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Kommunale Wohnungsgesellschaft wird 90

Die „Trave“ – der stille Jubilar

Matthias Rasch (l.) ist Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft „Trave“, Peter Reinhardt (SPD) ist der Aufsichtsratsvorsitzende.

Matthias Rasch (l.) ist Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft „Trave“, Peter Reinhardt (SPD) ist der Aufsichtsratsvorsitzende.

Lübeck.Sie ist der ganze Stolz der Kommunalpolitiker. Keine öffentliche Rede vergeht, ohne dass die besondere Bedeutung der Grundstücksgesellschaft „Trave“ für die Hansestadt betont wird. Die „Trave“, die zu 92,5 Prozent der Stadt und zu 7,5 Prozent den Lübecker Wohnstiften gehört, die 8400 Mietwohnungen unterhält, 95 Mitarbeiter beschäftigt und eine Bilanzsumme von 335 Millionen Euro vorweist, wird 90 Jahre alt.

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Es ist ein stilles Jubiläum. „Auf ein großes Fest haben wir verzichtet“, sagt Geschäftsführer Matthias Rasch, „das machen wir zum 100. Geburtstag.“ Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie wichtig die kommunale Wohnungsgesellschaft für Lübeck und dass ihr Bestehen keine Selbstverständlichkeit ist.

Am Anfang ging es gar nicht um Wohnungsbau. Die „Trave“ wurde gegründet, um die finanziell angeschlagene Flender-Werft zu retten. Für 950 000 Reichsmark übernahm die Grundstücksgesellschaft 125 Werkswohnungen und ein riesiges, unbebautes Grundstück von der Werft, die dadurch wieder Kredite aufnehmen konnte. 1940 war es mit der „Trave“ fast schon wieder vorbei. Der gesamte Grundbesitz wurde an die Kriegsmarine verkauft, die das ungenutzte, riesige Grundstück für militärische Zwecke nutzen wollte. Die „Trave“ versank in der Bedeutungslosigkeit, hieß es im Geschäftsbericht.

Im Januar 2005 wurde das Pinassenhochhaus, in dem einst 700 Mieter lebten, abgerissen.

Im Januar 2005 wurde das Pinassenhochhaus, in dem einst 700 Mieter lebten, abgerissen.

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Zum großen Vermieter wurde die Gesellschaft in den 1960er Jahren, als sie auf der Grünen Wiese in Moisling eine Wohnung nach der anderen hochzog. Innerhalb von sechs Jahren entstanden 3000 Einheiten. Noch heute bezeichnet die „Trave“ den Stadtteil Moisling als ihr Kerngebiet.

Richtig groß wurde die „Trave“ im Mai 1988, als sie 3500 Wohnungen, zwölf Gewerbeflächen und 182 Garagen von der Neuen Heimat Nord kaufte – für 92,2 Millionen D-Mark. Darunter waren Hochhäuser wie das in der Karavellenstraße und das im Pinassenweg.

Nur ein Jahr später begann eine Debatte über den Verkauf der städtischen Gesellschaft, um Lübecks Schuldenberg abzubauen. Die Debatte wurde vom damaligen CDU-Bürgermeisterkandidaten Hans-Achim Roll ausgelöst. Die Kommunalpolitiker bekannten sich zur „Trave“, aber die Diskussion flammte bis 2006 immer wieder auf, erinnert sich Geschäftsführer Rasch. In den Hochzeiten des Neoliberalismus trennte sich viele Kommunen von ihren Wohnungsgesellschaften, was viele heute bitter bereuen.

2001 kaufte die „Trave“ der Stadt für 19,4 Millionen Euro Erbbaugrundstücke ab, auf denen ihre Häuser stehen. Anfang der 2000er Jahre entwickelte die Grundstücksgesellschaft den Bornkamp mit 500 Häusern. In der gleichen Zeit begann sie mit der umfassenden Sanierung ihrer Bestände aus den 1950er und 1960er Jahren.

Bereits seit 1981 saniert die „Trave“ im Auftrag der Stadt die Häuser in der Altstadt. „Bis heute sind wir der größte Sanierungsträger“, sagt der Geschäftsführer, „in der Großen Burgstraße sanieren wir gerade das letzte Haus.“

Abriss und Neubau: In Moisling – hier die „Sieben Moislinge“ – investiert die „Trave“ hohe Millionensummen in die Modernisierung ihrer Bestände.

Abriss und Neubau: In Moisling – hier die „Sieben Moislinge“ – investiert die „Trave“ hohe Millionensummen in die Modernisierung ihrer Bestände.

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Aktuell ist die kommunale Wohnungsgesellschaft wieder gefordert. In Lübeck finden Menschen kaum bezahlbaren Wohnraum. „Wir machen genug“, findet Geschäftsführer Rasch, „in diesem Jahr stellen wir über 200 Wohnungen fertig, in der Mehrheit geförderte Einheiten.“ In den nächsten fünf Jahren sollen 600 Wohnungen gebaut werden – unter anderem in Rothebek, auf dem Baggersand und weiteren Grundstücken, über die Rasch noch nicht reden kann.

Kai Dordowsky

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