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Erinnerungen an den 20. Juli 1944

Hitler-Attentat zieht Kreise bis nach Mecklenburg

Bereiten die Fachtagung im Schloss Tressow vor: (v. l.) Dr. Ivo von Trotha, Klaus-Jürgen Ramisch und Michael Kunze vom Förderverein Denkstätte Teehaus Trebbow sowie Historiker Christoph Wunnicke.

Bereiten die Fachtagung im Schloss Tressow vor: (v. l.) Dr. Ivo von Trotha, Klaus-Jürgen Ramisch und Michael Kunze vom Förderverein Denkstätte Teehaus Trebbow sowie Historiker Christoph Wunnicke.

Tressow.Etwas Großes hatte er vor, von dem die ganze Welt sprechen sollte. Seine Frau weihte Fritz-Dietlof von der Schulenburg nicht ein. Am 20. Juli 1944 sollte es so weit sein – dem Tag der Tage in zweierlei Hinsicht für ihn. Zum einen hatte seine Frau Geburtstag, zum anderen sollte Adolf Hitler sterben.

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Beides erlebte er nicht. Der Diktator bekam nur kleine Kratzer ab, als eine Sprengladung im Führerhauptquartier Wolfsschanze (heute Polen) detonierte. Von der Schulenburg war zu der Zeit in Berlin und wurde festgenommen, weil er in die Pläne des Attentats verwickelt war, später ist er hingerichtet worden. „Keine Ahnung sagte mir, es sei das letzte Mal, dass wir uns sehen, und doch musste er daran gedacht haben. Als der Zug vorfuhr, winkte er mir mit stetig erhobenem Arm lange zu“, sagte seine Frau Charlotte über den Tag, als sie ihren Mann in Klein Trebbow das letzte Mal sah – am 18. Juli 1944.

Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg mit seiner Frau Charlotte und ihren Kindern am 18. Juli 1944 in Klein Trebbow

Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg mit seiner Frau Charlotte und ihren Kindern am 18. Juli 1944 in Klein Trebbow

Der Förderverein Denkstätte Teehaus Trebbow hat sich auf die Fahnen geschrieben, an Menschen zu erinnern, die in den Diktaturen in Deutschland Zivilcourage bewiesen und Widerstand geleistet haben. Und Fritz-Dietlof von der Schulenburg war eben einer von ihnen. Er gilt als der bedeutendste Verbindungsmann der Widerstandsbewegung vom 20. Juli 1944.

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Um ihn rankt sich nun eine Fachtagung im Schloss Tressow – dem Ort, an dem er aufgewachsen ist –, die am Sonnabend, dem 8. Juni, stattfindet. Sogar Nachfahren werden erwartet – seine Tochter Charlotte von Steinau-Steinrück und sein Enkel Robert von Steinau-Steinrück.

Tisa von der Schulenburg, die Schwester von Fritz-Dietlof von Schulenburg, mit seinem Enkelsohn Robert von Steinau-Steinrück in Tressow anlässlich eines Besuches im Jahr 1985

Tisa von der Schulenburg, die Schwester von Fritz-Dietlof von Schulenburg, mit seinem Enkelsohn Robert von Steinau-Steinrück in Tressow anlässlich eines Besuches im Jahr 1985

„Aus heutiger Sicht ist es beeindruckend, die vielen Schritte von Fritz-Dietlof von der Schulenburg von der frühen nationalsozialistischen Begeisterung bis zur Hinrichtung in Plötzensee am 8. August 1944 zu verfolgen“, erläutert Ivo von Trotha, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Denkstätte Teehaus Trebbow. In Klein Trebbow haben zu Ostern 1944 vorbereitende Gespräche wichtiger Mitglieder des Widerstands zum Attentatsversuch stattgefunden. „Die Grafen Stauffenberg und von der Schulenburg haben aus Gründen der Vertraulichkeit auch den kleinen Pavillon, genannt ,Teehaus’, genutzt“, berichtet Ivo von Trotha von historisch belegten Sitzungen. Die Denkstätte ist auf Initiative des Fördervereins am 18. Juli 2004 – auf den Tag genau 60 Jahre nachdem Fritz-Dietlof von der Schulenburg nach Berlin reiste und seine Familie zurückließ – eingeweiht worden.

Bis zu seiner Hinrichtung verteidigte Fritz-Dietlof von der Schulenburg seine Pläne: „Wir haben diese Tat auf uns genommen, um Deutschland vor namenlosem Elend zu bewahren. Ich bin mir klar, dass ich daraufhin gehängt werde, bereue meine Tat nicht und hoffe, dass sie ein anderer in einem glücklicheren Augenblick durchführen wird.“

„Uns und viele Historiker fasziniert, dass zahlreiche Menschen von den Plänen wussten. Sie sind gefragt worden, ob sie sich an den Vorbereitungen beteiligen möchten. Viele lehnten ab, aber sie behielten die Pläne für sich“, zeigt sich Klaus-Jürgen Ramisch, Schatzmeister des Fördervereins, beeindruckt. An einen großen Kreis von 2000 Leuten glaubt er. „Deren Loyalität war eher bei denen, die das Attentat planten, als beim Diktator“, so Ramisch.

Am Sonnabend mit Infoständen vor Ort sein werden auch zwei Schulen, die sich mit der Geschichte von Familie von der Schulenburg verbunden fühlen: die Verbundene Regionale Schule und Gymnasium „Tisa von der Schulenburg“ in Dorf Mecklenburg und die Förderschule „Fritz-Dietlof von der Schulenburg“ in Neukloster. Letztgenannte war bis 1999 im Schloss Tressow beherbergt.

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10 Euro kostet die Teilnahme an der Fachtagung, die in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, der Zeit-Stiftung und dem Landkreis veranstaltet wird. Eingeladen sind alle, die Interesse an dem Thema haben. „Vor allem Jugendliche sind willkommen“, verdeutlicht Historiker Christoph Wunnicke aus Schwerin. Seit 2016 entwickelt er gemeinsam mit einem Kollegen im Auftrag des Fördervereins eine zeitgemäße Online-Plattform. „Sie hat die Aufgabe, Informationen zu den unterschiedlichsten kleinen und großen Widerstandsaktivitäten im Dritten Reich und der DDR online zugänglich zu machen“, erklärt Wunnicke.

Anmeldung für die Tagung: 0173/2303860 oder mail@teehaus-trebbow.de.

Das Programm

10 Uhr: Begrüßung

10.10 Uhr: Grußworte der Landtagspräsidentin Birgit Hesse und des stellvertretenden Landrats Mathias Diederich

10.30 Uhr: Vortrag „Der 20. Juli 1944 – Realgeschichte und Wahrnehmung“ von Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin

11.15 Uhr: „Der lange Weg zum Widerstand. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und das Haus Tressow im Nationalsozialismus“ von Prof. Dr. Mario Niemann von der Universität Rostock

12 Uhr: „Das Erbe des Widerstands bewahren – Mein Blick auf Fritz-Dietlof von der Schulenburg“ von Enkel Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück aus Berlin

12.45 Uhr: Imbiss und Führung durch das Schloss Tressow

13.45 Uhr: Prof. Dr. Norbert Schwarte aus Schwerin stellt das Onlinehandbuch „Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern“ vor

15 Uhr: „Warum an den 20. Juli erinnern? – ein kritischer Vortrag von Dr. Tobias Korenke aus Berlin

ab 16 Uhr: Führung zur gräflichen Grabanlage und zum Gedenkstein für Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg

Jana Franke

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