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Transporte an die Grenze

Große Hilfsaktion für die Ukraine: Spendenbereitschaft in Ostholstein ist riesig

Ula Pastusiak, Alina Tamm, Yvonne Grube und Lebensgefährte Paulo (v. l.) sortieren die Kisten für die Hilfstransporte.

Ula Pastusiak, Alina Tamm, Yvonne Grube und Lebensgefährte Paulo (v. l.) sortieren die Kisten für die Hilfstransporte.

Bad Schwartau.Die Welle der Hilfsbereitschaft ist riesig. Seit Yvonne Grube von der Salzoase in Bad Schwartau einen Spendenaufruf im Internet gepostet hat, steht ihre Welt Kopf. Ihr Telefon klingelt unermüdlich, minütlich kommen Menschen mit Taschen in den Händen, Schlafsäcken unterm Arm oder Autos voller Kisten. Sie alle wollen helfen – und die Flüchtlinge aus der Ukraine unterstützen.

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„Berührend, einfach nur tief berührend“, sagt Yvonne Grube. Sie findet nicht viele Worte für das, was in Bad Schwartau gerade passiert. Wenige Tage nach dem Aufruf füllen die Spenden nicht nur den Wintergarten der Salzoase, sondern auch den Hof, auf dem mittlerweile ein Zelt aufgebaut wurde. Fremde Menschen kommen und laden nicht nur die Spenden ab. „Sie helfen auch einfach so“, erzählt Grube unter Tränen. „Gestern war ein Mann aus der Ukraine hier. Er hat kein Wort gesprochen, aber den ganzen Tag geholfen.“ Die ­54-Jährige weiß nicht viel über den Mann. „Aber er wird jetzt sogar einen der Transporte begleiten“, sagt sie.

Der erste Hilfstransport ist schon in Richtung Ukraine gestartet

Denn die Spenden, die in Bad Schwartau gesammelt werden, sollen an der polnisch-ukrainischen Grenze an die Kriegsflüchtlinge übergeben werden. Der erste Transport ist bereits unterwegs. „Wir werden ab sofort täglich fahren. Wahrscheinlich bekommen wir sogar einen Lkw“, erzählt die Organisatorin.

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Zunächst geht es für die Helfer zu Yvonne Grubes Bruder nach Polen. Die Familie stammt von dort. „Ich komme aus Danzig und bin 1980 nach Deutschland gekommen“, erzählt Yvonne Grube. „Mein Bruder ist mittlerweile zurückgegangen nach Polen.“ Er lebt in Włodawa, unweit der Grenze zur Ukraine, und bekommt hautnah mit, was der Krieg für die Menschen vor Ort bedeutet. „Nachts können sie dort nicht schlafen, weil die Militärflugzeuge über den Ort fliegen“, erzählt die 54-Jährige.

Stockelsdorfer sammelt 5000 Euro

Der Stockelsdorfer Philip Schlaffer hat in einem Youtube-Video einen Spendenaufruf gestartet. „Innerhalb von zehn Stunden sind 5000 Euro zusammengekommen“, erzählt er. „Davon wollen wir unter anderem Technik wie Powerbanks besorgen, damit die Kommunikation der Flüchtlinge mit ihren Familien gesichert ist.“ Außerdem unterstützt Aldi das Projekt des Stockelsdorfers. Dort dürfen die Helfer für 1000 Euro einkaufen. „Wir werden vor allem Babysachen besorgen“, erzählt Schlaffer. Die Spenden sollen dann an die Feuerwehr übergeben werden, die einen Hilfstransport organisiert.

Auch die ersten Flüchtlinge sind mittlerweile in Włodawa angekommen. Zwei Familien hat der Bruder von Yvonne Grube bereits aufgenommen. „Er hat vor einigen Jahren ein Feriendorf gebaut, aber nicht alle Hütten sind beheizt. Wir versuchen aktuell mobile Heizungen zu organisieren, damit er mehr Flüchtlinge aufnehmen kann.“

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Haltbare Nahrung wird gebraucht

Die 54-Jährige packt derweil in Bad Schwartau mit an. Was an der Salzoase ankommt, wird vorsortiert und kartonweise verpackt. „Wir benötigen vor allem haltbare Nahrung“, erzählt Grube. „Außerdem Medikamente wie Schmerzmittel sowie Schlafsäcke und Isomatten.“ Die würden nicht nur dringend für die Flüchtlinge selbst gebraucht. „Auch die Soldaten, die an der Grenze helfen, benötigen Isomatten, das habe ich heute gerade von dort gehört“, erzählt die 54-Jährige.

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Yvonne Grube koordiniert die große Hilfsaktion in Bad Schwartau.

Yvonne Grube koordiniert die große Hilfsaktion in Bad Schwartau.

Anfangs wollte Grube kein Geld annehmen, doch mittlerweile hat das Ganze eine solche Dimension angenommen, dass auch finanzielle Spenden willkommen sind. „Meine Nachbarin hat mir 500 Euro gegeben, davon habe ich Astronautennahrung in Polen bestellen lassen, weil sie dort viel günstiger ist“, erzählt Yvonne Grube. „Auch Tankgutscheine für die Transporte können wir gut gebrauchen, am liebten von der Star-Tankstelle, weil die in Polen sehr verbreitet ist.“

Timur Kaya vom Zentrallabor Lübeck (l.) bringt einen ganzen Wagen voller Spenden. Norbert Sonntag hilft spontan beim Ausladen.

Timur Kaya vom Zentrallabor Lübeck (l.) bringt einen ganzen Wagen voller Spenden. Norbert Sonntag hilft spontan beim Ausladen.

Hilfe gibt es von allen Seiten. Fremde bieten an, dass sie die Fahrten an die Grenze übernehmen können, das Bad Schwartauer Geschäft Skan-Form spendet Kinderschuhe, und die Möbelspedition Akelbein hat kostenlos Umzugskartons zur Verfügung gestellt. Weil die räumlichen Kapazitäten an der Salzoase bereits gesprengt sind, wurden bereits zwei weitere Annahmestationen in Bad Schwartau eröffnet.

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Hilfe vor Ort

Diese Spenden werden benötigt

Zwei weitere Annahmestellen für Spenden in Bad Schwartau

Im Gemeindehaus der Rensefelder Kirche können mittwochs, donnerstags und freitags von 10 bis 16 Uhr und sonnabends von 10 bis 18 Uhr Spenden abgegeben werden. Außerdem steht auf dem Schulhof der Beruflichen Schule des Kreises in der Ludwig-Jahn-Straße ein Zelt, in dem bis Sonnabend, 5. März, jeweils von 8 bis 16.30 Uhr Spenden gesammelt werden. Auch die Salzoase bleibt von 10 bis 18 Uhr Anlaufstelle. „Gebraucht werden außerdem kräftige Männer, die beim Tragen helfen“, sagt Grube. Sie ist unter der Telefonnummer 04 51/389 45 25 erreichbar.

Von Maike Wegner

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