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Vandalismus und Verunreinigung


Wenn’s mal dringend wird: In Lübeck und Travemünde können fast 60 Toiletten genutzt werden

32 Mal gibt es die „Nette Toilette“ in Lübeck und Travemünde: auch hier im Café Calma in Lübeck an der Hüxstraße.
32 Mal gibt es die „Nette Toilette“ in Lübeck und Travemünde: auch hier im Café Calma in Lübeck an der Hüxstraße.

Lübeck. In der Innenstadt shoppen, über den Weihnachtsmarkt schlendern – und plötzlich muss man mal dringend wohin? In Lübeck gibt es dafür so einige Möglichkeiten. Genauer: Fast 40 Toiletten können in Lübeck und 18 in Travemünde genutzt werden.

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Dazu zählen neben sogenannten öffentlichen Bedürfnisanstalten auch Standorte der „Netten Toilette“. Cafés, Restaurants, Hotels haben die Möglichkeit, ihre Toiletten für Nicht-Gäste freizugeben. Das Angebot gibt es jetzt schon seit mehr als zwölf Jahren in der Hansestadt, sagt Marko Wetter von den für Toiletten zuständigen Entsorgungsbetrieben. Und wie läuft es?

So oft gibt es die „Nette Toilette“ in Lübeck

„Begonnen haben wir mit circa zehn Gastronomiebetrieben. Mittlerweile sind es 32 in Lübeck und Travemünde“, sagt Wetter. Hinzu kommt das Naturfreibad Falkenwiese. „Die Gastronomen haben positive Erfahrungen gemacht und konnten den einen oder anderen Gast dazugewinnen, der eigentlich nur die Toilette benutzen wollte.“

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Für die Stadt bedeutet das: Das Toilettenangebot in der Altstadt und in Travemünde ist dadurch immens gestiegen. Öffentliche Toiletten gibt es zehn in Lübeck und 14 in Travemünde.

Das sind die Erfahrungen von Anbietern der „Netten Toilette“

Erkennbar sind die teilnehmenden Gastronomien durch einen roten Aufkleber mit dem Hinweis „Nette Toilette“. Zudem ist ein Smiley zu sehen – wobei die Augen eher an zwei Nullen erinnern. Die Doppelnull gilt seit dem 19. Jahrhundert als Zeichen für WCs, entstanden ist das in Hotels: Die Betreiber fingen an, jedes Zimmer zu nummerieren, wobei Toiletten nicht als richtige Zimmer galten – und dann eben die „00“ bekamen. Auch heute gibt es die Bezeichnung noch.

Die Vorgabe: Er muss von außen gut sichtbar sein, und es darf kein Geld für die Benutzung genommen werden. „Wir schließen hierüber Verträge mit den jeweiligen Firmen“, sagt Wetter. Die Betriebe bekommen demnach auch eine Aufwandsentschädigung je nach Ausstattung, Größe und Örtlichkeit.

Und manchmal kam es auch schon vor, dass die Toilette hinterher verstopft war.

Karim Ghoudi

Restaurant Lübke’s Speicher

Das Angebot wird wohl auch viel genutzt, das sagt unter anderem eine Mitarbeiterin des Lübecker Marzipanspeichers an der Untertrave. „Wir haben viel Laufkundschaft, die danach fragt. Der Aufkleber ist aber auch bekannt, und viele Touristen geben dann auch weiter, wo man die Toilette nutzen kann“, sagt sie, die ihren Namen nicht öffentlich lesen möchte. Früher hat es das Angebot auch am Marzipanspeicher-Standort an der Holstenstraße gegeben. „Aber das wurde tatsächlich dann doch zu viel genutzt, die Räume sind auch nicht sehr groß. Das haben wir aufgegeben.“

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Karim Ghoudi vom Restaurant Lübke’s Speicher an der Obertrave kann bestätigen, dass das Angebot sehr viel genutzt wird. Doch er hat nicht ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. „Manche Menschen kommen auch einfach rein, sagen nicht Bescheid, gehen so durch“, sagt er. „Und manchmal kam es auch schon vor, dass die Toilette hinterher verstopft war.“

Das Angebot „Nette Toilette“ wird viel genutzt. Das kann Karim Ghoudi vom Restaurant Lübke’s Speicher an der Obertrave bestätigen.
Das Angebot „Nette Toilette“ wird viel genutzt. Das kann Karim Ghoudi vom Restaurant Lübke’s Speicher an der Obertrave bestätigen.

Vandalismus und Verunreinigung bei öffentlichen Toiletten

Und wie sieht es mit den öffentlichen Toiletten aus? „Das kommt auf verschiedene Faktoren an“, sagt Wetter. „Ist gerade Saison oder nicht? Findet gerade eine Festivität mit vielen Besuchenden statt, zum Beispiel Weihnachtsmarkt? Und wie stark sind die Toiletten allgemein frequentiert?“

Mehrmals täglich werden die Toiletten durch ein externes Unternehmen gereinigt, sagt Wetter. Die Entsorgungsbetriebe führen regelmäßig Kontrollen durch – nicht immer mit einem positiven Ergebnis.

Vandalismus und Verunreinigung: „Das ist des Öfteren ein ärgerliches und kostenintensives Thema“, sagt Wetter. „Wir kümmern uns dann um schnellstmögliche Beseitigung beziehungsweise Reparatur. Schließzeiten sind dann meist unvermeidbar, da oft besondere Ersatzteile bestellt werden müssen.“ Inzwischen haben die Entsorgungsbetriebe sogar schon einen Vorrat an häufig verwendeten Ersatzteilen angeschafft, um nach Vandalismus schneller wieder den Betrieb herstellen zu können.

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Häufig werden auch die Münzautomaten aufgebrochen oder es werde zumindest versucht, denn nicht alle Toiletten sind kostenlos. „Wir lassen diese sehr regelmäßig leeren. Dadurch sind dort nur noch ganz wenige Münzen zu holen.“ Aber auch die Inneneinrichtung werde zerstört, sagt Wetter. „Solche Dinge zeigen wir natürlich an.“

Ab und zu gibt es auch mal Beschwerden von Nutzern. „Allerdings nicht übermäßig viele.“ Diese können dann alle Standorte betreffen – es gibt laut Wetter keine besonders herausstechenden Standorte. Aktuell werde noch geprüft, ob Stadtteile in Lübeck unterversorgt seien.

Eine genaue Summe für die Reparaturen kann Wetter nicht benennen. „Zum Teil nehmen wir diese selbst vor, und zum Teil müssen die Schäden von externen Firmen behoben werden.“ Generell belaufen sich die Kosten für Betrieb und Instandhaltung der öffentlichen Toiletten aber auf etwa 250.000 Euro.

Die Entsorgungsbetriebe haben einen Flyer mit allen Toiletten-Angeboten erstellt: entsorgung.luebeck.de/files/Flyer/flyer_nette_toilette.pdf

LN

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