Gründungsviertel in Lübeck

Forscher wollen DNS-Proben aus mittelalterlichen Kloaken auswerten

Bei Ausgrabungen im Gründerviertel wurden rund 100 Kloaken gefunden - für die Forscher regelrechte Goldgruben.

Bei Ausgrabungen im Gründerviertel wurden rund 100 Kloaken gefunden - für die Forscher regelrechte Goldgruben.

Lübeck/Oxford. Wie die Stadt Lübeck mitteilt, brachten die archäologischen Ausgrabungen im Lübecker Gründungsviertel Aufschlüsse über hunderte von hölzernen wie backsteinernen Gebäuden und zigtausende von Funden. „Es wurden aber auch 100 Kloaken ausgegraben, in denen sich nicht nur feste materielle Schätze fanden“, sagte ein Sprecher.

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Im Rahmendes des Projektes "Lübecks Archäoparasiten als Transmitter zur Erforschung des mittelalterlichen Individuums" sind gezielt DNS-Proben aus den mittelalterlichen Fäkalfüllungen entnommen worden, um noch mehr Informationen über die Lübecker Kaufleute und ihre Familien vor 800 Jahren zu erfahren. "Die Lübecker Archäologie schlägt dabei nun völlig neue Wege ein und kümmert sich auch um die mikroskopisch kleinen Informationsschätze unserer Vergangenheit", so der Sprecher weiter.

Seit sieben Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit der Lübecker Archäologie mit der University of Oxford. Mit kriminalistischem Spürsinn sollen jetzt die genetischen Signaturen, Verbreitungen und Mutationen von Parasiten aber auch der von ihnen befallenen Menschen des Gründunsgviertels selbst unter die Lupe genommen werden.

Das erlaube detaillierte Rückschlüsse auf die damalige Bevölkerungsstruktur, Krankheitsepidemien und Infektionsraten (bezogen auf Alters- und Geschlechtsgruppen) sowie bislang völlig unbekannte Bevölkerungs- und Warenbewegungen (wie Importe von Lebensmitteln aus Asien und damit Lübecks Anschluss an die Seidenstraße).

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Darüber hinaus sollen DNS-Untersuchungen an den Pesttoten des Heiligen-Geist-Hospitals zusätzliche Informationen zu Krankheiten und den hygienischen Verhältnissen von über 600 Jahren Stadtgeschichte aufzeigen und damit möglicherweise sogar die ehemaligen Bewohner des Gründungsviertels direkt in Verbindung bringen.

"Detaillierte Aufschlüsse zu den parasitologischen Infektionen, anderen Viren und Bakterien sowie vor allem deren Mutationen können dann in einer bisher ungeahnten Qualität wie Quantität aufgezeigt werden, die für zukünftige Arbeiten besonders auch für die moderne Medizin von großem Interesse sein können", so der Sprecher. Dadurch könnten die „Ur-Stämme“ noch heute existierender Krankheiten wie beispielsweise Tuberkulose, Pest und sogar genetisch bedingte Diabetes gefunden werden.

Durch die Förderung der Possehl-Stiftung ist das hochspannende Projekt nun realisierbar. Die Ergebnisse werden nach Abschluss des Projektes wissenschaftlich publiziert, der Öffentlichkeit anhand Vorträge vorgestellt und in einer großen Ausstellung zur Lübecker Archäologie inszeniert.

kha

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