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Krieg in der Ukraine

Kommunen in Sorge: Wo sollen Flüchtlinge aus der Ukraine unterkommen?

Menschen, die vor dem Krieg und dem russischen Angriff aus der Ukraine flüchten, kommen über die Grenze nach Ungarn in der ungarischen Gemeinde Tiszabecs.

Menschen, die vor dem Krieg und dem russischen Angriff aus der Ukraine flüchten, kommen über die Grenze nach Ungarn in der ungarischen Gemeinde Tiszabecs.

Eutin/Oldenburg. Es ist nur eine Frage der Zeit: „Wir rechnen damit, dass uns in Kürze Flüchtlinge aus der Ukraine erreichen werden“, sagt Ostholsteins stellvertretende Kreissprecherin Annika Sommerfeld. Leicht werde das aber nicht. Sommerfeld: „Ein Problem besteht in dem derzeit knappen Wohnraum. Wir werden aber unser Bestes tun, um den Flüchtlingen zu helfen.“

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Kommunen müssen Wohnraum finden

Die Herausforderung trifft vor allem die Kommunen. Denn grundsätzlich werden Asylsuchende zunächst in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes untergebracht. Anschließend werden die Flüchtlinge von dort gemäß einem Schlüssel auf die Kreise und dann durch den Kreis Ostholstein auf die Kommunen verteilt. Diese müssen also letztendlich für den Wohnraum sorgen. Und das wird für einige Kommunen nicht einfach.

Oldenburg hat kaum noch Plätze frei

„Unsere Unterkünfte und Wohnungen sind belegt. Weitere Plätze stehen kaum oder nicht zur Verfügung“, sagt Burkhard Naß, der zuständige büroleitende Beamte der Stadt Oldenburg. Derzeit beherberge man bereits 94 Flüchtlinge aus anderen Nationen. „Und in diesem Jahr haben wir bereits zehn Migranten aufgenommen und erwarten noch weitere 20. Allein für dieses Kontingent suchen wir dringend weiteren Wohnraum“, sagt Naß und appelliert an die Oldenburger, Mietwohnraum für die Flüchtlingsunterbringung anzubieten. „Wir sind für alle Angebote offen.“ Es gehe allerdings nicht um Massenunterkünfte, erklärt Jens Junkersdorf, Erster Stadtrat in Oldenburg. „Wir sind ja kein Erstaufnahmelager, sondern wollen die Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen.“ Zwar sei der Wohnungsmarkt angespannt, „aber bisher haben wir es immer geschafft.“

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Die ersten Ukraine-Flüchtlinge haben Deutschland erreicht und weisen sich mit ihren Reisepässen aus.

Die ersten Ukraine-Flüchtlinge haben Deutschland erreicht und weisen sich mit ihren Reisepässen aus.

Eutin und Süsel suchen Wohnungen

Etwas besser sieht es im Süden des Kreises aus. „Ratekau verfügt noch über Wohnraumkapazitäten, um kurzfristig Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen zu können“, sagt Bürgermeister Thomas Keller. Dennoch sei ein Bedarf für weitere Unterkünfte da, denn es gebe neben den Flüchtlingen noch Personen, die kurzfristig durch Zwangsräumungen oder ähnliche Umstände wohnungslos werden und unterzubringen sind.

Die Verwaltungsgemeinschaft Eutin/Süsel sucht kurzfristig innerhalb des Stadtgebietes Eutin und im Gemeindegebiet Süsel Wohnungen zur Unterbringung von Geflüchteten aus dem Kriegsgebiet der Ukraine. Für Rückfragen und Angebote steht das Integrationsbüro unter Telefon 045 21/ 401 70 11 oder per E-Mail an integrationsbuero@eutin.de zur Verfügung.

Bürgermeister Behnk bittet um Angebote

Bürgermeister Carsten Behnk bittet die Eutiner um Mithilfe: „Der schreckliche Krieg in der Ukraine, mitten in Europa, macht uns traurig und fassungslos. Ich möchte Sie bitten, uns in dieser Lage zu unterstützen“, sagt er. „Auch wir erwarten Geflüchtete aus dem Kriegsgebiet, die wir willkommen heißen, aufnehmen und versorgen werden. Gerne nehmen wir Ihre Angebote entgegen, wenn Sie Geflüchtete privat aufnehmen können.“ Derzeit würden alle Angebote helfen, egal ob längerfristig oder auch als Übergangslösung, zum Beispiel in einer Ferienwohnung.

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Ebenfalls benötigt werden Spenden in Form von Töpfen, Pfannen, Geschirr und Besteck. Wer über ukrainische Sprachkenntnisse verfügt und beim Übersetzen helfen kann, wird ebenfalls gebeten, sich zu melden. Auch hier ist das Integrationsbüro Anlaufstelle.

Optimismus in Heiligenhafen

In Heiligenhafen gibt sich Bürgermeister Kuno Brandt optimistisch. „Wir werden diese wichtige Aufgabe lösen und bei Bedarf die Bevölkerung um Unterstützung bitten.“ In Heiligenhafen seien derzeit 145 Geflüchtete untergebracht. In Erwartung weiterer Flüchtlinge habe man bereits Wohnraum akquiriert, der auch für die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine zur Verfügung stehe. Brandt: „Im Rahmen der großen Hilfsbereitschaft ist mir von privater Seite bereits jetzt weiterer Wohnraum in Aussicht gestellt worden. Ich denke, dass kurzfristig 20 bis 25 Personen aufgenommen werden könnten.“ In Neustadt ist die Lage hingegen schwieriger. „Die vorhandenen Unterkünfte sind alle belegt. Die Stadt muss zusätzliche Kapazitäten schaffen. Als Sofortmaßnahmen könnten im Moment nur provisorische Sammelunterkünfte eingerichtet werden“, erklärt Bürgermeister Mirko Spieckermann.

Kinderschutzbund will Gebäude freiräumen

Nicht nur Gemeinden, auch Organisationen wie der Kinderschutzbund bereiten sich auf eine Flüchtlingsbewegung vor. Martin Liegmann, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Ostholstein, berichtet, dass die Vorbereitungen für die Aufnahme von Flüchtlingen – insbesondere von Familien mit Kindern – bereits angelaufen seien. "Wir haben überlegt, ein Gebäude in Heiligenhafen freizuräumen. Da könnten vielleicht zehn Kinder und fünf Frauen unterkommen", führt er aus. Weiter berichtet Liegmann von einem Fehmaraner, der zwei Gebäude kenne, die eventuell zur Verfügung ständen. "Es gibt Bürger, die überlegen schon, wo Flüchtlinge unterkommen können. Die Betroffenheit ist groß. Die Menschen machen das ganz bewusst. Ich finde das großartig", sagt Liegmann.

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Curauer meldet sein Gästezimmer auf Internetsuchseite

Einer dieser Bürger ist der Curauer Phillipp Podeus. Weil die Kriegsflüchtlinge jetzt vor allem eines brauchen, nämlich ein Dach über dem Kopf, hat sich Podeus kurzerhand überlegt, ein Gästezimmer für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. "Ich kann ja nicht wirklich viel tun in dieser Situation", erklärt Podeus, "aber das, was ich jetzt tun kann, das tue ich gerne." Deshalb hat der Inhaber einer Werbeagentur sein Angebot auf einer Unterkunftssuchseite im Internet hinterlegt. "Da ich auch im Homeoffice arbeite", erklärt Podeus, "kann ich mich auch um die Leute kümmern, damit sie sich leichter zurechtfinden und einleben. Zudem hätten ihm bereits Nachbarn seine Unterstützung bei der Verpflegung der Flüchtlinge zugesagt.

Mehrere hunderttausend Ukrainer sind auf der Flucht, wie hier im Bahnhof von Kiew: Menschen drängen sich auf einer Treppe, um rechtzeitig einen Zug nach Lwiw zu erreichen.

Mehrere hunderttausend Ukrainer sind auf der Flucht, wie hier im Bahnhof von Kiew: Menschen drängen sich auf einer Treppe, um rechtzeitig einen Zug nach Lwiw zu erreichen.

Noch keine Erstaufnahme in Ostholstein geplant

Noch völlig unklar ist, mit wie vielen Flüchtlingen aus der Ukraine der Kreis rechnen soll. „Uns liegen noch keine konkreten Informationen vor“, sagt Sommerfeld, und der Sprecher des Innenministeriums in Kiel betont: „Wir wissen es selber noch nicht. Momentan gibt es noch keine große Flüchtlingsbewegung nach Deutschland, aber wir sind darauf eingestellt, lageangepasst zu reagieren.“ In den vier Erstaufnahmelagern in Neumünster, Boostedt, Rendsburg und Bad Segeberg seien noch Plätze frei. Ob darüber hinaus weitere Landesunterkünfte benötigt werden und auch die frühere Erstaufnahme auf dem Kasernengelände in Putlos wieder in Betrieb genommen wird, ist noch völlig offen. „Bisher ist das noch nicht angedacht. Aber wenn die Befehlsgebung kommt, setzen wir das natürlich um“, sagt Oberstleutnant Markus Ruhland vom Truppenübungsplatz.

Von Von Sven Wehde, Sebastian Rosenkötter und Doreen Dankert

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