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Hilfe für die Ukraine

Stockelsdorf: Feuerwehr bringt Hilfsgüter in die Ukraine

Eine Großspende kam am Donnerstag von Tjana Evertz (rechts), Inhaberin der Lübbers-Apotheken in Stockelsdorf. Beim Ausladen halfen die Feuerwehrmänner René Andersch (v. l.), Christoph Dornheim, Björn Schlieter und Victor Kaczkowski.

Eine Großspende kam am Donnerstag von Tjana Evertz (rechts), Inhaberin der Lübbers-Apotheken in Stockelsdorf. Beim Ausladen halfen die Feuerwehrmänner René Andersch (v. l.), Christoph Dornheim, Björn Schlieter und Victor Kaczkowski.

Stockelsdorf.Der mit Abstand größte Hilfskonvoi, der jemals Stockelsdorf verlassen hat, ist am Freitagabend in Richtung Ukraine abgefahren. Der Tross umfasst fünf 40-Tonner, zwei Zwölftonner – gesponsert von Firmen aus der Region –, zwei Mannschaftswagen von der Feuerwehr mit Anhängern sowie drei Begleitfahrzeuge, darunter eine rollende Werkstatt mit Reparaturmaterial und einem Kfz-Fachmann an Bord. Die insgesamt 30 Mann Besatzung setzen sich aus 20 Feuerwehrmitgliedern sowie zehn Fahrern aus Speditionsfirmen und anderen Freiwilligen zusammen. Die Ladung muss heil ankommen, ebenso wie die Mannschaft. Deshalb gehört zur Vorbereitung auch das Thema Sicherheit.

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Für 22 Uhr ist die Abfahrt geplant. „Aber wahrscheinlich werden wir sogar schon zwei, drei Stunden früher aufbrechen, denn dann können wir noch im Hellen ausladen am Sonnabend“, erklärt Björn Schlieter, der Wehrführer der Feuerwehr Mori. Victor Kaczkowski, Aktiver mit polnischen Wurzeln in der Wehr Stockelsdorf, hatte die Idee für den Hilfstransport und hat ihn mit Unterstützung von Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) initiiert. Kaczkowski und Schlieter teilen sich die Organisation.

Die Sprachkenntnisse von Victor Kaczkowski sind in dieser Situation ganz besonders wertvoll. Denn der Konvoi wird über 1200 Kilometer durch Polen über Krakau bis nach Przemysl fahren. Das Ziel liegt zehn Kilometer vor der ukrainischen Grenze. „Wir bleiben auf polnischem Gebiet“, sagt Schlieter, „wir bleiben definitiv auf dem Gebiet der EU.“ Schusssichere Westen oder ähnliche harte Vorsorgemaßnahmen habe man nicht getroffen, „denn wir gehen davon aus, dass wir nicht in einem Gebiet sein werden, wo es kriegerische Handlungen gibt“, sagt Schlieter.

Victor Kaczkowski (l.) von der Feuerwehr Stockelsdorf und Björn Schlieter von der Wehr Mori organisieren den Transport.

Victor Kaczkowski (l.) von der Feuerwehr Stockelsdorf und Björn Schlieter von der Wehr Mori organisieren den Transport.

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„Sollte aber wider Erwarten die Lage so sein, dass die Situation sich für uns gefährlich entwickelt, dann drehen wir sofort um 180 Grad und fahren zurück.“ Notfalls wolle man dann die Hilfsgüter an einer anderen Stelle in Polen abladen. Mit dem polnischen Roten Kreuz, das die Hilfsgüter für die Ukraine im Grenzgebiet koordiniert, steht der Konvoi aus Stockelsdorf in ständigem Kontakt.

Dieselreserve von 500 Litern dabei

Für den Fall, dass unterwegs zu wenige Tankstellen sind oder nicht genug Kraftstoff da sein sollte, hat der Konvoi selbst eine 500-Liter-Reserve Diesel dabei. Die Fahrzeit ist mit insgesamt 30 Stunden veranschlagt, 15 Stunden hin, 15 Stunden zurück. Spätestens in der Nacht zu Montag wollen die Stockelsdorfer Helfer wieder zurück sein. Björn Schlieter hat bei der zuständige Verkehrsbehörde eine Ausnahmegenehmigung klargemacht für den Hilfskonvoi: Es sind keine Ruhezeiten nötig. In jedem Fahrzeug sitzen mindestens vier Fahrer, die sich abwechseln. Geschlafen und gegessen wird im Fahrzeug. Duschen fällt aus.

Viele Großspenden von Firmen

„Die Hilfsbereitschaft der Bürger und der Firmen hat hier extrem schnell Dimensionen angenommen, die wir uns einfach gar nicht vorstellen konnten“, sagt Kaczkowski, der von seinen beiden Firmenchefs eine Freistellung bekommen hat für diese Aktion. „Das, was wir erleben, ist nicht nur einfach eine großartige Spendenbereitschaft“, sagt Kaczkowski, „sondern wir wurden und werden immer noch regelrecht überrollt von Spenden.“

Erster Konvoi von Stockelsdorf mit Hilfsgütern für die Ukraine.

Erster Konvoi von Stockelsdorf mit Hilfsgütern für die Ukraine.

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Darunter sind auch etliche Großspenden von Firmen wie zum Beispiel von der Stockelsdorfer Lübbers-Apotheke. Inhaberin Tiana Evertz hat am Donnerstag medizinisches Material und Medikamente im Wert von fast 6000 Euro bei der Feuerwehr Stockelsdorf im Bohnrader Weg abgegeben. Die mächtige Fahrzeughalle ist zum Logistikzentrum geworden. Die fertigen Paletten stehen bis Freitagmittag zur Verladung in einer Halle im Gewerbegebiet.

Hilfsgüter im Wert von über 250 000 Euro

Ursprünglich war ein Konvoi mit vier Mannschaftswagen plus Anhänger der Feuerwehren geplant für etwa zehn Paletten. Die Stockelsdorfer Fracht beträgt jetzt aber rund 150 Paletten „im Wert von über 250 000 Euro“, sagt Victor Kaczkowski. Alles wurde innerhalb von nur vier Tagen organisiert. „Das ist wirklich unglaublich“, sagt Kaczkowski, „mein Telefon klingelt ständig, weil immer mehr Spender anrufen, das ist wie im Call-Center.“

Von Przemysl aus, weiß Kaczkowski, werden die Hilfsgüter in die Ukraine gebracht, „auf Wegen, die man sich kaum vorstellen kann, denn es gibt viele Ukrainer im Ausland, die freiwillig zurückgehen in ihre Heimat, um zu kämpfen, die wissen, was sie tun, und nehmen Hilfsgüter von den Stützpunkten aus mit in die Ukraine quasi als One-Way-Lieferung.“

Von Doreen Dankert

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