Blutkrebs

Stammzellspende: Oldenburger wurde zum Lebensretter

Der Oldenburger Julius Lax (32) hat Stammzellen gespendet und so wahrscheinlich einem Mann Mitte 30 in Italien das Leben gerettet.

Der Oldenburger Julius Lax (32) hat Stammzellen gespendet und so wahrscheinlich einem Mann Mitte 30 in Italien das Leben gerettet.

Oldenburg/Fehmarn. Oft entscheidet der Zufall über Leben und Tod. Nach seinem Abitur auf dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium geht der gebürtige Oldenburger Julius Lax zum Studieren nach Dresden. Es ist ein normaler Uni-Tag, als die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf dem Campus einen Aktionstag veranstaltet. Der damals 22-Jährige wartet gerade auf eine Vorlesung. "Da habe ich mich schnell typisieren lassen, ohne mir viele Gedanken zu machen. Dahinter steckte keine große, ehrenvolle Entscheidung", sagt Lax, der heute 32 ist und in Berlin wohnt. Die Medizinstudenten hätten den Abstrich genommen und das sei es dann gewesen.

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Stammzellspender: Nach sechs Jahren meldet sich die DKMS

Sechs Jahre vergehen, die Registrierung gerät in Vergessenheit, Lax zieht mehrmals um, und irgendwann klingelt das Telefon. Die DKMS ist am Apparat. „Alles wurde sehr vorsichtig formuliert“, schildert Lax rückblickend. „Es hieß, dass ich eventuell infrage komme und ob ich denn grundsätzlich noch bereit wäre, Stammzellen zu spenden. Das war der Moment, in dem ich mir konkret Gedanken machen musste“, sagt Lax.

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Damit er dies unbeeinflusst machen kann, erfährt er nichts über den möglichen Empfänger. Nicht das Alter, nicht das Land, gar nichts. Ob er trotzdem eine moralische Verantwortung verspürt hat? Das kann Julius Lax nicht sagen, da das „Gedanken machen“ bei ihm schon nach Sekunden vorbei war. „Ich habe mich sofort gefreut, dass es passt und ich jemandem, der an Blutkrebs leidet, helfen kann. Es war klar, dass ich das auf jeden Fall mache.“

So können Sie sich als Spender registrieren lassen

Wer helfen möchte, gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, muss nicht warten bis eine Registrierungsaktion stattfindet. Man kann sich jederzeit über die Website der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) unter www.dkms.de ein Registrierungsset nach Hause bestellen. Die Registrierung an sich ist noch nicht gleichbedeutend mit einer Einverständniserklärung für die Spende. Das wird in Ruhe besprochen, wenn man tatsächlich als Spender infrage kommt.

Stammzellspende meistens ein harmloser medizinischer Eingriff

Als Laie hat er die falschen Vorstellungen von dem, was ihn erwartet. „Ich habe mir das kompliziert ausgemalt und gedacht, dass ich Spritzen in den Rücken kriege“, sagt Lax. Doch die Experten der DKMS können ihm diese immer noch sehr verbreitete Sorge schnell nehmen. „In 90 Prozent der Fälle geht es um eine periphere Stammzellenspende, das ist wirklich nur ein kleiner und harmloser medizinischer Eingriff“, berichtet Lax.

Im DKMS Life Science Lab in Dresden werden täglich in einem aufwendigen Prozess bis zu 7000 Proben mit Wangenschleimhautabstrichen von neuen Spendern analysiert und gelagert. Daran beteiligt sind insgesamt 135 Mitarbeiter an etwa 800 technischen Geräten.

Im DKMS Life Science Lab in Dresden werden täglich in einem aufwendigen Prozess bis zu 7000 Proben mit Wangenschleimhautabstrichen von neuen Spendern analysiert und gelagert. Daran beteiligt sind insgesamt 135 Mitarbeiter an etwa 800 technischen Geräten.

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Für ihn beginnt dieser rund drei Monate nach dem ersten Anruf. „Eine Woche lang gab es jeden Tag eine kleine Minispritze in den Bauch. Ich hatte mich entschieden, das selber zu machen“, sagt Lax. Das sei alles sehr problemlos gewesen, und er habe nur etwas Gliederschmerzen gehabt. Dann ging es für ein paar Stunden in eine Klinik nach Frankfurt am Main. „Rechts geht das Blut raus und in eine Zentrifuge und links wieder rein. Dabei habe ich gelesen oder ein Hörbuch gehört“, sagt Lax. Vorher sei er noch nervös gewesen, weil ja alles neu war. „Danach war mir dann klar, wie harmlos dieser medizinische Eingriff ist.“

Kein persönliches Kennenlernen mit dem Empfänger

Bevor er die Stammzellen spendete, hatte Julius Lax eine Vorstellung, die wahrscheinlich viele Spender im ersten Moment haben. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir ausgemalt, dass der Empfänger in meinem Alter ist. Dass er überlebt und man sich kennenlernt. Wir werden gute Freunde und besuchen uns gegenseitig.“ Doch die Realität war anders. In den ersten zwei Jahren ist ein persönliches Kennenlernen nicht erlaubt, höchstens anonyme Post. Der Hintergrund ist, dass es sein kann, dass innerhalb dieser Zeit eine zweite Spende benötigt wird und diese Entscheidung nicht durch eine persönliche Beziehung beeinflusst werden soll. Lax erfährt nur, dass sein Empfänger Mitte Dreißig ist und aus Italien kommt. „Die Italiener verbieten das persönliche Kennenlernen sogar ganz“, sagt Lax.

Lax würde sofort wieder spenden

Doch den jungen Mann aus Oldenburg stört das nicht. Im Gegenteil. Nachdem er über die Situation nachgedacht hatte, wollte er gar kein Treffen mehr. „Wenn wir uns kennenlernen würden, wäre da ja eine unfassbare Abhängigkeit und ein Gefälle in der Beziehung, bei der einer immer dankbar sein müsste.“ Dabei habe er ja nicht viel getan. „Ich war einen Tag unterwegs mit bezahlten Zugtickets, schönem Hotel, und das bei vollem Lohnausgleich. Nein, meine Leistung war minimal.“

Lax hat sich entschieden, nur zu erfahren, wie es dem Empfänger geht. „Die Stammzellspende soll gut verlaufen sein.“ Mehr möchte Lax gar nicht wissen. Er sei froh, dass das Ganze nicht so persönlich aufgeladen sei. Ein gutes Gefühl gebe es auch, ohne dass jemand dafür dankbar sein muss. „So ein Mal im Jahr denke ich beim Einschlafen daran, dass es da in Italien jemanden gibt, der durch meine Spende weiterleben darf. Darüber freue ich mich einfach. Ich würde sofort wieder spenden.“

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