Elbbrücke rüber nach Niedersachsen hat einen Stillstand für die komplette Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens ausgelöst. Oberelbe, Elbe-Lübeck-Kanal, Elbe-Seitenkanal, Mittellandkanal – überall ruht die Schifffahrt.

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Wie lange das andauern werde, ist nach nicht absehbar, hieß es am Sonnabendnachmittag. Hintergrund: Um den Druck der Wassermassen, die auf dem Stauwehr lasten, zu reduzieren, musste massiv Wasser gen Nordsee abgeleitet werden. Für die Schifffahrt reichen die Wasserstände nun nicht mehr.

Rapide sinkender Pegel: Abrutschen des Dammfußes

„Zufällig wurde ein großflächiges Abrutschen des Dammfußes am festen Überlauf bemerkt“, berichtete Thilo Wachholz, Dezernatsleiter für Massiv- und Stahlwasserbau bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes. Stefan Lühr, Ingenieur beim Wasserstraße- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lauenburg, der die ab 2021 anstehende Sanierung des Stauwehrs plant, hatte den Schaden bemerkt. „Wir reden hier von einem Abrutschen auf etwa 300 Quadratmetern. Das ist massiv“, sagte Lühr. Er informierte sofort die übergeordneten Stellen. Erste Maßnahme war die Absenkung des Wasserspiegels.

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Verkehr an der Schleuse

Geesthachts Schleuse wird pro Jahr von etwa 19 000 Binnenschiffen passiert. Sie gilt als wichtiger Punkt für die Schifffahrt aus und in den Hamburger Hafen. Was in der Hansestadt auf große Frachter geladen in Containern ankommt oder abtransportiert wird, ist oft auf der Oberelbe mit kleineren Binnenschiffen unterwegs. Dieser Warenstrom ist nun unterbrochen.

Das Schadensbild am Stauwehr ist extrem

Das Schadensbild am Stauwehr ist extrem. Es sieht aus wie nach einem Erdbeben. Risse ziehen sich durch das Bauwerk.

Der Pegel der Elbe in Hohnstorf war in der Nacht zum Sonnabend innerhalb weniger Stunden rapide um etwa 50 Zentimeter gesunken. Zeitweise lag er unter 3,70 Meter. Normal sind es 4,50 Meter. Aufgrund des Niedrigwassers waren es schon vor der Absenkung nur noch 4,21 Meter. Weniger aufgestautes Wasser drückt mit geringerer Last auf das Bauwerk, das in den kommenden Jahren für etwa 170 Millionen Euro saniert werden soll. Für die Schifffahrt auf der Elbe ist der Schaden und die Absenkung des Wasserspiegels eine Katastrophe ist. Denn auch das Schiffshebewerk bei Scharnebeck hat den Betrieb wegen des Niedrigwassers eingestellt. Damit ist die komplette Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens stillgelegt. Nichts geht mehr.

Elbschiffer machen Zwangspause

„Von oben kommt ja kaum Wasser nach, das wird dauern, bis es wieder ausreichend aufgestaut ist, selbst wenn die Schäden repariert sind“, meinte Harald Hammer, der Schiffsführer des Frachters „Glück auf“. Er machte notgedrungen im Lauenburger Hafen fest. „Beladen kommen wir nicht mehr voran“, berichtete sein Sohn Timo Hammer, der den Schüttgutfrachter, der hauptsächlich Kies von Ladestellen am Elbe-Lübeck-Kanal nach Hamburg transportiert, auch fährt. Für beide heißt es jetzt erstmal Zwangspause – wie für viele andere Schiffer auf der Oberelbe und in den Kanälen auch. Bei Hohnstorf liegen Sandbänke frei, die man noch nie zuvor gesehen hat. Der alte Fähranleger bei Schnakenbek fällt wie eine Abbruchkante zum Wasser hin runter. Und an Lauenburgs Elbuferpromenade ist der Strom deutlich schmaler als üblich, hier liegt die Uferschüttung frei. Der bisher bekannte niedrigste Wasserstand für den Pegel Hohnstorf betrug im Juli 1964 bei 3,98 Metern.

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600 Bigbags mit Kies zur Schadensbegrenzung

Geplant ist jetzt laut Lühr, die Schadensstelle zu befestigen. „Wir haben 600 Bigbags, riesige Kunststoffsäcke, die mit Kies gefüllt werden müssen, geordert. Außerdem tonnenweise Wasserbausteine“, erklärte er. Wachholz geht davon aus, dass die Instandsetzungsarbeiten mehrere Tage dauern werden. Erst wenn die Standsicherheit wieder gegeben sei, könne der Wasserstand wieder angestaut werden.

Die Feuerwehren in der Elbmarsch haben die Zuständigkeit für mögliche Einsätze auf der Elbe bereits an Geesthacht und Lauenburg abgegeben. Hintergrund: Boote können in der Elbmarsch aktuell nicht mehr zu Wasser gelassen werden. Die Feuerwehrboote in Lauenburg und Geesthacht liegen im Wasser und sind einsatzbereit.

Timo Jann

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