Verkehr

Eutin plant größere Parkplätze für Lastenfahrräder

Rund 2,40 Meter misst das Lastenfahrrad von Martha Wendel, hier mit ihren Söhnen Gustav und Wolfgang. Über einen regulären Fahrradbügel ragt es hinaus.

Rund 2,40 Meter misst das Lastenfahrrad von Martha Wendel, hier mit ihren Söhnen Gustav und Wolfgang. Über einen regulären Fahrradbügel ragt es hinaus.

Eutin. Mal werden die Kinder darin kutschiert, mal die Einkäufe transportiert: Lastenfahrräder sind auf den Straßen immer häufiger zu sehen. Auch in Eutin werden sie zunehmend beliebter. In der Stadt soll jetzt ein zentrumsnaher Parkplatz für Lastenräder angelegt werden. Ins Auge gefasst ist eine Fläche in der Lübecker Straße, neben dem jetzigen Fahrrad-Stellplatz.

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Große Fürsprecher sind erwartungsgemäß die Grünen. Sie halte einen solchen Parkplatz für ausgesprochen sinnvoll und beobachte immer mehr Lastenräder in der Stadt, sagte ihre Fraktionsvorsitzende Monika Obieray im Bauausschuss. Auch das gemeinnützige Unternehmen Die Ostholsteiner hätte eines, auf das vorne ein Rollstuhl montiert werden könne. Da Lastenfahrräder länger als normale Räder seien, bräuchten sie auch mehr Raum zum Rangieren, gab Obieray zu bedenken, die auch einen Parkplatz am Stadtgraben gutheißen würde. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir unser Radsystem darum erweitern“, befand die Grünen-Politikerin.

Parkplatz für Lastenräder: Argumente dafür und dagegen

Christian Schulz (FDP) und Stephan Langer (Freie Wähler) zeigten sich von eigens zu schaffenden zentralen Parkplätzen nicht überzeugt. „Die meisten Lastenräder sind mit einem Ständer ausgerüstet, werden direkt bis vor ein Geschäft mitgeführt und dort abgeschlossen“, so ihre Argumentation. „Wie auf der Einwohnerversammlung zu erleben war, ist der Wunsch nach diesen Flächen vorhanden“, sagte Marcel Kriwet (CDU). Sein Fraktionschef Matthias Rachfahl warnte davor, „destruktiv zu sein und gleich alles zu beerdigen“. Die Empfehlung des Mobilitätsbeirats wird daher aufgenommen und umgesetzt.

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Was sagen Nutzer von Lastenrädern?

Für den Eutiner Architekten Kai Schluck ist ein Parkplatz für Lastenräder „als zusätzliches Angebot eine super Sache“. Für viele Lasten- und Dreiradfahrer stelle es derzeit ein Problem dar, ihr Gefährt vernünftig abzustellen. Ein eigener Parkplatz, zumal in der Lübecker Straße vor dem Café de Büx (den Standort favorisiert die Verwaltung, weil die Lübecker Straße ohnehin saniert wird) , könne gerade an Markttagen von Vorteil sein – Einkäufe müssten nicht weit getragen werden, sagt Schluck. Er halte ihn zudem für praktisch, wenn man mit Kindern unterwegs ist, sie müssten mal an- oder ausgezogen werden, „das geht besser, wenn man mehr Stellfläche hat und sich ausbreiten kann“.

So könnte der neue Parkplatz für Lastenfahrräder in der Lübecker Straße in Eutin künftig beschriftet sein.

So könnte der neue Parkplatz für Lastenfahrräder in der Lübecker Straße in Eutin künftig beschriftet sein.

In Eutin mit dem Auto zu fahren, findet Kai Schluck „lächerlich. Mit dem Fahrrad kommt man hier besser klar.“ Seine Familie habe sich das Lastenrad quasi als Zweitwagen zugelegt, sagt er. Er könne eine Tasche in die Box packen, sie bleibe bei Regen trocken, ebenso könne er eine Kiste Leergut einladen. „Das Rad gibt Freiheit, und mit einem E-betriebenen Lastenrad ist man schneller und schweißfreier unterwegs.“

Lastenfahrrad: Transportmittel für fünf Kinder

Martha Wendel und ihr Mann Hans Jonas haben sich 2012 – kurz vor ihrem Umzug nach Eutin – ein Lastenfahrrad angeschafft. „Da haben wir in Greifswald studiert, hatten unser erstes Kind, und der Weg zur Kita war sehr lang“, berichtet die inzwischen fünffache Mutter. Das Rad habe ihren Alltag damals „unglaublich erleichtert“. In Eutin sei sie anfangs mit dem Rad „ein Exot“ gewesen. „Ich bin fast täglich darauf angesprochen worden, die Leute waren sehr interessiert“, sagt sie.

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In die Box eines Lastenrades passt allerlei hinein: Gustav (2) kann sogar sein Laufrad mitnehmen.

In die Box eines Lastenrades passt allerlei hinein: Gustav (2) kann sogar sein Laufrad mitnehmen.

Martha Wendel würde ihr Lastenfahrrad demnächst gern in eines mit Elektroantrieb umtauschen, „aber das diskutieren wir zuhause noch“, sagt sie. Die Anschaffung liege immerhin bei ein paar tausend Euro. Fährt sie in die Stadt, stellt sie ihr Rad vor dem Geschäft ab, in dem sie etwas zu erledigen hat. Den künftigen Parkplatz für Lastenräder in der Lübecker Straße hält sie für „Symbolpolitik. Ich wünsche mir für Radfahrer in Eutin viel mehr“, sagt sie.

Fahrrad-Initiative lobt Extra-Parkplatz

Die Initiative Fahrradfreundliches Eutin macht sich seit langem für die Belange der Radfahrer in der Stadt stark. Sprecher Jens Rose-Zeuner besitzt seit rund zehn Jahren ein Lastenrad, „das mal als Zweitwagen, mal als kompletter Autoersatz dient“. Nach seinen Beobachtungen gibt es in Eutin mehr als 20 Lastenräder „aus der gesamten Modellpalette, zunehmend solche mit drei Rädern“. Ein Extra-Parkplatz sei eine gute Idee. „Die langen Lastenräder mit 2,40 Metern Länge passen nicht in die Käfige am Bahnhof. An Fahrradständern blockieren sie zwei Bügel auf einmal oder ragen vor. Die Dreiräder wiederum mit fast einem Meter Breite machen den Raum zwischen den Bügelreihen eng.“

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