Kampagne

Lübeck sucht liebevolle Eltern auf Zeit

Sind stolz auf den Start der Kampagne: Chris Mull (l.) und Martina Bordukat von „K2F“. Hinten vor dem großen Plakat tauschen sich Dirk Behrens (Awo, v. l.) sowie Sarah Frenz und Herbert Wiegert (Hansestadt Lübeck) aus.

Sind stolz auf den Start der Kampagne: Chris Mull (l.) und Martina Bordukat von „K2F“. Hinten vor dem großen Plakat tauschen sich Dirk Behrens (Awo, v. l.) sowie Sarah Frenz und Herbert Wiegert (Hansestadt Lübeck) aus.

St. Jürgen. Riesengroß prangt es über der dreieckigen Grünfläche im Einmündungsbereich Kronsforder Allee, Berliner Allee und B 207: ein Plakat, das eine mit bunter Fingerfarbe bemalte Frau in Interaktion mit einem ebenfalls bunt angeklecksten Kleinkind zeigt. Beide haben sichtlich Spaß. „Lange nicht mehr gemalt? Wir haben da eine Idee: Jetzt ein Pflegekind annehmen!“ lautet der Text zum Bild.

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Start der großen Kampagne

Seit Dienstagvormittag hängt es dort. Zusammen mit weiteren größeren und kleineren Plakaten im Stadtgebiet soll es die Aufmerksamkeit der Passanten aufsichziehen, liebevolle Männer und Frauen motivieren, sich als Pflegeeltern für Kinder, die aus verschiedenen Gründen vorübergehend oder längerfristig von ihren leiblichen Eltern nicht betreut werden können, zu bewerben.

„Wir freuen uns wie Bolle“, sagt Chris Mull, Bereichsleitung „K2F“ (Kinder in zwei Familien). Zwei Jahre lang haben maßgeblich Martina Bordukat und ihre Kolleginnen von „K2F“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Kooperation mit der Hansestadt Lübeck an der Kampagne gearbeitet, nun ist sie gestartet.

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Einzigartige Kooperation zwischen Awo und Jugendamt

Eigens aus Kiel reiste am Dienstag Dirk Behrens, Unternehmensbereichsleiter der Awo-Kinder- und Jugendhilfe im Land, an. Landesweit so gut wie einzigartig sei die Art und Weise, in der Pflegeeltern und Pflegekinder in Lübeck begleitet und betreut würden. Behrens: „Durch normale kommunale Leistung ist das nicht zu schaffen.“

„Wir brauchen die Aufmerksamkeit“

Von der Kampagne angetan ist Herbert Wiegert, Leiter des Fachdienstes „Pflegekinderdienst und Adoptionsvermittlung“ der Hansestadt Lübeck. „Wir brauchen die Aufmerksamkeit, denn wir brauchen qualifizierte Pflegeeltern.“ Vor 15 Jahren habe es 100 Fälle weniger gegeben, in den Kinder außerhalb ihrer eigenen Familie untergebracht werden mussten – davon 59 Prozent im Heim. 2018 waren es 519 Kinder, davon 55 Prozent in Pflegefamilien. Jugendsenatorin Kathrin Weiher (parteilos): „Die Geborgenheit, die ein Kind in einer Pflegefamilie erleben kann, macht es möglich, wieder Vertrauen aufzubauen und eine neue emotional-stabile Basis zu gewinnen.“

Intensive Begleitung

Wer sich vorstellen könnte, Kindern ein liebevolles Zuhause (auf Zeit) geben zu können, braucht sich nicht vor den Aufgaben zu fürchten. „Wir lassen die Familien nicht allein, sie werden intensiv begleitet“, sagt Dirk Behrens, und Martina Bordukat ergänzt, die Kinder seien zweimal pro Woche mit den Pflegefamilien und ihren Herkunftsfamilien in Räumen der Awo zusammen. Familien, Alleinstehende oder auch Großeltern, die Kinder befristet aufnehmen, werden von „K2F“ der Awo begleitet; wer Kinder unbefristet aufnimmt, vom Pflegekinderdienst der Hansestadt.

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Treffen und Information

Interessierte Pflegeeltern sind eingeladen zum Infoabend an jedem ersten Mittwoch im Monat ab 16 Uhr in der Moislinger Allee 97. Weitere Informationen unter Telefon 04 51/504 15 44 oder über die neue Homepage: www.pflegekinder-luebeck.de.

Sabine Risch

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