Lübeck

So viele Millionen: Wie die Possehl-Stiftung zu Geld kommt

Emil Possehl (1850-1919) ist der Vater der Possehl-Stiftung.

Emil Possehl (1850-1919) ist der Vater der Possehl-Stiftung.

Lübeck. Alle Welt blickt auf Lübeck — und aufs Hansemuseum. Zwei Tage lang tagen die sieben Außenminister der wichtigsten Industrienationen dort — sechs Wochen vor der Eröffnung. 45 Millionen Euro kostet das Hansemuseum. Die Possehl-Stiftung hat 35,6 Millionen Euro hineingesteckt, die EU 9,42 Millionen Euro, die Stadt keinen einzigen Cent.

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Woher kommt das viele Geld, das die Possehl-Stiftung anscheinend mühelos in Lübeck verteilt? Nicht nur ans Hansemuseum, sondern auch die jährlichen Millionen Euro, die Kitas, Jugendprojekte, Schulen, Museen und lübsche Altstadthäuser erhalten. Diese Leichtigkeit im Umgang mit Finanzen hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit geschicktem Management. Und das sitzt im sechsten Stock im Possehl-Haus in der Beckergrube 38-52. Dort hat der Vorstand L. Possehl & Co. mhH seine Chefetage. Vorsitzender ist Uwe Lüders. Er ist der Mann, der das Geld verdient, das die Stiftung wieder ausgibt. „Er ist mehr wert als ein Sechser im Lotto“, lobt Renate Menken, Vorsitzende der Possehl- Stiftung. Sie sitzt bezeichnenderweise noch einen Stock höher — in der siebten Etage des Hauses.

Die Stiftung ist alleinige Gesellschafterin dieses riesigen Konzerns L. Possehl. Er ist weltweit tätig, besteht mittlerweile aus 140 Gesellschaften, beschäftigt mehr als 11500 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon arbeitet in Deutschland. L. Possehl ist ein Gemischtwarenladen: Die Palette der Unternehmen reicht von Edelmetallverarbeitungs-Firmen über Hersteller von Druckmaschinen, Halbleitern und Reinigungsmaschinen. Im vergangenen Jahr hat L. Possehl einen Rekordumsatz von 3,3 Milliarden Euro gemacht. Der Gewinn vor Steuern beträgt 125 Millionen Euro. Als Lüders seinen Job 2004 anfing, lag der Umsatz bei 695 Millionen Euro — und der Gewinn vor Steuern bei 22 Millionen Euro. Lüders hat den Gewinn des Konzerns fast versechsfacht.

Die Formel für die Possehl-Stiftung als Gesellschafter ist dabei ganz einfach. Je mehr Lüders verdient, desto mehr Geld kann Menken ausgeben. Denn ein Fünftel bis ein Viertel des Gewinns fließt an die Stiftung. Der Rest der Millionen bleibt im Unternehmen — und wird dort auch gebraucht. Der Konzern wird hanseatisch, konservativ, zurückhaltend geführt — und erweitert sich dabei stetig im Stillen. Lüders hat seit 2006 immerhin 19 Firmen gekauft — die haben den Konzern in der Wirtschaftskrise 2008 so gestärkt, dass er 2009 immer noch 21 Millionen Euro Gewinn verbucht hat.

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Davon profitiert die Stiftung — und somit auch Lübeck. Denn das Budget der Stiftung ist mit dem Erfolg des Konzerns gestiegen. In den 90er Jahren und um die Jahrtausendwende betrug es zwischen 3,5 und fünf Millionen Euro pro Jahr. 2012 waren es schon elf Millionen Euro — in diesem Jahr sind es satte 15 Millionen Euro. So viel wie nie. „Das Budget der Stiftung wächst jedes Jahr um eine Million Euro“, sagt Menken.

Und dabei ist das Hansemuseum noch gar nicht eingerechnet. „Dafür gibt es Sonderausschüttungen von L. Possehl“, sagt Menken. „Das belastet das Budget der Stiftung nicht.“ L. Possehl hat 2011 erstmals Geld für das Museumsprojekt beiseitegelegt. Es flossen fünf Millionen Euro ins Hansemuseum — und der Zuschuss stieg jedes Jahr. 2015 sind es zwölf Millionen Euro. Damit beträgt das Stiftungsbudget in diesem Jahr insgesamt 27 Millionen Euro — plus ein bis zwei Millionen Euro Zinsen. So viel kosten die Neubauten von Possehl- und Bahnhofsbrücke zusammen. Warum fließt das Geld nicht in die Rücklage der Stiftung? Menken: „Lübeck braucht das Geld jetzt.“

Josephine von Zastrow

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