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Hochwasser

BUND warnt vor immer höheren Sturmfluten: Neustadt muss handeln

Stefanie Sudhaus (l.) und Svenja Beilfuß vom BUND Schleswig-Holstein warnen vor den Auswirkungen von Sturmfluten. Eine neue Infotafel sowie eine Pegelmesslatte am Neustädter Strandbad sollen Hintergrundinfos liefern. Es wird befürchtet, dass das Wasser gegen Ende des Jahrhunderts regelmäßig eine Höhe von 2,51 Meter erreichen wird.

Stefanie Sudhaus (l.) und Svenja Beilfuß vom BUND Schleswig-Holstein warnen vor den Auswirkungen von Sturmfluten. Eine neue Infotafel sowie eine Pegelmesslatte am Neustädter Strandbad sollen Hintergrundinfos liefern. Es wird befürchtet, dass das Wasser gegen Ende des Jahrhunderts regelmäßig eine Höhe von 2,51 Meter erreichen wird.

Neustadt. Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer spürbarer. Der Meeresspiegel steigt. Forscher wie Dr. Ingo Sasgen (43), Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven, halten eine Zunahme um 80 Zentimeter in den kommenden 81 Jahren für realistisch. Sturmfluten könnten noch weit höher ausfallen. Ähnlich äußert sich Stefanie Sudhaus, Leiterin des deutsch-dänischen EU-Projekts Undine II. Um aufzuklären, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nun auch in Neustadt eine Infotafel sowie eine Pegelmesslatte aufgestellt.

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Der Meeresspiegel steigt bedrohlich

Klimaforscher gehen von einem Anstieg des Meeresspiegels der Ostsee um 80 Zentimeter innerhalb der nächsten 81 Jahre aus. Betroffen wären demnach große Teile der Insel Fehmarn, der Raum um Großenbrode, der Oldenburger Graben unter anderem mit Grube, Lensterstrand, das Hinterland des Neustädter Binnenwassers sowie die Küstenorte Haffkrug, Scharbeutz und Timmendorfer Strand. Was das Abschmelzen der Polkappen damit zu tun, steht hier.

Letzte Sturmflut ist erst wenige Monate her

Dass die Ostsee über die Ufer tritt, lässt sich auch in Ostholstein regelmäßig beobachten. Zuletzt Anfang Januar dieses Jahres. Sturmtief "Zetje" spülte massenhaft Sand fort, auf Fehmarn waren Haushalte ohne Strom und in Neustadt rissen sich Boote am Binnenwasser los und sanken. Zudem musste in der Europastadt zeitweise die überspülte Hauptverkehrsstraße durch die Stadt gesperrt werden. Da verwundert es nicht, dass seit Jahren über Schutzmaßnahmen diskutiert wird. "Wir haben das erste Fünftel dieses Jahrhunderts hinter uns. Bislang ist wenig passiert. Wir können nicht ewig warten", betont Stefanie Sudhaus.

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Hochwasser in Neustadt am 2. Januar 2019

So war das Hochwasser in Neustadt.

Lage für Pelzerhaken als kritisch eingeschätzt

Neustadts Bauamtsleiterin Antje Weise teilt mit, dass die Stadt bereits vor Jahren ein Hochwasserschutzbauwerk für Pelzerhaken genehmigungsreif planen lassen habe. „Das Projekt wurde dann aber durch die Stadtverordnetenversammlung zurückgestellt“, sagt Weise und ergänzt: „Die Lage wird insbesondere für den Ortsteil Pelzerhaken bei länger anhaltenden Nordoststürmen mit hohen Wasserpegelständen nach wie vor als kritisch eingeschätzt, da die Dünen bei längerem Hochwasser aufweichen können.“

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Stefanie Sudhaus hält es für realistisch, dass die Rettiner Wiesen irgendwann dauerhaft unter Wasser stehen könnten. „Die Sturmfluten im aktuellen Jahrhundert sind höher als die im vorherigen“, sagt sie. Deshalb müsse das Thema Küstenschutz intensiver bearbeitet werden als bisher. Fragen nach der Einrichtung von Überschwemmungsgebieten, dem Erhalt der flachen Strände sowie einer möglichst naturverträglichen Umsetzung stünden an.

BUND ruft zum Handeln auf

Der BUND warnt in Neustadt vor immer höheren Sturmfluten.

Stefanie Sudhaus vom BUND erläutert, wie sich der Wasserpegel in den kommenden Jahren verändern wird und warum die Stadt jetzt reagieren muss.

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Positive und negative Effekte einer Sturmflut

Um mehr Menschen für das Thema Sturmflut zu sensibilisieren, wurden mit Hilfe von EU-Mitteln aus dem Interreg-Projekt Undine II außer in Neustadt auch in Eckernförde sowie auf der dänischen Insel Møn Infotafeln installiert. Sudhaus betont, dass eine Sturmflut nicht immer negativ sei – insbesondere nicht für das Ökosystem. Sauerstoffreiche Schichten und sauerstoffarme Schichten würden durchmischt. Passiere dies nicht, könne es zu einem Fischsterben kommen.

Jedoch könnten Sturmfluten ein für Menschen durchaus bedrohliches Ereignis sein. „Sturmfluten verändern sich. Sie kommen öfter“, warnt Stefanie Sudhaus. Hinzu komme, dass sie in Zukunft deutlich höher ausfallen dürften. „Schwere Sturmfluten sind dann die Regel. Deshalb wollen wir sichtbar machen, wie hoch der Wasserstand werden könnte“, sagt sie und zeigt auf die Pegelmesslatte.

Neustadt will Hochwasserschutz erneut diskutieren

Doch auch in Neustadt tut sich etwas. Laut Antje Weise soll es aufgrund der prognostizierten höheren Meeresspiegelstände eine erneute Diskussion über die Notwendigkeit eines Hochwasserschutzbauwerks geben. Aus diesem Grund finde am 26. Juni eine öffentliche Sondersitzung des Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses mit dem Tourismusausschuss statt. Als Gast wird ein in Sachen Hochwasserschutz kompetenter Vertreter des Landesbetriebes für Küstenschutz erwartet. Die Veranstaltung im Haus des Gastes in Pelzerhaken beginnt um 19.30 Uhr.

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Das macht Neustadt

Neustadts Bauamtsleiterin Antje Weise erläutert, dass die Stadt bereits jetzt in puncto Hochwasserschutz aktiv ist. Demnach werde seit vielen Jahren darauf geachtet, dass in Bebauungsplänen, die in Küstennähe unterhalb von 3,50 Meter über Normalnull liegen würden, die Fußbodenhöhen der Schlafräume mindestens auf 3,50 Meter über Normalnull festgesetzt und gebaut würden. „Weiterhin werden die natürlichen und zum Teil bereits von Menschenhand verstärkten Dünenwälle und Uferbefestigungen regelmäßig nach Hochwasserereignissen überprüft und instand gesetzt“, sagt Weise. Die Schwachpunkte der Dünendurchgänge würden im Winter und vor Hochwasserereignissen mit Sandsäcken, im Bereich massiver Schutzwände mit Holzbohlen verschlossen.

Sebastian Rosenkötter

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