Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige

Mehr Zweiräder in Lübeck

Achtung, sie kommen! Nicht nur wie hier bei einer Fridays-for-Future-Demonstration ist der Zweiradverkehr in Lübeck manchmal durchaus recht dicht.

Achtung, sie kommen! Nicht nur wie hier bei einer Fridays-for-Future-Demonstration ist der Zweiradverkehr in Lübeck manchmal durchaus recht dicht.

Lübeck.Der Straßenverkehr in Lübeck ist fast schon legendär zäh. Wer mit dem Rad fährt, versucht oft auch, Staus zu umgehen. Aber auch Zweiräder nehmen Raum ein – angesichts neuer Verkehrsmittel wie E-Roller und E-Bikes wird es immer enger. Wie steht es um die Sicherheit der Radfahrer in der Hansestadt?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die aktuellste Entwicklung sind E-Roller. In Lübeck dürfen die Fahrzeuge seit Juli fahren. In der Innenstadt und in Travemünde ist der Lübecker Stadtverkehr eine Kooperation mit der schwedischen Firma Voi eingegangen. Wer fahren will, bezahlt eine Startgebühr von einem Euro - und weiteren 15 Cent pro gefahrener Minute. Nutzer müssen mindestens 14 Jahre alt sein – allerdings muss, wer einen Roller mieten will, volljährig sein. Die maximale Geschwindigkeit der elektrischen Roller von Voi beträgt 20 Stundenkilometer.

Die Regeln sind klar: E-Roller dürfen nur auf sogenannten Radverkehrsflächen gefahren werden. Das Befahren von Busspuren, Gehwegen und Fußgängerzonen ist nicht erlaubt. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben Fußgänger Vorrang; sie dürfen weder behindert noch gefährdet werden. Eine Helmpflicht besteht für E-Tretroller nicht. Abstellen sollten Nutzer sie dort, wo sie weder Passanten noch andere Verkehrsteilnehmer stören.

Die Befürchtungen waren groß, die E-Scooter könnten zum einen zu vielen Unfällen führen, zum anderen könnten zu viele von ihnen auf unmarkierten Flächen herumstehen. Doch sie scheinen weitgehend unberechtigt. Gerlinde Zielke, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, beim Stadtverkehr Lübeck GmbH, erklärt: „Nach unserer Einschätzung ist der E-Tretroller ein weiteres Verkehrsmittel. Jeder muss sich an die Regeln halten und dann klappt ein harmonisches Miteinander.“ Die Firma Voi habe durch die Kooperation mit dem Stadtverkehr einen Partner mit lokalem Know-how: „Wir unterstützen, wenn Meldungen von Kunden kommen, wenn zum Beispiel ein E-Tretroller in einem Bereich steht, in dem er nicht abgestellt werden kann oder wenn es Fragen zur Anwendung des Rollers gibt.“ Das Verleih-System der E-Tretroller sei in Lübeck erfolgreich angelaufen: „Die Nutzer-Zahlen steigen. Wir glauben, dass viele Touristen den Roller genutzt haben – in Lübeck und vor allem auch in Travemünde.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dem E-Roller-Boom vorausgegangen ist der Boom der E-Bikes . Auch sie haben in der Hansestadt und der Region oft für Sicherheitsdiskussionen gesorgt. Denn immer wieder ist es zu heftigen Unfällen gekommen. In Lübeck stieß im August ein 54-Jähriger mit seinem Rad vom Lindenteller kommend auf dem Radweg der Puppenbrücke in die Innenstadt mit einer Pedelecfahrerin zusammen, die verbotswidrig auf dem stadteinwärts führenden Radweg fuhr. Der Mann wurde verletzt, die Frau beging Fahrradflucht. In ganz Norddeutschland gab es ähnliche Vorfälle. In Mecklenburg verunglückte im Sommer ein 63 Jahre alter Radfahrer mit seinem Pedelec tödlich. Nach Angaben der Polizei war der Mann aus ungeklärten Gründen ins Schlingern geraten und anschließend ohne Fremdeinwirkung gestürzt. In Norderstedt wurden ein Radfahrer und eine Pedelec-Fahrerin verletzt, nachdem der 55-Jährige beim Rechtsabbiegen auf dem Radweg mit der 61-Jährigen zusammengestoßen war, die ihm entgegen kam.

Die Unfälle zeigen: Generell sind die Anforderungen an alle Zweiradfahrer höher geworden. Egal, ob E-Tretroller, E-Bike oder klassisches Fahrrad. Nicht selten sind auch ältere Menschen beteiligt.

Und manche Unfälle enden tödlich. Insgesamt kamen in ganz Schleswig-Holstein 2018 zwölf Fahrradfahrer im Straßenverkehr ums Leben. Zehn der getöteten Fahrradfahrer waren über 65 Jahre alt. Neun der tödlichen Verkehrsunfälle wurden laut Polizei von den Fahrradfahrern selbst verursacht.

In Lübeck ist laut dem Verkehrssicherheitsbericht der Hansestadt für 2018 die Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Radfahrern gegenüber 2017 wieder angestiegen. Insgesamt waren demnach 680 Fahrrad- und Pedelec-Fahrer beteiligt, von denen 54 schwer und 526 leicht verletzt wurden. Radfahrer waren bei 186 Verkehrsunfällen Verursacher, bei den Pedelec-Fahrern waren es 15. Bemerkenswert dabei ist: Dem Bericht zufolge kam es zu neun Zusammenstößen zwischen Fahrrad und Pedelec.

Hauptursachen bei Unfällen mit Radfahrern sind laut Verkehrssicherheitsbericht Abbiegeunfälle, das Nichtbeachten der Vorfahrt sowie – mit Abstand – das Einfahren. Radfahrer verursachen Verkehrsunfälle hauptsächlich bei falscher Straßenbenutzung (zum Beispiel Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung) und bei Stürzen. Alkoholeinwirkung war bei 36 Unfällen die Ursache.

Andere Verkehrsteilnehmer verursachen Unfälle mit Zweiradfahrern hauptsächlich durch Vorfahrverletzungen, beim Einfahren in die Fahrbahn und beim Abbiegen. Zweiradfahrer selbst setzen die Ursachen durch nicht angepasste Geschwindigkeiten und Stürze. Auch mangelnder Abstand ist eine häufige Ursache.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vor diesem Hintergrund wird im Bereich der Verkehrserziehung ein besonders großes Augenmerk auf die Ausbildung der Grundschüler gelegt, die in der vierten Klasse die Radfahrprüfung ablegen. Dort werden unter Anleitung von Lehrern, Polizei und Verkehrswacht Verkehrsregeln gelernt, es wird im Straßenverkehr geübt, Gefahrenstellen und der „Tote Winkel“ werden besprochen.

Zwar werden die Kinder so mit ziemlich fundierten Kenntnissen in den Straßenverkehr entlassen. Aber danach frischen Fahrradfahrer normalerweise – sieht man vom Führerscheinerwerb ab – kaum noch ihre Kenntnisse der spezifischen Verkehrsregeln auf. Beim Blick in die Unfallstatistik fällt auch auf, dass eine große Anzahl von Verkehrsunfällen tatsächlich von den Radfahrern selbst verursacht wurden, seien es Unfälle mit anderen Radfahrern (die zum Teil gar nicht gemeldet werden und somit nicht in der Statistik auftreten) oder mit anderen Fahrzeugbeteiligungen.

„Hier liegt großes Potenzial. Das geht besser“, sagt Silke Ziemann, Leiterin der Präventionsstelle bei der Polizeidirektion Lübeck. Aus diesem Grunde hat die Präventionsstelle der Polizeidirektion Lübeck in Zusammenarbeit mit der Lübecker Verkehrswacht bereits im August erstmals einen Radfahrkurs für Erwachsene angeboten. In den drei Stunden wurden unter anderem motorische Übungen gefahren und Unfallursachen besprochen. Ein weiteres Thema war auch das Pedelec. Zielgruppe waren erwachsene Fahrrad- und Pedelecfahrer.

Wie wichtig der Sicherheitsaspekt bei der Nutzung von Zweirädern ist, betont auch der ADFC Lübeck. „Lübecks Bürgerinnen und Bürger müssen die Möglichkeit haben, alle innerstädtischen Ziele und alle Nachbargemeinden sicher, angstfrei, und komfortabel mit dem Rad zu erreichen, wenn sie dies möchten“, fordert der ADFC in seiner Kampagne „Mehr Platz fürs Rad“: „Gut ausgebaute, komfortable und sichere Radwege und Netze werden mehr Menschen dazu bewegen, vom Auto auf das Rad als kostengünstigstes, umweltfreundlichstes, und gesündestes Verkehrsmittel umzusteigen.“

Von LN

Mehr aus Lübeck

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.