Lübeck

Euroimmun-Chef Stöcker kauft Flughafen Lübeck-Blankensee

Insolvenzverwalter Klaus Pannen, Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), Winfried Stöcker (69, v.li.): In Hamburg wird am Montag der Vertrag zum Betrieb des Lübecker Flughafen unterzeichnet.

Insolvenzverwalter Klaus Pannen, Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), Winfried Stöcker (69, v.li.): In Hamburg wird am Montag der Vertrag zum Betrieb des Lübecker Flughafen unterzeichnet.

Lübeck . Es ist aber Geld geflossen und kein symbolischer Euro. Am Flughafen sind 59 Mitarbeiter beschäftigt, doch etliche werden entlassen, so dass nur 30 bis 35 Mitarbeiter am Airport verbleiben. Neuer Geschäftsführer wird Jürgen Friedel.

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Weiterlesen: Operation Flughafen: Gelingt die Rettung?

„Ich freue mich sehr, dass wir nach all den Irrungen und Wirrungen eine Unternehmerpersönlichkeit aus der Region gefunden haben“, meint Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Er sei zuversichtlich, dass der Flughafen eine gute Entwicklung nehmen werde. Insolvenzverwalter Klaus Pannen hat den Handel abgeschlossen – neun Monate nach Insolvenzantrag: „Ich gehe davon aus, dass der Flughafen nunmehr eine langfristige und gute Perspektive haben wird.“

Der neue Eigentümer hat den Airport gekauft, um ihn zu retten. „Wir wollten auf keinen Fall, dass der Flughafen untergeht“, sagt Stöcker. Er hat vor allem ein eigenes Interesse, ab Blankensee fliegen zu können – denn sein Medizintechnik-Unternehmen ist in direkter Nachbarschaft zum Airport. Seine Firma wachse derart, dass er sich einen Standort ohne Flughafen nicht leisten könne. Zudem will Stöcker die Mitarbeiter des Airports auch in seiner Firma einsetzen. „Diese Möglichkeit hat keiner außer uns.“ Langfristig will Stöcker den Airport ausbauen und elf Millionen Euro investieren. Dann erhält er 5,5 Millionen Euro von der Stadt.

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Zunächst will Stöcker aber eine kleine Lösung. Sein Ziel: die Betriebsgenehmigung des Airports erhalten und den Ausbau sichern. Das heißt: das Planfeststellungsverfahren rechtskräftig abschließen, denn das hängt seit Jahren in der Luft. Klar ist aber, dass der Flughafen die nächsten Jahren vor allem Geld kostet. Zunächst könnten private Flüge für Geschäftsreisende ausgebaut werden oder Charterflüge für Reiseanbieter. Linienflieger werden wohl erst wieder in einigen Jahren in Blankensee abheben.
Die Reaktionen auf die Kaufentscheidung Stöckers fallen überwiegend positiv aus. Der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigt sich erfreut, dass der Flughafen weiterhin für Wirtschaft und Tourismus zur Verfügung stehe. Die IHK Lübeck streicht heraus, dass ein Unternehmer aus der Region "diesen rettenden Schritt gemacht hat". Aus Sicht der Wirtschaft sei es nun wünschenswert, künftig auch wieder regelmäßige Linienverbindungen "von dem hervorragend angebundenen Airport"anzubieten. Bernd Jorkisch, Vorsitzender des Hansebelt Initiativkreises, sprach von einem Glücksfall für die Region: "Der Airport hat eine Zukunft."

Von Josephine von Zastrow und Curd Tönnemann

Unternehmer Winfried Stöcker

Unternehmer Winfried Stöcker

Der Flughafen Lübeck-Blankensee

Der Flughafen Blankensee liegt im Süden der Hansestadt Lübeck an der Grenze zur Gemeinde Groß Grönau (Kreis Herzogtum Lauenburg). Zu den besten Zeiten im Jahr 2009 wurden am Flughafen knapp 700 000 Passagiere abgefertigt, 2014 waren es noch 169 000. Aktuellere Zahl liegen nicht vor, derzeit gibt es keinen Linienflugbetrieb mehr. 

Lübeck-Blankensee wurde 1917 als „Kaiserliche Flugschule“ für das Militär gegründet. Seit dem Jahr 2000 hoben Charterflieger und Linienmaschinen der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair in Lübeck ab.

Von 2005 bis 2009 war der neuseeländische Infrastrukturkonzern Infratil Mehrheitsgesellschafter des Flughafens. Nach dessen Rückzug fiel der Airport an die Stadt zurück, Lübeck musste den Kaufpreis von rund 27 Millionen Euro erstatten. Ein Bürgerentscheid rettete den Regionalflughafen zunächst vor der Schließung. 

Ende 2012 erteilte die Lübecker Ratsversammlung dem ägyptischen Geschäftsmann Mohamad Rady Amar den Zuschlag. Doch Mitte 2014 verkaufte der seine Anteile plötzlich an dubiose Strohmänner und tauchte ab. Der Flughafen musste zum ersten Mal Insolvenz anmelden.

Am 1. August 2014 übernahm der chinesische Geschäftsmannes Chen Yongqiang den Flughafen. Er wollte eine Flugschule in Lübeck-Blankensee ansiedeln und chinesische Medizintouristen nach Lübeck holen. Doch nur ein Jahr später überwies er kein Geld mehr, der Flughafen musste zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. 

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