Ratzeburg

Ratzeburgerin trainiert für eines der härtesten Rennen der Welt

Vanessa von Hahn will die hügeligen 1200 Kilometer von Paris nach Brest und zurück in weniger als 80 Stunden fahren.

Vanessa von Hahn will die hügeligen 1200 Kilometer von Paris nach Brest und zurück in weniger als 80 Stunden fahren.

Ratzeburg. Das Radrennen „Paris-Brest-Paris“ zählt zu den Klassikern der internationalen Marathons auf zwei Rädern. 1200 Kilometer geht es durch Frankreich — an einem Stück. Als einer der wenigen Frauen nimmt Ratzeburgerin Vanessa von Hahn in diesem Jahr an dem Langstreckenrennen, einem „Brevet“, teil. Meter um Meter will sie für einen guten Zweck zurücklegen.

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Noch einmal kurz raus aus dem Sattel. Im Stehen bringt die mehr Kraft auf die Pedale und beschleunigt das Rad. Dann rauscht sie mit ihrem Rennrad aus Carbon vorbei. „Ich fahre erst seit einem Jahr Rennrad“, sagt Vanessa von Hahn. Auf Mallorca habe sie es ausprobiert. Seither trainiert sie und fährt bei Rennen mit. Die Strecke: mindestens 200, manchmal 600 Kilometer. Ungefähr 28 Stunden brauche sie für die lange Distanz, erzählt sie. Wenn es nicht mehr gehe, weil der Sekundenschlaf einsetze oder sie Schlangenlinien fahre, müsse sie ein Schläfchen halten — am Straßenrand, in einer Rettungsdecke.

Bei diesem Radsport gilt, so wenig Gepäck und Gewicht wie möglich mitzunehmen. In einer kleinen Tasche unter ihrem Sattel verstaut die 37-jährige Polizistin ihr „Notbiwak“, etwas Medizin und Verbandszeug, Verpflegung sowie Werkzeug, falls sie unterwegs eine Panne hat. Wasserflaschen finden am Fahrradrahmen Platz. Hinzu kommen ein Navigationsgerät und ein Fahrradcomputer, denn die Route ist beim „Brevet“ vorgegeben. Die Reisegeschwindigkeit sollte konstant sein — „etwa 30 km/h“, sagt Vanessa von Hahn. Bergab würden es schnell über 50.

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In Frankreich, bei der „Paris-Brest-Paris“, stellt sie sich ganz neuen Herausforderungen. 1200 Kilometer sei sie noch nie am Stück gefahren. Es lauern Müdigkeit, Krämpfe und das Schlimmste wäre, sagt sie, „wenn ich nichts essen könnte“, dann sei das Rennen für sie schnell vorbei. „Das ist ein Extremsport“, sagt sie. „Ich will dort meine Grenzen austesten.“ Zwar mache man solche Erfahrungen für sich, sie wolle aber auch Gutes tun. Vanessa von Hahn sucht Sponsoren. „Am liebsten so, dass sie pro gefahrenen Kilometer einen Betrag geben“, sagt sie. Mit dem Geld möchte sie die „genießBar im Herzogtum“ unterstützen, ein Projekt zur Sucht- und Schuldenprävention. „Das wäre natürlich noch ein zusätzlicher Ansporn“, sagt die heutige Ratzeburgerin, die ursprünglich aus der Nähe von Plön kommt.

Vor ein paar Wochen hat ein Radunfall Vanessa von Hahns Trainingsplan durcheinander gebracht: Rückenschmerzen, Physiotherapie und ein schrottreifes Rennrad. Heute trainiert sie, wenn es in ihren Schichtdienst passt. „Vor Paris-Brest habe ich gehörigen Respekt. Es ist eines der härtesten Rennen der Welt“, sagt sie nachdenklich. Für den Fall der Fälle wüssten Freunde und Familie Bescheid — jemand müsse sich ja um Labradordame „Finja“ kümmern. Damit alles glatt gehe, „bin ich in den letzten Trainingszügen“, berichtet sie, nimmt ihren Helm ab und streift die fingerlosen Handschuhe ab.

Dass sie mit ihrem Team, den erfahrenen Tom Theurer und Klaus Lenkewitz, bis zum Ende des Rennens zusammenbleiben wird, glaubt sie nicht. „Sie sind auf einem anderen Leistungsstand.“ Ihr Ziel ist klar: Ankommen. Bis zum Marathon am 16. August wird sie noch etliche Kilometer mit ihrem Rennrad durch den Kreis fahren. Deshalb dreht sie um, tritt schnell beschleunigend in die Pedale und verschwindet hinter der nächsten Kurve — irgendwo zwischen Ratzeburg und Mölln.

Sponsoren, die die „genießBar im Herzogtum“ der Sucht- und Schuldenprävention Petra Schörling unterstützen wollen, können dies unter schoerling@ratzeburg-sucht.de

Philip Schülermann

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