Lübsee

Erfolgreicher Start für Kirchenretter

Eine Ansicht von oben lässt den Zustand der Kirche in Lübsee erkennen: Vor allem das von Moos bewachsene Chordach ist dringend sanierungsbedürftig.

Eine Ansicht von oben lässt den Zustand der Kirche in Lübsee erkennen: Vor allem das von Moos bewachsene Chordach ist dringend sanierungsbedürftig.

Lübsee. Die Kirche in Lübsee erhalten und sie mit mehr Leben zu erfüllen: Dafür setzt sich der Freundeskreis der Lübseer Kirche ein – und das mit viel Erfolg. Bilanz der Vorsitzenden Andrea Lenschow ein Jahr nach der Gründung: „Heute sind wir 93 Mitglieder und auf unserem Spendenkonto stehen 18 900 Euro.“

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Kirchenretter Lübsee

Interview mit Andrea Lenschow der Vorsitzenden des Freundeskreises der Kirche zu Lübsee (Nordwestmecklenburg).

Zusammengekommen ist die Summe durch Einnahmen bei Konzerten, durch den Verkauf von Kaffee und Kuchen und vor allem durch Spenden. Bisher größter Geldgeber: die Siemens-Stiftung. Ihre Beziehung zur Kirche ist für jeden zu erkennen, der Lübsee besucht. Auf dem Friedhof befindet sich das Grab der Eltern von Werner von Siemens, des Begründers der Elektrotechnik. Sein Vater Christian Ferdinand Siemens übernahm 1823 die Pacht des Staatsgutes im benachbarten Menzendorf. Sohn Werner erlebte in dem idyllisch gelegenen Ort eine unbeschwerte Kindheit. Seine Mutter Eleonore Siemens starb 1839, der Vater ein Jahr später. Werner von Siemens wurde in der Kirche konfirmiert. 1873 spendeten die Siemens-Brüder 5000 Reichstaler für eine neue Kirchenorgel. 120 Jahre später gab die Siemens-Stiftung 10 000 Mark, um das Instrument restaurieren zu lassen.

Mittelalterlicher Bau

Arbeiter bauten die Dorfkirche in Lübsee zwischen 1236 und 1263 im Stil der Romanik mit frühgotischen Elementen. Eine Besonderheit sind die Bemalungen im Inneren. Sie stammen teilweise aus dem 13. Jahrhundert. Als Turm diente seit 1729 eine Holzkonstruktion. 1901 ließ die Kirchgemeinde die wacklige Konstruktion abreißen und einen neuen Turm im Stil der Neogotik aus Backsteinen errichten. Ebenfalls neogotisch ist die Ausstattung der Kirche von 1874. Im selben Jahr baute Friedrich Friese die Orgel. Die Brüder Siemens schenkten der Kirchengemeinde das Instrument im Gedenken an ihre Eltern.

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Andrea Lenschow berichtet: „Am Erhalt unserer Kirche arbeiten wir mit vollem Engagement.“ Die Vorsitzende muss jedoch bedauern: „Leider konnten wir in diesem Jahr noch nicht mit der Sanierung des Daches beginnen, da die Fördermittel des Landkreises nicht bewilligt wurden.“ Eine Folge: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zahlte in diesem Jahr nicht die 15000 Euro aus, die sie zugesagt hat. Das Geld kann erst fließen, wenn die Sanierung beginnt. Von der vorläufigen Absage des Landkreises lassen sich die Kirchenretter von Lübsee aber nicht entmutigen. Sie haben bereits alle Anträge auf Förder- und Stiftungsgelder wieder für das kommende Jahr gestellt. „Und mit Unterstützung der Landeskirche schauen wir hoffnungsvoll auf das 2019“, erläutert Andrea Lenschow. Es habe bereits viele kleine Sanierungen gegeben. Die Vorsitzende berichtet: „Der Hauptweg zur Kirche wurde ausgebessert, die Bänke auf dem Friedhof neu gestrichen und vieles mehr.“

Die zweite Aufgabe, die Kirche mit Leben zu erfüllen, sieht der Freundeskreis in seinem ersten Jahr erfüllt. Zahlreiche Gäste kamen zu Konzerten, Führungen der Museologin Heidemarie Frimodig, einem Filmabend und den Gottesdiensten.

In Zusammenarbeit mit dem Kirchengemeinderat von Sankt Johannes Roggenstorf erstellt der Freundeskreis derzeit eine Internetseite. Die Vorsitzende kündigt an: „Auf dieser Seite kann man dann alles Wissenswerte über die Kirchengemeinde erfahren, vor allem aber auch über unseren Freundeskreis, über unsere Arbeit, Veranstaltungen und so weiter.“ Zudem entstehe gerade ein Informationsblatt mit Texten und Bildern. Andrea Lenschow ergänzt: „Auch haben wir eine bessere Beschilderung der Kirche auf den Weg gebracht.“ Bald würden braune Wegweiser für das Baudenkmal in Lübsee aufgestellt. Dann werde jeder die Kirche finden.

Sven Fanick spielt Orgel

Sven Fanick spielt Orgel. Am 15. Dezember tritt bei einem Adventskonzert in der Kirche in Lübsee auf.

Der Freundeskreis lädt gemeinsam mit dem Verein „Operette in Lübeck“ am Sonnabend, dem 15. Dezember um 14.30 Uhr zu einem Adventskonzert in die Dorfkirche ein. Das Programm unter dem Motto „Alle Jahre wieder“ vereint bekannte Advents- und Weihnachtslieder aus mehreren Jahrhunderten, bringt aber auch eine Reihe von amerikanischen Liedern zu Gehör. Es singen die Sopranistin Franziska Blaß vom Theater Hildesheim und Michael P. Schulz, der Intendant der „Lübecker Sommeroperette“. Klavier und Orgel spielt Sven Fanick. Der Eintritt ist frei. Die Veranstalter bitten um Spenden. Sie kündigen an: „Nach dem Konzert wird Kaffee und Kuchen angeboten“.

Für das kommende Jahr plant der Freundeskreis weitere Veranstaltungen. „Wir haben schon viele Ideen“, sagt Andrea Lenschow. Wer sich für die Gemeinschaft der Kirchen- und Kulturförderer interessiert, kann sich auch an die Kirchengemeinde Sankt Johannes Roggenstorf wenden: Telefon 038824/726, E-Mail roggenstorf-johannes@elkm.

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Einen Mitgliedsbeitrag gibt es im Freundeskreis der Lübseer Kirche nicht. Jeder kann selbst entscheiden, wie viel er geben will. Die Vorsitzende sagt: „Jede Spende hilft uns weiter.“

Jürgen Lenz

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