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Movie star

Zeitreise durch die Schwartauer Filmgeschichte

Ostholstein.Es ist schon sehr lange her, dass in Lübeck noch die Straßenbahn fuhr, Filmemacher mit Pferd und Wagen unterwegs waren, um ihre Kurzfilme auf dem Land zu zeigen und dass es in Bad Schwartau gleich mehrere Kinos gab. Das Kommunale Kino Bad Schwartau will an genau diese Zeit mit einer Ausstellung im Movie Star Bad Schwartau am Eutiner Ring erinnern. Und das nicht nur mit Stellwänden und Schaukästen, sondern ganz plastisch: Ein altes Tongerät, ein Wanderkinoprojektor und eine Kamera zeigen, wie einst im Jahr 1895 die Filmgeschichte begann. Am Wochenende wurde die Ausstellung eröffnet.

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Der Reinfelder Rainer Hesse hat die Liebe zum Wanderkino längst für sich entdeckt – über 60 Projektoren hat er mittlerweile gesammelt. Zwei seiner Exponate hat er nun dem Kommunalen Kino zur Verfügung gestellt. „In meinem Wohnzimmer ist jetzt ein richtiges Loch“, berichtete der Sammler lachend. Aus dem Jahr 1919 stammt der große Projektor, mit dem einst die Filmvorführer mit Pferd und Wagen ihr Wanderkino betrieben und ihre Filme in Gaststätten, Ställen und Zelten zeigten. Das mobile Kino hatte nur eine Spule, auf der sich rund 20 Minuten Filmmaterial befanden. „Das war genau ein Akt auf rund 600 Metern Filmstreifen“, erzählte Hesse und hatte passend dazu gleich eine Anekdote: „Früher wurde oft der gleiche Film an mehreren Orten gezeigt, und die Akte mussten dann von einem Ort zum anderen gebracht werden. Wenn der Fahrer nicht schnell genug war, gab es eine Filmpause.“ Für Gelächter bei den rund 40 Besuchern sorgte auch die Geschichte einer Kuh, die bei einer Vorführung im Stall einen Stromschlag vom Verstärker bekam. „Total spannend“, fand Karl Rogel, der ganz begeistert war von den Geräten, „es ist toll, wenn die Vergangenheit noch einmal auflebt.“

Doch auch Bad Schwartau schrieb Kinogeschichte: „Wir hatten einst vier Kinos“, erzählte Klaus Faasch, der sich seit langem mit der Stadtchronik beschäftigt, „das Palast Theater, die Schauburg, das Rondell und das Apollo Kino.“ Sogar ein echter Filmpionier war zeitweise in Bad Schwartau zu Gast: Sechs Jahre lang betrieb Friedrich Herwig den Filmverleih „Deutsche Heimatfilme“ in der Bahnhofsstraße. Und so widmet sich die Ausstellung auch dem Leben von Herwig, der seine Stummfilme von einem 60-köpfigen Orchester begleiten ließ und an seinen besten Tagen an 51 Orten gleichzeitig Filme spielte. Einer von ihnen war nun auch bei der Ausstellungseröffnung zu sehen. Vier Reichsmark hätte der Eintritt für einen Logenplatz im Jahr 1929 für den fünfteiligen Film „Die Nordsee“ gekostet. Und auch von Lübeck gibt es reichlich Filmmaterial. Bei dem Kurzfilm „Lübeck 1929“, einem Zusammenschnitt des Filmproduzenten Cay Wesnigk, erinnerte sich so mancher Besucher gern zurück, wie vor über 80 Jahren noch die Straßenbahn durch Lübeck fuhr und die Frauen mit Hüten und langen Kleidern über den Rathausmarkt flanierten.

Wer mehr über die Kinogeschichte wissen möchte: „Bis zum 18. November ist die Ausstellung immer zu den Öffnungszeiten des Movie Star zu sehen“, wirbt Annemarie Krause-Guntrum vom Kommunalen Kino.

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