Hilfe im Advent

Lebensmittel und Kleidung: Wie die Tafel einer Eutiner Familie hilft

Ihre Söhne Roman, Michail und Daniil (v. l.) hoffen, dass in den Lebensmitteltaschen, die Mama Olga mitgebracht hat, auch etwas zu naschen enthalten ist, zum Beispiel Überraschungseier. Vater Valerij schaut seiner Familie beim Auspacken zu.

Ihre Söhne Roman, Michail und Daniil (v. l.) hoffen, dass in den Lebensmitteltaschen, die Mama Olga mitgebracht hat, auch etwas zu naschen enthalten ist, zum Beispiel Überraschungseier. Vater Valerij schaut seiner Familie beim Auspacken zu.

Eutin. Familie Freint gehört zu den Freitagskunden. Immer am Freitagnachmittag, zwischen 15 und 15.30 Uhr, holen Valerij oder Olga Freint, gelegentlich auch beide, ihre Ration Lebensmittel bei der Eutiner Tafel ab. Eine große schwarze Kiste, versehen mit einem Kärtchen „Freint, 5 Personen“ steht für sie bereit. Das Ehepaar hat fünf Kinder, drei leben noch im Elternhaus. Für die Familie ist diese Unterstützung durch die Tafel sehr wichtig. „Anderenfalls wäre es schwer für uns“, sagt Valerij Freint (52).

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Seit 2012 bezieht die Familie Lebensmittel über die Tafel. „Damals waren die Zwillinge gerade geboren, und ich konnte nicht ganztags arbeiten“, erzählt Olga Freint (52). Sie ist Schneiderin und führt mit ihrem Mann ein kleines Geschäft in Eutin. Sie näht, Valerij, eigentlich von Haus aus Bauingenieur, wäscht und bügelt.

Viel vom Einkommen geht für Lebensmittel drauf

Die Zwillinge Michail und Daniil sind inzwischen neun Jahre alt, Bruder Roman ist zwei Jahre jünger. Die aufgeweckten Burschen spielen Fußball und essen laut Mutter Olga „ohne Ende. Und ich koche ohne Ende“. Das Budget für Lebensmittel belastet die Familie. Am Sonnabend werde ein Großeinkauf für rund 100 Euro getätigt, an den weiteren Wochentagen würden ebenfalls jeweils 20 Euro für Einkäufe fällig, berichtet Valerij Freint. Macht im Monat mindestens 800 Euro.

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„Die Tafel ist ein Geschenk für uns“

„Wir brauchen die Hilfe der Tafel. Dorthin gehen wir, so lange wir dürfen“, sagt der Familienvater. Anfang des Jahres müssten die Tafel-Kunden Verdienstbescheinigungen vorlegen. Auch wer Wohngeld wie sie beziehe, sei berechtigt, die Leistung der Tafel in Anspruch zu nehmen, erklärt er. Er kenne viele, die auf einen Tafelplatz warteten. „Wir haben damals auch ein paar Monate gewartet“, sagt seine Frau. „Für uns ist es ein Geschenk, dass wir dorthin kommen können“, sagt ihr Mann.

Olga Freint ist „Freitagskundin“: Sie holt immer freitagnachmittags Lebensmittelspenden von der Tafel ab.

Olga Freint ist „Freitagskundin“: Sie holt immer freitagnachmittags Lebensmittelspenden von der Tafel ab.

Am Freitag des LN-Besuchs hat Olga Freint den Inhalt ihrer Tafelkiste in drei Tüten umgepackt und nach Hause gefahren. Sie stehen in der Küche, die drei Jungen helfen beim Aus- und Einräumen und schauen gespannt, was diesmal dabei ist. Daniil, Michail und Roman fördern Salat, Möhren, Rote Bete, Champignons, Tomaten, Lauchzwiebeln, Bananen und Mandarinen zutage. Auch Sirup und Kabanossi werden ausgepackt, selbst ein Stück Schweinenackenbraten ist zur Freude von Olga dabei.

Die Spendenaktion – „Hilfe im Advent“

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für Menschen stark, die es in diesem Winter besonders schwer haben. Unter dem Motto „Essen, Wärme, Licht – LN-Leser sammeln für die Tafeln“ stellen die LN in der Adventszeit Initiativen vor, die versuchen, die Not bedürftiger Menschen so gut es geht zu lindern.

Mithilfe der Lübecker Freiwilligenagentur werden die Spenden gesammelt und anschließend an die Tafeln vor Ort in Bad Schwartau, Eutin, Ahrensbök, Heiligenhafen, Oldenburg, Fehmarn und Neustadt verteilt.

Hier können Sie spenden:

Empfänger: ePunkt e.V. - Hilfe im Advent Ostholstein

Iban: DE98 2135 2240 0187 8353 01

BIC: NOLADE21HOL

Bank: Sparkasse Holstein

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

„Ich koche immer selbst“, sagt sie. Viele Gerichte aus ihrer und Valerijs Heimat – Russland und Kasachstan – bestehen aus Teig und Fleisch. Für die Kinder seien aber auch Obst und Gemüse wichtig, betont ihre Mutter. Daher sind die Eltern dankbar über die Spenden, die sie bei der Tafel erhalten. Im Garten haben die Freints einen Apfel- und einen Birnbaum, Johannisbeer- und Himbeersträucher sowie Erdbeeren. „Daraus mache ich Saft. Wir kaufen nur Wasser“, sagt Olga Freint. Cola gibt es höchstens einmal zu Geburtstagen: „Sie ist teuer und ungesund“, sagt die Mutter. Dass ihre Kinder eine gute Ernährung haben, ist den Eltern ein Anliegen. „Wir achten darauf, dass sie eher Obst als Süßigkeiten zu sich nehmen“, sagt Valerij Freint.

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Spenden für die Eutiner Tafel warten in den Räumen am Hochkamp darauf, für die Kunden sortiert zu werden.

Spenden für die Eutiner Tafel warten in den Räumen am Hochkamp darauf, für die Kunden sortiert zu werden.

Aber natürlich sind die drei Jungen auf Süßes und auf Fast Food versessen wie alle anderen Kinder auch. „Kuchen, Muffins, Pizza, Burger, Pommes“ zählt Roman seine Favoriten auf. Daniil liebt Überraschungseier, Michail Würstchen und Pizza. Aus dieser Liste ist allerdings seltener etwas in den Tafelkisten. Zuweilen gibt es Blumen. Olga Freint zeigt auf eine prächtig blühende rosafarbene Orchidee auf der Fensterbank.

Immer mehr Kunden brauchen die Hilfe der Tafel

Selbst Bekleidung, neuwertig oder gebraucht, können sich Kunden der Tafel in der Ausgabestelle am Hochkamp mitnehmen. „Pullover, Hosen, Schuhe für die Jungs. Sie wachsen so schnell. Kleidung für drei Kinder kann man nicht bezahlen“, sagt Valerij.

Dass die Zeiten auch für die Tafel schwieriger geworden sind, haben die Freints längst gemerkt. „Früher konnte man in der Ausgabestelle herumgehen und sich Lebensmittel aussuchen. Heute sind die Kisten fertig gepackt, und es gibt insgesamt weniger. Vor allem in den letzten acht Monaten ist das deutlich spürbar“, erzählen sie und sehen natürlich auch den Grund: Viel mehr Menschen – viele Geflüchtete – brauchen Unterstützung.

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