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Timmendorfer Strand

Straßenmusik ärgert Timmendorfs Geschäftsleute

Auch Michael Pritzke machte in diesem Sommer in Timmendorfer Strand Musik. „Ständige Beschallung kann aber nerven“, sagt er.

Auch Michael Pritzke machte in diesem Sommer in Timmendorfer Strand Musik. „Ständige Beschallung kann aber nerven“, sagt er.

Timmendorfer Strand.In Timmendorf spielt die Musik — das jedenfalls wünschen sich Geschäftsleute, Touristiker und Politiker. Allerdings offenbar nur im übertragenen Sinne, denn wenn die Musik richtig spielt, kann sie lästig werden: Die Klagen über Straßenmusik im Zentrum häufen sich. „Es nimmt inzwischen solche Ausmaße an, dass manchmal drei oder vier Gruppen in Abständen von fünf Metern gleichzeitig auftreten“, ärgert sich Heinz Meyer, Vorsitzender der Timmendorfer Aktivgruppe für Handel und Gewerbe. Teilweise werde von 9 Uhr morgens bis 22 Uhr abends musiziert, schilderte er während der Jahresversammlung der Aktivgruppe die Situation. „Das ist eine Zumutung für die Gewerbetreibenden“, so Meyer.

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Sie könne die Empfindungen der Gewerbetreibenden nachvollziehen, sagt Timmendorfs Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) dazu. „Es ist nervtötend, wenn man den ganzen Tag Musik über sich ergehen lassen muss.“ Viele Gäste dagegen würden das wohl anders sehen und sich darüber freuen, wenn sie mal ein Stündchen bei einer Tasse Kaffee zuhören könnten. Unternehmen könne die Verwaltung derzeit gegen die Straßenmusiker nichts, erklärt Kara: „Nach höchst richterlicher Rechtsprechung haben diese Menschen ein Anrecht auf die Ausübung ihrer Kunst im öffentlichen Raum.“

Abhilfe könne eine „Satzung über die Sondernutzung des öffentlichen Raums“ oder etwas Vergleichbares schaffen, so die Bürgermeisterin. Eine solche Satzung hat die Gemeinde bisher nicht. „Es hat in den vergangenen Jahren mehrere Anläufe der Verwaltung gegeben“, berichtet Hauptamtsleiter Martin Scheel. „Bisher hat eine solche Regelung aber keine politische Mehrheit gefunden.“ In anderen Orten gibt es hingegen schon lange Vorschriften zum Thema Straßenmusik. In Eutin finden sie sich beispielsweise als Passus in der „Satzung über die Sondernutzung an öffentlichen Straßen“. Demnach ist in der Kreisstadt Straßenmusik an drei Standorten — in der Peter- und Königstraße sowie auf dem Markt — erlaubt, und zwar montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr — allerdings darf jeder Künstler pro Tag nur maximal 45 Minuten pro Standort musizieren.

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Meyer ärgert sich zudem darüber, dass einige Musiker mit dem Sammelhut zu den Gästen in die Cafés gingen. „Das würde ich nie machen“, sagt dazu Michael Pritzke, der als Straßenmusiker zuletzt im August dieses Jahres auf der Timmendorfer Kurpromenade gespielt hat. Er könne es durchaus nachvollziehen, dass Leute genervt seien, wenn sie ständig beschallt würden, erklärt Pritzke. „Wenn ein Musiker jeden Tag aufkreuzt und dann immer das Gleiche spielt, kann das wirklich stören.“ Andererseits müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben: „Keiner meldet sich bei der Verwaltung, wenn er etwas toll findet. Dort landen nur Beschwerden, und die können dann auch mal überbewertet werden.“ Er spiele in regelmäßigen Abständen, aber nicht zu häufig in verschiedenen Orten.

Der Einsatz von Verstärkern ist bereits jetzt in Timmendorfer Strand trotz fehlender Straßenmusik-Satzung nicht erlaubt, weil „elektronisch verstärkte Musik“ laut Timmendorfer Gemeindeverordnung unter „ruhestörenden Lärm“ fällt. Eine konkrete Satzung würde jedoch einiges leichter machen, heißt es vonseiten der Verwaltung. „Damit würden wir auch der Polizei eine Handhabe geben“, meint Bürgermeisterin Kara, „die dann beispielsweise Platzverweise erteilen kann, was sie jetzt nicht darf.“ Laut Hauptamtsleiter Scheel wäre das Thema am besten im Verkehrsausschuss aufgehoben, da die „Sondernutzung von öffentlichen Verkehrsflächen“ zur Debatte stehe. „In diesem Jahr wird diesbezüglich aber nichts mehr passieren“, prophezeit Scheel.

Brigitte Arms und Sabine Latzel

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