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Afrikanische Schweinepest

Streit um Wildschweine: Landesjäger kritisieren Lübecks Jagdstrategie

Großes Medieninteresse: Wildschweine treiben in Moisling ihr Unwesen und verwüsten Gärten. Der Landesjagdverband kritisiert die Strategie zur Wildschweinbejagung der Hansestadt Lübeck.

Großes Medieninteresse: Wildschweine treiben in Moisling ihr Unwesen und verwüsten Gärten. Der Landesjagdverband kritisiert die Strategie zur Wildschweinbejagung der Hansestadt Lübeck.

Lübeck.Streit um Wildschweine: Der Landesjagdverband kritisiert die Hansestadt Lübeck für ihre Wildschweinjagd. Um der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) entgegenzuwirken, müsse die Hansestadt Lübeck der Jagdstrategie des Landes folgen, um mehr Wildschweine zu schießen. Die Hansestadt wiegelt ab: „Die Jägerschaft versucht die derzeitige Situation zu rechtfertigen und verkennt dabei Ursache und Wirkung“, sagt Stadtsprecher Hansjörg Wittern.

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Landesjäger: „Jagdstrategie rational nicht nachvollziehbar“

Nach Angaben des Landesjagdverbandes steige die Zahl der infizierten Tiere immer weiter, in Brandenburg seien aktuell 32 bestätigte Fälle gemeldet. „Gleichwohl die Entfernung zwischen Brandenburg und Schleswig-Holstein weit erscheinen mag, ist die Gefahr einer Einschleppung der ASP durch den Menschen sehr hoch“, heißt es vom Landesjagdverband. „Orte wie Lübeck, die durch die Häfen einen starken Transitverkehr aufweisen, gelten als besonders gefährdet.“ Deswegen müsse die Zahl der erlegten Tiere erhöht werden. „Der Landwirtschaftsminister hat eine deutliche Bitte an die Jäger gerichtet: Es soll die Rekordstrecke aus 2019 mit fast 20 000 erlegten Wildschweinen in Schleswig-Holstein noch einmal deutlich erhöht werden.“

Jäger aus den Kreisen Segeberg und Herzogtum Lauenburg haben sich nach Angaben des Verbandes bereits lange auf das Problem vorbereitet und ihre Jagdhunde auf das Aufspüren verendeter Wildschweine abgerichtet. In Lübeck solle hingegen in den Revieren des Stadtwaldes auf den großräumigen und effektiven Einsatz von brauchbaren Jagdhunden verzichtet werden. „Diese Art der Jagdstrategie ist in Zeiten von ASP rational nicht nachvollziehbar“ sagt Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbandes. „Größere Abschusszahlen erreicht man nicht durch die Einzeljagd, sondern nur durch gut organisierte revierübergreifende Gemeinschaftsjagden mit dafür ausgebildeten Stöberhunden in ausreichender Zahl!“

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Wildschwein-Bejagung: Lübeck verfolgt andere Strategie

Das sieht man in Lübeck anders. "Wir wollen nur mit einen Hund pro Jagdbezirk arbeiten und auf der anderen Seite die Frequenz der Jagden erhöhen. Also mehr Jagdtermine mit wenigen ausgesuchten Jägern, die vor allem Revierkenntnisse haben, die von einen Jagdhund mit seinem Hundeführer und mehr Treibern unterstützt werden", sagt Wittern. "Hierdurch erhoffen wir uns, dass die Wildschweine vertrauter an die Jäger herangedrückt werden und somit die Trefferquote der eingesetzten Jäger steigt." Durch den permanenten Jagddruck erhoffe man sich weiterhin, dass die Wildschweine mehr Scheu vor Menschen bekommen – und sich aus Siedlungen wie etwa Moisling zurückziehen.

Ungebetene Gäste in Moisling: Wildschweine haben Vorgärten verwüstet.

Ungebetene Gäste in Moisling: Wildschweine haben Vorgärten verwüstet.

Die derzeitigen Jagdstrategien des Landes haben laut Wittern zu keiner Reduktion der Schwarzwildbestände geführt. „Hier jetzt die neue, noch gar nicht eingeführte und erprobte Strategie des Stadtwaldes für erhöhte Schäden oder sonstige negative Einflüsse heranzuziehen, ist abwegig“, sagt Wittern. „Wir brauchen hier neue Ideen und Strategien, die aber offensichtlich nicht vom Jagdverband unterstützt werden. Nur weiter so, wie es der Jagdverband fordert, geht es nicht.“

Streit ohne Versöhnung: Lübeck bleibt bei Jagdstrategie

Dass die Hansestadt Lübeck ihre Jagdstrategie nach der Kritik der Landesjäger ändern wird, scheint ausgeschlossen – man will die neue Strategie ausprobieren. Wittern: „Wenn unsere Hypothese richtig ist, wird es deutlich geeigneter sein, die Schwarzwildbestände zu reduzieren und damit auch die Ausbreitung von ASP einzudämmen.“

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Von Hannes Lintschnig

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