Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Eutin

EU besiegelt das Aus für Rettungsflieger-Landeplatz

Die Rotorblätter von „Christoph 12“ hatten bei Landungen und Starts den maroden Dachbelag des Klinikgebäudes aufgewirbelt. Nun geht‘s zur Hubertushöhe.

Die Rotorblätter von „Christoph 12“ hatten bei Landungen und Starts den maroden Dachbelag des Klinikgebäudes aufgewirbelt. Nun geht‘s zur Hubertushöhe.

Eutin.Es sollte ganz modern werden, das neue Kreiskrankenhaus Eutin. Als es vor gut elf Jahren in Betrieb genommen wurde, ahnte niemand, dass ein wichtiges Detail der heutigen Sana-Klinik wenig später nicht genutzt werden durfte: Der Landeplatz für den Rettungshubschrauber genügt den neuen EU-Richtlinien nicht mehr — und wird wohl auch nie wieder einsatzbereit sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Anfang an stand das Thema Hubschrauber-Landeplatz unter keinem guten Stern. Bei der Bauabnahme nach Fertigstellung bemerkten die Fachleute nicht, dass das beauftragte Unternehmen eine falsche Legierung für den Boden verwendet hatte: Bald stellten die Piloten des Rettungshubschraubers „Christoph 12“ fest, dass sie mit dem Rotor ihres Helikopters kleine Brocken des Untergrundes aufwirbelten.

Die Gewährleistungsfrist war schon abgelaufen, als das Problem akut wurde, und auch eine Sanierung nicht so ohne Weiteres möglich: Bei jedem Eingriff in die Substanz eines solchen Landeplatzes muss das Luftfahrtbundesamt mit ins Boot geholt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Außerdem verliert der Platz seinen Bestandsschutz, sobald man ihn anfasst“, berichtet Dr. Barbara Kempe, Sprecherin der Sana-Klinik Eutin. „Die Bearbeitung eines neuen Antrags dauert anderthalb bis zwei Jahre, und es half letzten Endes auch nicht, dass man unseren von Platz 19 auf Platz 14 legte: Irgendwann war klar, dass unser Landeplatz nicht EU-konform und somit nicht genehmigungsfähig war.“

Nach LN-Informationen sehen die neuen Bestimmungen vor, dass ein Anflugwinkel von vier Grad über das Niveau der Plattform hinaus nicht erlaubt ist. Barbara Kempe: „Das ist hier in Eutin überhaupt nicht zu realisieren, allein schon wegen der unter Schutz stehenden hohen Bäume.“

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die wichtigste: Der Rettungshubschrauber wird nur äußerst selten eingesetzt, um Patienten oder Unfallopfer direkt in eine Klinik zu transportieren. Die Maschine dient vielmehr in erster Linie dazu, einen Notarzt so schnell wie möglich zum Einsatzort zu bringen. Die Sprecherin der Sana-Klinik betont: „Die Ärzte befördern die Patienten in der Regel lieber im geräumigen Rettungswagen, weil sie dort viel mehr Platz haben und zur Behandlung an alle Stellen des menschlichen Körpers herankommen. Der Hubschrauber holt den Arzt dann am jeweiligen Krankenhaus wieder ab.“

Um dennoch Anflüge der Eutiner Klinik mit Patienten oder ohne zu gewährleisten, besteht zwischen der Luftrettung und der Landespolizei die Abmachung, dass der Hubschrauber gegebenenfalls auf dem Gelände der Polizeidirektion auf der Eutiner Hubertushöhe landen und starten darf. Kempe: „Unter dem Strich können wir sagen, dass die Patientenversorgung durch den Wegfall unserer Landeplattform keinen Nachteil erleidet.“

Nach Einschätzung der Sana-Sprecherin kommen auf sehr viele Kliniken in Deutschland riesige Investitionen zu, wenn sie denn auch in Zukunft auf eine Helikopterfläche nicht verzichten wollen:

„Fachleute gehen von Kosten von jeweils sechs bis acht Millionen Euro aus, wenn man denn die Vorgaben der EU erfüllen will.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager bedauerte die eingetretene Entwicklung: "Trotz der erfreulicherweise gefundenen Lösung mit der Landespolizei halte ich es auf jeden Fall für besser, wenn ein Rettungshubschrauber seine Patienten direkt an einer Klinik abliefern kann — auch wenn es nur selten vorkommt. Und ein zweiter unerfreulicher Aspekt der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass hier sehr viel Geld ausgegeben worden ist, das man sehr viel sinnvoller hätte verwenden können." Kommentar Seite 12

Eckhard Meier

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.