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Unterstützung für Abhängige

Zwischen Neustadt und Fehmarn: Suchthilfe startet digitales Angebot

Die Suchthilfe ATS Ostholstein hat ab sofort auch ein digitales Angebot für Menschen mit Suchterkrankungen.

Die Suchthilfe ATS Ostholstein hat ab sofort auch ein digitales Angebot für Menschen mit Suchterkrankungen.

Ostholstein. Ob Begleitung, Beratung, Therapie, Vermittlung und Hilfe in Krisensituationen oder auch Präventionsarbeit in Schulen, Betrieben und Sportvereinen: Das Diakonie-Angebot der Suchthilfe ATS (Ambulante und Teilstationäre Suchthilfe) ist für Betroffene, deren Angehörige und Freunde zwischen Neustadt und Fehmarn bereits sehr umfangreich. Jetzt soll die Hilfe ausgeweitet werden.

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Neustadt bis Fehmarn: Digitale Suchthilfe startet

„Wir suchen die Menschen auch im letzten Winkel auf“, erklärt Roman Schiller. Der Regionalleiter und seine 13 Mitarbeiter mit Standorten in Neustadt, Oldenburg, Heiligenhafen und auf Fehmarn haben ein enges Netz gespannt für abhängige Menschen, die Hilfe suchen. Bisher aber nur analog – jetzt soll die Hilfe auch digital erfolgen. „Wir schaffen einen Zugang für Menschen, die wir bisher nicht erreichen konnten“, sagt Petra Flick, Teamleiterin in Heiligenhafen.

Dafür haben sich vier Mitarbeiter zu digitalen Suchtberatern ausbilden lassen. Laptops wurden angeschafft. Qualifizierung und Ausrüstung hat das Land bezahlt. Kommuniziert wird per Zoom – wenn gewünscht anonym, mit oder ohne Video.

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Suchthilfe ATS Ostholstein: Alexandra Krißbach an ihrem Arbeitsplatz. Sie ist digitale Suchtberaterin.

Suchthilfe ATS Ostholstein: Alexandra Krißbach an ihrem Arbeitsplatz. Sie ist digitale Suchtberaterin.

So funktioniert die digitale Suchthilfe in Ostholstein

Das neue niedrigschwellige Angebot soll insbesondere die Kontaktaufnahme, den ersten Informationsaustausch und den Aufbau einer tragfähigen Beziehung zwischen Berater und Erkrankten erleichtern. Hilfesuchende können sich unter www.suchtberatung-sh.de nach Eingabe ihrer Postleitzahl einloggen für den digitalen Erstkontakt. Auch die digitale Beratung unterliegt der gesetzlichen Schweigepflicht und ist kostenlos.

Das sind die Vorteile der digitalen Suchthilfe

„Wir hoffen darauf, dass die Einsicht, Hilfe anzunehmen, früher einsetzt“, sagt Schiller. Noch immer, erklärt der Regionalleiter, sei die Anerkennung und Offenbarung eines Suchtproblems eine große Hürde, verbunden mit Scham, Selbstvorwürfen sowie Angst vor Ächtung und Stigmatisierung. „Das erschwert den Gang in die Beratung. Ein Problem, das die digitale Suchthilfe umschifft“, weiß Schiller.

Suchthilfe ATS Ostholstein: Petra Flick (v. l.), Michael Schröder, Alexandra Krißbach und Arne Riedel haben sich zu digitalen Suchtberatern ausbilden lassen.

Suchthilfe ATS Ostholstein: Petra Flick (v. l.), Michael Schröder, Alexandra Krißbach und Arne Riedel haben sich zu digitalen Suchtberatern ausbilden lassen.

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Die ATS sieht zudem weitere Vorteile. „Die Erreichbarkeit in Regionen mit einem weniger engmaschigen öffentlichen Nahverkehr ist ein entscheidender Faktor. Nicht alle, die wollen, können zu uns kommen“, sagt Mitarbeiterin Alexandra Krißbach und ergänzt: Auch für Kinder und Jugendliche, die „sowieso digital unterwegs sind“, eröffne sich ein neuer Beratungszugang, wenn beispielsweise Eltern erkrankt seien.

Die Suchthilfe in Zahlen

2022 führte die ATS 365 Suchtberatungen durch. 55 Personen haben zu Hause durch Sozialpädagogen Hilfe erhalten. Neun Erkrankte wurden in der ambulanten RTS-Suchtreha durch Therapeuten behandelt. Im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes suchte die ATS im vergangenen Jahr fünf Menschen zur Krisenintervention auf. Zudem sind 145 Veranstaltungen in Schulen und Einrichtungen des Kreises durchgeführt worden sowie 186 Schulsprechstunden.

Ostholstein: Digitale Suchthilfe als Ergänzung zur Präsenz

Während die digitale Suchthilfe im Norden Ostholsteins mit einer sechsmonatigen Einführungsphase plane, „damit sich alles zurecht ruckelt“, wie Schiller sagt, setze das Angebot auch bei Betroffenen eine gewisse technische Affinität voraus. Zudem schaffe die Registrierung – wenn auch nicht notwendigerweise mit Klarnamen – wiederum eine andere Form der Barriere.

Zumal die Suchthelfer betonen: Die digitale Beratung ersetzt nicht die Beratung in Präsenz. „Für die Berater und Therapeuten der ATS ist es besonders wichtig, die gemeinsame Problembearbeitung auch weiterhin von Angesicht zu Angesicht führen zu können“, erzählt Schiller. Entscheidend sei deshalb, das richtige Medium für Suchtberater und Klienten zu finden, verdeutlicht der Regionalleiter. Wobei das letzte Wort die hilfesuchende Person habe.

LN

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