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LN-Spendenaktion

Hilfe im Advent: Die Einsamkeit von psychisch Erkrankten

Allein am Großen Segeberger See: Viele psychisch Erkrankte haben sich während der Corona-Krise weiter in ihre Einsamkeit zurückgezogen (nachgestellte Szene).

Allein am Großen Segeberger See: Viele psychisch Erkrankte haben sich während der Corona-Krise weiter in ihre Einsamkeit zurückgezogen (nachgestellte Szene).

Bad Segeberg.Sylvia (Nachname auf Wunsch der Betroffenen weggelassen) hatte im ersten Lockdown sehr große Probleme. „Ich bin wieder in ein Depressionsloch gerutscht“, sagt die Frau Anfang 40. Zum Glück ist Sylvia erfahren im Umgang mit der Krankheit. Sie hat ihre Segeberger Selbsthilfegruppe für psychisch Erkrankte selbst vor vier Jahren gegründet. „Ich wusste während des Lockdowns wie und wo ich mir Hilfe holen kann“, sagt Sylvia. Viele andere Betroffene wissen das nicht. Psychisch Erkrankte leiden ohnehin schon häufiger und stärker unter Einsamkeit. Die Corona-Krise hat das noch mal verschärft.

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Treffen sind sehr wichtig

„Für die Mitglieder der Gruppe sind die Treffen sehr wichtig. Hier hat man Leute, mit denen man über seine Sorgen reden kann, die wissen wie man fühlt und von denen man Unterstützung und Hilfe kriegt“, sagt Sylvia. Während andere Gruppen sich auch digital in einer Videokonferenz treffen konnten, war das für die meisten psychisch Erkrankten keine Option, weil es dann nicht mehr den geschützten Raum gibt. „Sie wissen ja nie, wo die anderen gerade mit ihrem Laptop sitzen und wer da vielleicht noch im Raum ist oder vorbeigeht und mithören kann.“ Die Folgen waren schlimm. „Viele haben sich noch mehr in ihre Einsamkeit zurückgezogen.“ Zudem hat Corona neue Ängste bei den Menschen geschaffen. „Ich kenne Betroffene, die hatten plötzlich Probleme der eigenen Mutter die Hand zu geben oder Essen zu kochen, weil sie Angst hatten, sich oder andere anzustecken.“

Rückzug in die Einsamkeit

Selbst als Treffen wieder erlaubt waren, sind viele nicht mehr gekommen. Sylvia: „Vor Corona waren 16 von uns regelmäßig da, jetzt ist es vielleicht noch die Hälfte.“ Die Gründe sind vielfältig. Einige hätten sich daran gewöhnt und würden Corona auch als Ausrede nutzen, um sich zurückzuziehen, obwohl sie eigentlich wissen, dass die Gespräche ihnen gut tun. Bei anderen sind die Ängste vor der Infektion noch sehr groß. „Für einige ist das Schlangestehen an einer Impfstation undenkbar“, sagt die Gruppenleiterin. Andere sind durch ihre psychischen Erkrankungen besonders anfällig für die Verunsicherung durch Querdenker. „Einige haben große Angst vor der Impfung und fragen sich, was da drin ist“, sagt Sylvia. Somit sind 2G-Treffen durch die geringere Impfquote unter psychisch Erkrankten auch nur schwer möglich.

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So können Sie spenden

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für ehrenamtliche Projekte stark, die sich für das Miteinander einsetzen und Menschen helfen, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. Die Spendensammlung der LN und der Sparkasse Südholstein findet unter dem Motto „Gemeinsam gegen einsam“ statt. Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt stellen wir Ideen und Projekte vor, die sich uneigennützig dafür stark machen, dass sich einsame Menschen wieder eingebunden fühlen und wieder Freude am Leben haben. Der ePunkt sammelt die Spenden der LN-Leserinnen und -Leser und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter. In Segeberg wird mit den Spenden die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KIS) unterstützt.

Hier können Sie spenden:

Empfänger: ePunkt e.V. – Segeberg

Kontoinhaber: ePunkt e. V.

IBAN: DE37 2305 1030 0511 3175 62

BIC: NOLADE21SHO

Bank: Sparkasse Südholstein

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

Mit Thermokissen auf der Tischtennisplatte

"Wir haben deshalb schon versucht uns draußen zu treffen. Wir haben mit Thermokissen auf Tischtennisplatten gehockt oder uns auf Spielplätzen getroffen", sagt Sylvia. Man habe sehr viel ausprobiert, aber es sei immer ein sehr großer Aufwand. Die Idee der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KIS) von den Spendengeldern aus der LN-Leseraktion "Hilfe im Advent" einen festen Draußen-Treffpunkt auf einer Terrasse der Seniorenwohnanlage Am Eichberg einzurichten, findet die Gruppenleiterin toll. "Das wäre eine große Hilfe. Dann gäbe es einen Platz, der auch zur Corona-Zeit genutzt werden kann, bei dem es aber auch eine Toilette gibt und eine Küche, in der man bei kühlem Wetter für alle einen heißen Tee machen kann."

Mit einem Sichtschutz aus Spendengeldern würde man auch nicht so auf dem Präsentierteller sitzen wie bei einem Treffen in einem Park. „Dann würden vielleicht auch die kommen, die sich sonst nicht trauen“, sagt Sylvia.Wie wichtig das wäre, hat sie am eigenen Leib erfahren. Sie hat die Selbsthilfegruppe damals gegründet, weil sie selber Hilfe brauchte. Und sie hat sie dort gefunden. Vor einem weiteren Lockdown hat sie keine Angst. „Ich wüsste jetzt, was zu tun ist und was mir hilft.“

Von Sven Wehde

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