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Krieg

Ostholstein: Neustädter leisten Hilfe für Kinder-Krankenhaus in Kiew

Der dreijährige Patient Vova spricht mit seiner Mutter Olga in einem als Luftschutzbunker genutzten Keller des Ohmatdyt-Kinder-Krankenhauses.

Der dreijährige Patient Vova spricht mit seiner Mutter Olga in einem als Luftschutzbunker genutzten Keller des Ohmatdyt-Kinder-Krankenhauses.

Neustadt/Kiew. Die Ohmatdyt-Klinik in Kiew ist das größte Kinder-Krankenhaus in der Ukraine. Eigentlich sollen hier Jungen und Mädchen lebensnotwendige Operationen erhalten und von schweren Erkrankungen geheilt werden. Seit dem 24. Februar ist alles anders. Es ist Krieg, und auch in Kiew schlagen immer wieder Bomben und Granaten ein. „Die Kinder von der Kinder-Krebsstation wurden in den Keller gebracht. Sie hören Mörsergeschosse. Granatsplitter haben das Gebäude getroffen“, sagt Bartel Paul Witt. Der Sprecher der Neustädter Bürgerinitiative Nothilfe Ukraine organisiert gerade den dritten Hilfstransport zum Krankenhaus und benötigt dringend weitere Spenden.

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Rettungsdienst Holstein unterstützt „Nothilfe Ukraine“

Der 38-Jährige ist Teil eines rund 15 Personen umfassenden Teams, welches sich in den wenigen Wochen seit dem russischen Einmarsch in weite Teile der Ukraine gefunden hat. Angesprochen auf die ersten Nachrichten vom Angriffskrieg sagt Witt: „Im ersten Augenblick war ich wie in Schockstarre. Ich habe gehofft, dass er sich nicht die ganze Ukraine schnappt.“ Die Starre hielt jedoch nur kurz an. Bartel Paul Witt und seine Familie entschieden, ihren im Harz geplanten Urlaub abzusagen. Stattdessen nahm der ehemalige Rettungsassistent Kontakt mit dem Rettungsdienst Holstein auf. „Christian Kraft, Vorstand des Rettungsdienstes, hat uns sofort unterstützt. Die Idee war, Verbandsmaterialien und weitere medizinische Dinge an die Grenze zu transportieren und Geflüchtete mitzunehmen“, führt Witt aus.

Spenden für Kinder-Krankenhaus

Die Nothilfe für die Kinderklinik in Kiew soll weitergehen. Um dringend benötigte Medikamente und Ausrüstung zu kaufen und anschließend an die Hilfsorganisation „International Assistance Headquarters“ zu übergeben, wurde ein Spendenkonto bei der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Marien in Lübeck eingerichtet (IBAN: DE83 2305 0101 0160 0898 50; BIC: NOLADE21SPL; Stichwort: Hilfe Kiew).

Weitere Infos gibt es auf dem Instagram-Account Nothilfe_Kinderklinik_Kiew.

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Ursprünglich sollte es an die polnisch-ukrainische Grenze gehen. Nachdem sie jedoch von einem fünfjährigen Mädchen mit einem Herzfehler erfahren hatten, welches von Kiew aus auf dem Weg an die slowakisch-ukrainische Grenze unterwegs war, fuhren Bartel Paul Witt und Torben Rose, ein Rettungsassistent aus Ostholstein, auch dorthin. „In Uzhhorod haben wir den Vater des Mädchens getroffen. Er hat die Spenden für das Krankenhaus in Kiew bekommen, und wir haben seine Tochter und seine Frau sowie deren Schwester und zwei weitere Kinder mitgenommen“, sagt Witt.

Torben Rose (l.) und Bartel Paul Witt am slowakisch-ukrainischen Grenzübergang. Stunden später kommen ihre Hilfsgüter in Kiew an und werden dort vor dem Kinder-Krankenhaus ausgeladen.

Torben Rose (l.) und Bartel Paul Witt am slowakisch-ukrainischen Grenzübergang. Stunden später kommen ihre Hilfsgüter in Kiew an und werden dort vor dem Kinder-Krankenhaus ausgeladen.

Fünfjähriges Mädchen benötigt Herz-OP

Mittlerweile leben die Geflüchteten in einer Neustädter Wohnung. Das Mädchen soll bald in einer Kieler Kinderklinik vorgestellt und im besten Fall operiert werden. „Sie benötigt insgesamt drei OPs. Zwei hatte sie schon, der Termin für die dritte Operation in Kiew stand auch schon fest. Dann kam der Krieg“, erläutert Witt und ergänzt, dass er aufgrund des schwerkranken Kindes in Kontakt mit der Ohmatdyt-Klinik in Kiew gekommen sei. „Ich habe gefragt, ob sie noch etwas benötigen und dann eine Liste bekommen“, führt er aus.

Was am dringendsten gebraucht wird

Dringend gebraucht würden nicht nur gewöhnliche Verbandsmaterialien, sondern auch Abbindesysteme für abgetrennte Kinder-Gliedmaßen sowie Materialien zum Behandeln von Verbrennungen und Beatmungsbeutel für Kinder. „Das sind alles Gegenstände, die kaum jemand Zuhause rumliegen hat. Wir müssen vieles kaufen. Dafür benötigen wir weitere Spenden“, betont Bartel Paul Witt. Der Einkauf selbst laufe aktuell über den Rettungsdienst Holstein, der wiederum mit dem Großhandel in Kontakt stehe.

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Was sich der Helfer wünscht

Darüber hinaus seien er und sein Team dabei, Kontakte zu Krankenhäusern in Ostholstein aufzubauen und ein Netzwerk einzurichten. Dies sei notwendig, da die Unterstützung ziemlich sicher noch lange Zeit benötigt werde. „Wir wollen nur das Krankenhaus beliefern. Da wissen wir, dass unsere Hilfe ankommt. Sonst würden wir das nicht machen“, sagt Witt. Zugleich hänge der Transport von Gegenständen maßgeblich von der Entwicklung des Krieges ab. Solange die Stadt von russischen Soldaten nicht eingekesselt sei, würden die Lieferungen weitergehen. „Wenn die einen Kessel rumziehen, verhungern die Menschen“, sagt Witt und schiebt hinterher: „Ich wünsche mir, dass der Wahnsinn endlich ein Ende hat.“

Von Sebastian Rosenkötter

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