Lübeck

Euroimmun-Chef: Interview löst Welle der Empörung aus

Winfried Stöcker hat das Görlitzer Kaufhaus übernommen und will dort 20 Millionen investieren. Foto*: Jana Einecke

Winfried Stöcker hat das Görlitzer Kaufhaus übernommen und will dort 20 Millionen investieren. Foto*: Jana Einecke

Lübeck. Afrikaner sind für Winfried Stöcker „Neger“ und das Weihnachtsfest ist „Firlefanz“. Der für seine deftige Ansprache bekannte Chef von Euroimmun hat in einem Interview mit der Sächsischen Zeitung eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Gründer und Inhaber des Lübecker Medizintechnik-Unternehmens Euroimmun lehnt die Aufnahme von zu vielen Flüchtlingen ab und warnt vor zu vielen Ausländern in Deutschland.

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„Vor 20 Jahren haben sich in Ruanda die Neger millionenfach abgeschlachtet“, wird der Unternehmer zitiert, „hätten wir die alle bei uns aufnehmen sollen?“ Gegenüber den LN erklärte Stöcker: „Ich sage nicht, dass ich die Neger nicht leiden kann.“ Er habe viele Freunde in Afrika, wolle aber nicht, „dass die uns über den Tisch ziehen.“ Stöcker bestätigte, dass er zu den Äußerungen stehe und das Interview mit der Sächsischen Zeitung autorisiert habe. Auslöser des Interviews war Stöckers Verbot, ein Benefizkonzert für Flüchtlingsfamilien aus Syrien, Tunesien, Tschetschenien und Libyen in seinem Görlitzer Kaufhaus abzuhalten. Nur die Syrer seien gefährdet, erklärt Stöcker gegenüber den LN: „Es ist Blödsinn, die anderen aufzunehmen.“

In dem Interview sagt der Unternehmer: „Mir sind so viele ausländische Flüchtlinge nicht willkommen.“ Die „reisefreudigen Afrikaner“ würde er sofort wieder nach Hause schicken, „dann lassen die nächsten solche gefährlichen Bootstouren bleiben und keiner ertrinkt mehr“, sagt der gebürtige Lausitzer. Stöcker sorgt sich weiterhin, dass sich zu viele Türken hier niederlassen. Er habe tolle türkische Mitarbeiter, bekennt der Unternehmer, „aber irgendwann gehört uns unser Vaterland nicht mehr.“ Er sei weder rassistisch noch ausländerfeindlich, sondern sorge sich um die Kinder und Enkelkinder.

Stöcker erntet heftige Kritik in Görlitz. Nach Angaben der Sächsischen Zeitung distanziert sich der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege von den Aussagen. Bischof Wolfgang Ipolt wirft Stöcker mangelnden Respekt vor. Die Stiftung Diakonie-Sozialwerk Lausitz gibt eine Spende an den Unternehmer zurück, weil seine Positionen zynisch und menschenverachtend seien. In der sächsischen Stadt gibt es bereits Spekulationen, ob Stöcker mit seinen Aussagen die Wiedereröffnung des Kaufhauses gefährdet.

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Auch in Lübeck gehen Politiker auf Distanz zu dem Unternehmer. „Die Äußerungen sind menschenverachtend und beschämend“, sagt Sozialsenator Sven Schindler (SPD), „sie passen in keinster Weise zur offenen Flüchtlingspolitik und zur positiven Willkommenskultur der Hansestadt Lübeck.“ Schindler: „Auch wenn der Professor wieder zur Besinnung kommen sollte, kann er den angerichteten Schaden mit seinen Millionen nicht wieder gutmachen.“ CDU-Fraktionschef Andreas Zander zweifelt an Stöckers Verstand: „Wenn jemand das in der heutigen Zeit ernsthaft äußert, muss man sich überlegen, ob er sich nicht auf seinen geistigen Zustand untersuchen lassen muss.“ Mit seinen Ansichten gieße Stöcker Öl ins Feuer der Pegida-Bewegung in Dresden (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), sagt Michelle Akyurt. Die Grünen fordern den Unternehmer auf, „sich für seine Äußerungen öffentlich zu entschuldigen und die Absage des Benefizkonzertes zurückzunehmen“. Der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität zu Lübeck geht noch weiter. „Die Uni muss sich von Stöcker distanzieren, ihn von allen Lehrverpflichtungen freistellen und ihm die Honorarprofessur entziehen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Ira Faust.

In den Internetforen bekommt Stöcker auch Zustimmung, weil er sage, was viele denken würden. „Ich bekomme Zuspruch auch von klugen Leuten“, erklärt Stöcker. Applaus bekommt er allerdings auch von der NPD Sachsen.

Kai Dordowsky

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