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Fehmarn

Fluchtziel Fehmarn — ein Drama in der Ostsee

Dorit Linke schrieb „Jenseits der blauen Grenze“.

Dorit Linke schrieb „Jenseits der blauen Grenze“.

Fehmarn. Ihr gemeinsames Ziel ist die Insel Fehmarn. Hanna und Andreas, 17 Jahre jung, träumen von der Freiheit im Westen. Daheim in der DDR haben sie sich durch einen dummen Streich alle Chancen „verbockt“. Kein Studium, kein Wunschberuf, ständig Repressalien. Ihnen bleibt nur die Flucht über die Ostsee. Ein waghalsiges Unternehmen. Und Stoff für einen lesenswerten Jugendroman.

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Autorin Dorit Linke war 18 Jahre jung, als die Mauer fiel. „Jenseits der blauen Grenze“ ist ihr erster Roman. Er nähert sich ganz behutsam und ohne Sensationslust einer beklemmenden Realität. In der Roman-Wirklichkeit ebenso wie in der historischen. Denn die Geschichte von Hanna und Andreas spielt ausgerechnet im Sommer jenes Wendejahres, das in diesen Tagen in Deutschland gefeiert wird.

Doch von all dem ahnen beide (fast) noch nichts. Der Mauerfall — für sie überhaupt kein Thema. Ein einziges Mal fällt die Forderung „Die Mauer muss weg.“ Oder auch der Zwischenruf: „Gorbi, Gorbi...“

Als sie verbotenerweise zum Eurythmics-Konzert nach Berlin reisen, aber von wild um sich herumschlagenden Vopos daran gehindert werden. Ein Desaster — auch für weitere Familienangehörige, die jäh in den „konterrevolutionären“ Zwischenfall hineingezogen werden. Und ein entscheidender Mosaikstein dafür, dass das Fluchtziel Fehmarn immer näher rückt.

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Tatsächlich — sie wagen es. In Kühlungsborn beginnt ihr minutiös vorbereiteter Fluchtthriller. „50 Kilometer bis nach Fehmarn. Das ist echt weit“, sinniert Hanna. Und rechnet insgeheim nach: Wenn die Strömung mitspielt, könnten sie es in 25 Stunden schaffen. Wenn...

Nur ein dünnes Seil verbindet ihre und Andreas‘ Handgelenke. Es soll sie vor der lebensgefährlichen Einsamkeit in der Ostsee retten, ihrem Ziel Fehmarn näherbringen. Daran halten sie fest, als sie sich — total entkräftet — auf eine Fahrwassertonne retten. Und doch keine andere Chance haben, als Richtung Fehmarn weiterzuschwimmen. Denn das Schiff, das sie passiert, ist ein polnisches. Damit wächst die doppelte Angst. Dass sie mitten in der Ostsee unentdeckt bleiben und ertrinken. Oder dass der Skipper sie im Heimathafen meldet. Mit ebenfalls unabsehbaren Folgen.

Dorit Linke gelingt es, die Rückblenden in die manchmal urkomische DDR-Realität, den Überlebenskampf mitten in der Ostsee und den Traum vom Neuanfang auf Fehmarn unaufdringlich miteinander zu verweben. Hanna sinniert noch einmal: „Die Ostsee ist nicht blau. Sie ist ein graues Nichts, ein ewiges Rauschen, das mich umgibt.“ Irgendwann ist es egal, ob sie überhaupt auf Fehmarn landen — oder womöglich bis Dänemark schwimmen müssen. Bis am Horizont die Sundbrücke auftaucht. Die Rettung? Es bleibt spannend.

Gerd-J. Schwennsen

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