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Geesthacht-Grünhof

Geesthachter Förster geht nach 32 Jahren in Rente

Wolfgang Kruckow hört als Förster bei den Kreisforsten nach 32 Jahren auf

Wolfgang Kruckow hört als Förster bei den Kreisforsten nach 32 Jahren auf

Geesthacht. Traute, Lilly, Vivien und Wiebke: Diese Vier bestimmten in den vergangenen Jahren das Leben von Wolfgang Kruckow, dem Förster der Försterei Grünhof. Traute ist seine Frau, Lilly sein Hund – und Vivien und Wiebke waren zwei verheerende Stürme Anfang der 1990er Jahre, die „seinen“ Wald im wahrsten Sinne des Wortes über den Haufen warfen. „Da fiel mit 12 000 Kubikmetern der Holzeinschlag von vier normalen Jahren innerhalb weniger Wochen um“, erinnert sich Kruckow. Der 65-Jährige leitet die Försterei seit 1986 und geht zum Jahresende in Rente. Aktuell suchen die Kreisforsten seinen Nachfolger.

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18 Bewerber für die Nachfolge

„Wir bieten eine anspruchsvolle, abwechslungsreiche Tätigkeit in einem der attraktivsten Naturräume Norddeutschlands“, priesen die Kreisforsten die Stelle an. 18 Bewerber fanden sich. „Es ist hier eine tolle Landschaft“, sagt Kruckow, der vor allem den Bereich am Hohen Elbufer schätzt er. „Hier findet sich ein abwechslungsreicher Wald mit Edellaubbäumen ebenso wie mit großen Kiefern auf den unterschiedlichsten Böden“, berichtet der Förster, der sein Revier aus dem Effeff kennt. „Mindestens vier oder fünf Jahre braucht man, um ein neues Revier kennenzulernen“, meint Kruckow, der mitten im Wald im Forsthaus lebt.

Doku aus dem Wald

Roland Doerffervom Naturschutzbund Wolfgang Kruckow drei Jahre begleitet und den Film „Traumberuf Förster“ zusammenschnitten. Am 11. November hat der Film in Spielfilmlänge beim Frühstückskino in Geesthacht im Kleinen Theater an der Schillerstraße Premiere. „Es sind richtig tolle Aufnahmen entstanden“, schwärmt Kruckow, der überzeugt ist, einen langfristig ausgerichteten Wald übergeben zu können.

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Zunächst hatte er als Sohn des Wotersener Försters (Kruckow: „Ich wusste, was mich erwartet.“) seine Ausbildung im Rheinland absolviert, dann zog es ihn in den Norden zurück. Nach zwei Jahren beim Lübecker Stadtwald kam er zum Kreis. Dann kam ein Anruf und ab nächsten Tag sollte er den Försterposten in Grünhof übernehmen, weil sein Vorgänger in die Verwaltung wechselte. Kruckow sagte zu – und bereut es nicht. „Ich würde es jederzeit wieder machen“, sagt er. Dabei sei sein Revier mit dem stark frequentierten Naherholungswert oder dem Forschungszentrum schon eine Besonderheit. Doch nicht nur bei Grünhof betreut Kruckow den Wald – bis nach Bröthen hoch zieht sich seine Zuständigkeit. Insgesamt sind es 1400 Hektar.

Wetterextreme bescheren Förstern viel Arbeit

In seinem ersten Jahrzehnt wurden 400 000 neue Buchen gepflanzt. „Wir haben Nadelholz, das damals nach dem Zweiten Weltkrieg angepflanzt wurde, ausgelichtet und Buchen nachgepflanzt“, so Kruckow. Noch heute finden sich in alten Bäumen manchmal Splitter von Bomben und Granaten – Zeugen von Angriffen der Alliierten. Nach Vivien und Wiebke kam erstmals ein Harvester zum Einsatz. Anders wäre die unglaubliche Holzmenge, die aus dem Wald geholt werden musste, nicht zu handhaben gewesen. Wetterextreme beschäftigten den Förster und sein Team von Forstwirten aber auch in den vergangenen Jahren. 2016 gab es feuchten Schnee, der entlang der Bundesstraße nach Schnakenbek für Gefahr sorgte. Tagelang war die Strecke aus Sicherheitsgründen voll gesperrt. Jüngste erfasste ein Sturm aus Nordost den Wald und lichtete dessen Ränder massiv aus – weil er aus unüblicher Richtung kam. Und in diesem Jahr extreme Trockenheit. „Wir haben ein massives Problem mit Borkenkäfern“, erklärt Kruckow.

6500 Festmeter pro Jahr muss sein Nachfolger einschlagen. „Das Auszeichnen für den Einschlag war mir immer die liebste Aufgabe“, resümiert der Förster. Auch die Betreuung von Selbstwerbern, die sich im Wald mit Brennholz versorgen, sowie die Organisation von Jagden gehört zu den Aufgaben des Försters. „Wir wollen einen artenreichen Bestand, da müssen wir eingreifen, sonst würden die Wildtiere einen kompletten jungen Wald auffressen“, berichtet Kruckow. Doch nicht nur Wildschweine und Rehe, sondern auch Biber und Fischotter leben in seinem Revier, ebenso der Seeadler.

„Emotional bin ich sehr an den Wald gebunden, es hat mir immer Spaß gemacht, zu gestalten“, sagt Kruckow. „Wir sind ein Unternehmen, das eine Produktionszeit von bis zu 250 Jahren hat. Da darf man nicht kurzfristig denken. Wir ernten heute, was Generationen vor uns aufgebaut haben, und so ist es auch in Zukunft unter Berücksichtigung aktueller Trends der Holzindustrie“, ist der Förster überzeugt.

Timo Jann

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