Lübeck

Protest gegen Stöcker: „Nehmt keine Spenden an“

Protest gegen frauenfeindliche Äußerungen: 150 Lübecker sind zur Spontan-Demo gegen Unternehmer Winfried Stöcker gekommen.

Protest gegen frauenfeindliche Äußerungen: 150 Lübecker sind zur Spontan-Demo gegen Unternehmer Winfried Stöcker gekommen.

Lübeck. Klare Kante: „Lübeck sollte sich von dem Mann distanzieren“, fordert Katjana Zunft. Sie ist Kreischefin der Linken und im Womens-March-Bündnis aktiv. „Solche Äußerungen kann man nicht unwidersprochen stehen lassen“, sagt Zunft. So sieht es auch die jugendpolitische Sprecherin der Grünen, Anka Grädner: „Die Stadt sollte sich deutlich von Stöcker distanzieren und die Kooperationen einstellen.“ Dasselbe fordert sie von Wirtschaftsverbänden. Grädner: „Es ist nicht zu vermitteln, dass Personen, die sich derartig rassistisch und sexistisch äußern, in Lübeck mit am Ehrentisch sitzen dürfen.“

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Zunft geht noch einen Schritt weiter: „Man sollte sich fragen, ob man Spenden von ihm annimmt.“ Stöcker hat Einfluss in der Stadt und unterstützt viele Lübecker Institutionen kräftig mit Geld – wie das Theater oder die Universität. Denn er ist reicher Firmengründer des Medizintechnik-Unternehmens Euroimmun. Und: „Die Uni muss sich auch überlegen, was sie mit seiner Honorarprofessur macht“, sagt Zunft. Die Stadt solle ihm beim Flughafen nicht entgegenkommen. Den hatte Stöcker im Sommer 2016 aus der Insolvenz gekauft – und er muss sich bei vielen Fragen mit der Stadt einigen. „Es ist grotesk, wie Stöcker seine Position bei Euroimmun ausnutzt“, sagt Mathias Henke (Grüne). „Bombardiert ihn mit E-Mails, erstattet Anzeige – ärgert ihn“, ruft Zunft den Protestlern zu. Die Linken haben bereits eine Anzeige wegen Aufforderung zu sexueller Nötigung vorbereitet.

Der Hintergrund: In seiner Weihnachtsansprache hatte Stöcker seine 2500 Mitarbeiter aufgefordert: „Geht ran, egal ob Ihr Vorgesetzte seid oder nicht, es kommt nur darauf an, dass Ihr das Mädchen oder den Jungen liebt.“ Und weiter: „Zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können.“ Stöcker hatte gegen „Tugendwächter“, Feministinnen und Journalisten gewettert – und sich damit zur #MeToo-Bewegung geäußert, die weltweit sexuelle Gewalt von Männern bekämpfen will. Seine Rede soll Stöcker in der Jakobikirche bei einem Konzert für seine Mitarbeiter gehalten und sie nachher in seinem Blog veröffentlicht haben. Pastor Lutz Jedeck hat mittlerweile angekündigt, dass die Räumlichkeiten der Kirche nicht mehr für Euroimmun zur Verfügung stehen.

 jvz

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