Hilfe im Advent 2022

„Ohne die Lübecker Tafel müsste ich Flaschen sammeln gehen“

Christel Weimann (80) wartet in der Schlange vor der Ausgabestelle der Lübecker Tafel am Kolberger Platz.

Christel Weimann (80) wartet in der Schlange vor der Ausgabestelle der Lübecker Tafel am Kolberger Platz.

Lübeck. „Essen, Wärme, Kleidung, Licht“ ist das Motto von „Hilfe im Advent“ in diesem Jahr. Die Lübecker Tafel spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Verein verteilt nicht nur gespendete Lebensmittel an Bedürftige, sondern setzt damit auch ein Zeichen für Zuversicht, Solidarität und Hoffnung. Jede Woche werden von der Lübecker Tafel so über 2800 Menschen unterstützt. Menschen wie Christel Weimann (80).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sie sitzt in ihrer Ein-Zimmer-Wohnung in einem Wohnblock in St. Lorenz-Süd auf einer Eckbank. Der kleine Raum ist ihr Wohn-, Schlaf- und Esszimmer. An den Wänden hängen Eichhörnchen-Poster und auf dem Tisch liegt ein Puzzle. Kein Teil liegt auf dem Boden. Die Seniorin mag es ordentlich und gemütlich. Auch in der Küche. Von dort holt sie ihre drei Einkaufstüten und hängt sie an den Rollator. Heute ist Dienstag. Sie freut sich. Sie kann zur Lübecker Tafel gehen.

Gemütlich zu Hause: Christel Weimann beim Puzzeln.

Gemütlich zu Hause: Christel Weimann beim Puzzeln.

Ihr Kühlschrank ist der Balkon

Auf dem Balkon ist ein Platz freigeräumt. Dieser Platz ist ihr Kühlschrank. „Im Winter stehen die Sachen dort kühl, im Sommer muss ich gut planen“, sagt sie und lächelt. Die meisten Lebensmittel stellt die 80-Jährige auf den kalten Betonboden. „Es klappt gut ohne Kühlschrank. Ich spare Strom“, erklärt sie, „Strom ist teuer.“ Kein Wort der Klage kommt aus ihrem Mund.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das ist die Lübecker Tafel

So hilft die Lübecker Tafel

Die Tafel Lübeck wird derzeit von 250 Helfern getragen. Sie arbeiten alle im Ehrenamt. Das Einsatzgebiet suchen sich die Männer und Frauen selber aus. Einige kümmern sich bei den großen Supermärkten um das Vorsortieren der Lebensmittel, andere arbeiten im Fahrdienst, im Büro oder beim Mittagstisch. Der Großteil der Ehrenamtler ist in den sieben Ausgabestellen tätig (Travemünde, Kücknitz, Eichholz, Kolberger Platz Dienstag, Kolberger Platz Mittwoch, Kolberger Platz Donnerstag, Kolberger Platz Freitag.) Weitere Helfer werden dringend gesucht.

Unverzichtbar sind ebenso die rund 130 Lieferanten, die der Tafel pro Jahr 1200 Tonnen Lebensmittel zur Verfügung stellen. Die Lebensmittel ist überschüssig, können nicht mehr verkauft oder verwertet werden, sind aber von guter Qualität. Ohne die Tafel würden diese Lebensmittel entsorgt. Wichtig für die Tafel sind nicht zuletzt auch die Beiträge der fast 200 Vereinsmitglieder sowie die Geldbeträge der Spenderinnen und Spender. Jeder Euro hilft, betont die Lübecker Tafel.

Angst vor den Blicken der Leute

Christel Weimann war verheiratet und hat als Reinigungshilfe bei verschiedenen Firmen gearbeitet. Sie bekommt rund 600 Euro Rente plus Leistungen aus der Grundsicherung. „Ohne die Lübecker Tafel müsste ich Flaschen sammeln gehen oder bei den Supermärkten in die Mülltonnen schauen“, sagt sie unumwunden und ohne jede Scham. Denn vom Schämen wird sie nicht satt. Satt macht sie nur die Lübecker Tafel. Als Christel Weimann vor zwei Jahren zum ersten Mal dorthin ging, war es ihr unangenehm. „Da standen so viele Leute“, sagt sie. Sie fürchtete die Blicke und das Gerede der Leute in der Warteschlange, auf der Straße oder in ihrem Haus. Also ist sie beim ersten Mal gleich umgekehrt.

So können Sie helfen

Die Aktion „Hilfe im Advent“ 2022 macht sich diesmal für Menschen stark, die es in diesem Winter besonders schwer haben. Vielen fehlt es schon jetzt an den grundlegendsten Dingen. Das Motto der Spendenaktion der LN-Leser lautet jetzt in der Adventszeit daher „Essen, Kleidung, Wärme, Licht – So kommen wir gemeinsam durch den Winter“. Wir stellen in der Adventszeit Vereine und Initiativen vor, die dabei helfen, die Not bedürftiger Menschen so gut wie möglich zu lindern. So wie die Lübecker Tafel, die Begegnungsstätte Café W.u.T. oder die Lübecker Flüchtlingshilfe. Gemeinsam mit der Freiwilligenagentur ePunkt und in Kooperation mit der Sparkasse zu Lübeck möchten wir zeigen, wie diese Menschen in unserer Stadt Solidarität erfahren und aufgefangen werden; sei es mit einer warmen Mahlzeit, mit Kleiderspenden oder auch einer großen Portion Herzensgüte. Bitte, liebe LN-Leser, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, damit diese Menschen gut durch die kalte Jahreszeit kommen und danach wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Vielen Dank!

Das Spendenkonto: Sparkasse zu Lübeck

Kontoinhaber: ePunkt e. V.

IBAN: DE18 2305 0101 0160 6546 87

BIC: NOLADE 2 1 S P L

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

Die Spender werden in den Lübecker Nachrichten genannt. Wenn Sie das nicht möchten, vermerken Sie im Verwendungszweck „bitte anonym“. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Namen und Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 300 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Tafeln retten Lebensmittel

Das ist heute anders. Selbstverständlich reiht sie sich in die Schlange der Ausgabe am Kolberger Platz ein. Viele Menschen stehen da. „Zum Standort Kolberger Platz kommen pro Woche etwa 710 Kunden“, erklärt Vorstandsvorsitzender Uwe Escher (67), „insgesamt haben wir in Lübeck 940 Personen registriert, dahinter stecken im Durchschnitt zwei weitere Familienangehörige.“ Die Tafeln retten Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, und geben sie an Menschen in Armut weiter, die sich eine ausgewogene Ernährung nicht leisten können.

Sie helfen beim Sortieren von Obst und Gemüse: Ingrid Theado (74), Carola Schütte (64) und Manuela Baumann (60, von links). Sie machen ihre Ehrenamt mit Freude und Tatkraft.

Sie helfen beim Sortieren von Obst und Gemüse: Ingrid Theado (74), Carola Schütte (64) und Manuela Baumann (60, von links). Sie machen ihre Ehrenamt mit Freude und Tatkraft.

Die Lübecker Tafel braucht dringend Spenden

Der Kolberger Platz ist mit vier Ausgabetagen der größte Standort. In Travemünde, Kücknitz und Eichholz gibt es je einen Ausgabetag. Aktuell ist der Andrang bei der Lübecker Tafel nur noch schwer zu stemmen. "Die steigenden Kundenzahlen und die begrenzte Menge der gespendeten Lebensmittel zwingt uns aktuell zu einem Aufnahmestopp", erklärt der Vorsitzende schweren Herzens, "unser wichtigstes Ziel ist jetzt, dass wir diesen Stopp schnellstmöglich wieder aufheben können." Der Verein arbeitet intensiv an Lösungen.

Uwe Escher (67) ist Vorstandsvorsitzender bei der Lübecker Tafel.

Uwe Escher (67) ist Vorstandsvorsitzender bei der Lübecker Tafel.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Am Kolberger Platz arbeitet ein perfektes Team zusammen

Als Christel Weimann ins Foyer der Ausgabestelle kommt, wird sie von Annegret Dettmann (76) freundlich begrüßt. „Na, was möchten Sie denn?“, fragt die Tafel-Mitarbeiterin mit Blick in eine Kiste voller Brotlaibe, Brötchen, Croissants oder Laugenstangen. Die 80-Jährige sucht sich ein Schwarzbrot aus, dankt und geht zu den nächsten Kisten. Diese haben bereits ein fein getaktetes Sortiersystem durchlaufen.

Annegret Dettmann (76) gibt Brot und Brötchen an die Kunden aus.

Annegret Dettmann (76) gibt Brot und Brötchen an die Kunden aus.

Lübecker Tafel: Fahrer holen die gespendeten Lebensmittel ab

In der Regel holen die ehrenamtlichen Fahrer die gespendeten Lebensmittel frühmorgens von Supermärkten ab und sortieren die Ware bereits vor. Am Kolberger Platz ist dienstags ein 15- bis 20-köpfiges Helferteam im Einsatz. Dazu gehören Ingrid Theado (74), Carola Schütte (64) und Manuela Baumann (60). Sie sortieren das Obst und Gemüse zunächst nach Sorten. Danach stellen sie „bunte Kisten“ zusammen, die von jedem Obst und Gemüse möglichst etwas enthalten. Ergänzt wird das Ganze unter anderem mit Molkereiprodukten, Getreide, Hülsenfrüchte und Konserven.

Hilfe im Advent 2022: Interview mit der Lübecker Tafel

Video: Warum braucht die Tafel jetzt dringend Hilfe? Vorsitzender Uwe Escher erklärt es

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ihr Highlight ist ein Ausflug ans Meer mit dem ÖPNV

Christel Weimann nimmt kleine Kartoffeln, Rosenkohl, Bananen, Streichkäse, Joghurt und mehr aus „ihrer“ Kiste und verpackt alles sorgfältig in die mitgebrachten Taschen. Währenddessen hält sie einen Plausch mit einer ehrenamtlichen Helferin am Eingang und erzählt, von ihren Plänen für den nächsten Tag. Dank ihres Schwerbehindertenausweises kann sie den ÖPNV kostenlos nutzen und will nach Travemünde fahren: „Da setze ich mich manchmal einfach auf meinen Rollator, schaue mir die Leute und das Meer an und freue mich.“

Christel Weimann packt die Lebensmittel aus der Kiste in einen Beutel.

Christel Weimann packt die Lebensmittel aus der Kiste in einen Beutel.

Manchmal gibt es nur Zwiebelgemüse

Heute will sie erstmal ihre Sachen nach Hause bringen und sich was Schönes kochen. „Wenn ich am Ende der Woche nicht mehr viel habe, mache ich mir auch einfach mal Zwiebelgemüse“, betont sie, „auf jeden Fall werfe ich nie etwas weg. Ich verwerte alles.“

LN-Aktion „Hilfe im Advent“ im Kreis Herzogtum Lauenburg

Liebe Leserinnen und Leser, gerade in diesem Jahr machen sich viele Menschen Sorgen um ihre Zukunft. Vielen fehlt es schon jetzt an den grundlegendsten Dingen. Die Spendenaktion der LN-Leser „Hilfe im Advent“ 2022 setzt sich daher für Menschen ein, die es in diesem Winter besonders schwer haben. Unter dem Motto „Essen, Wärme, Licht – LN-Leser sammeln für die Tafeln“ stellen die LN in der Adventszeit Vereine und Initiativen vor, die dabei helfen, die Not bedürftiger Menschen so gut wie möglich zu lindern. Das sind die Tafeln in Mölln und Ratzeburg, in Schwarzenbek und Lauenburg/Elbe und die „Geestküche“ in Geesthacht.

Gemeinsam mit der Freiwilligenagentur ePunkt und in Kooperation mit der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg möchten wir zeigen, wie diese Menschen in unserer Region Solidarität erfahren und aufgefangen werden: Mit allem, was man für gesunde Mahlzeiten braucht und auch mit einer großen Portion Herzensgüte.

Bitte, liebe LN-Leserinnen und Leser, helfen Sie uns mit Ihrer Spende. Vielen Dank!

Das Spendenkonto:

Empfänger: ePunkt e.V. Lauenburg

IBAN: DE62 2305 2750 0081 8662 12

Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, NOLADE2 1RZB

Verwendungszweck: Spende: Hilfe im Advent

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Christel Weimann packt die Lebensmittel auf ihren Balkon. Der Tisch und Betonboden sind ihr Kühlschrank.

Christel Weimann packt die Lebensmittel auf ihren Balkon. Der Tisch und Betonboden sind ihr Kühlschrank.

„Das habe ich von meiner Mutter gelernt, wir waren neun Kinder zu Hause“, ergänzt die 80-Jährige und schaut sich jedes Obst, jede Dose und jedes Gemüse genau an. „Oh, so schöne kleine Kartoffeln“, murmelt sie, „und das? Ah, Fetakäse – lecker.“ Heute wird sie Kartoffeln mit Rosenkohl machen und sich vielleicht einen Joghurt als Nachtisch gönnen. Darauf freut sie sich – und schon jetzt auf nächste Woche. Wenn wieder Dienstag ist.

Mehr aus Lübeck

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen