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LN-Spendenaktion

Hilfe im Advent: Ein Umzug in ein neues Leben

Eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ macht sowohl Christel Herder als auch Koordinatorin Andrea Nier Spaß. Noch fehlen aber ein paar Bewohner für die Sechserrunde.

Eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ macht sowohl Christel Herder als auch Koordinatorin Andrea Nier Spaß. Noch fehlen aber ein paar Bewohner für die Sechserrunde.

Bad Segeberg."Ich bewundere die Menschen, die im Alter umziehen und sich trauen, noch mal etwas Neues anzufangen", sagt Andrea Nier, Koordinatorin der Awo-Seniorenwohnanlage "Wohnen mit Service" am Eichberg in Bad Segeberg. Meist wird dieser Mut dann auch belohnt. Denn in der Wohnanlage wird das Motto "Gemeinsam gegen einsam" jeden Tag gelebt. "Wir haben ja viele Bewohner, die vorher einsam gelebt haben. Und es ist immer schön, wenn sie dann den Schritt wagen, hierher ziehen und dann nach ein paar Wochen berichten, wie wohl sie sich hier fühlen."

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So können Sie helfen

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für ehrenamtliche Projekte stark, die sich für das Miteinander einsetzen und Menschen helfen, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. Die Spendensammlung der LN und der Sparkasse Südholstein findet unter dem Motto „Gemeinsam gegen einsam“ statt. Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt stellen wir Ideen und Projekte vor, die sich uneigennützig dafür stark machen, dass sich einsame Menschen wieder eingebunden fühlen und wieder Freude am Leben haben. Der ePunkt sammelt die Spenden der LN-Leserinnen und -Leser und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter.

In Segeberg wird mit den Spenden die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KIS) unterstützt. Egal, ob es um ADHS, psychische Erkrankungen, verwaiste Eltern, Senioren oder Blinde und Sehbehinderte geht: Die Kontaktstelle in Bad Segeberg bringt Menschen zusammen, damit sie nicht alleine sind, sondern sich gegenseitig unterstützen und helfen können. Mit ihren Experten hilft KIS Selbshilfegruppen bei der Gründung und bietet auch regelmäßig Seminare und Vorträge an. Mit den Spenden möchte KIS speziell etwas gegen Einsamkeit tun, die während der Corona-Krise bei vielen Menschen noch viel stärker geworden ist. Unter dem Motto „Rausgehen tut gut“ soll unter anderem ein fester Draußen-Treffpunkt in Bad Segeberg direkt an dem Gemeinschaftshaus der Awo-Seniorenwohnanlage aufgebaut werden, für den noch wetterfeste Stühle benötigt werden. Zweimal im Monat sind dann alle Segeberger, die gern mit anderen Menschen in Kontakt kommen möchten, zu den offenen Treffen draußen eingeladen. Dort sollen Menschen ins Gespräch kommen, gerade auch, wenn es ihnen mal nicht so gut geht. Und natürlich können auch die Senioren der Wohnanlage den Treffpunkt für sich nutzen.

Hier können Sie spenden: Empfänger: ePunkt e.V. – Segeberg, Kontoinhaber: ePunkt e. V., IBAN: DE37 2305 1030 0511 3175 62, BIC: NOLADE21SHO, Bank: Sparkasse Südholstein, Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

Spendenstand am Freitag: 1010 Euro

Von Rügen nach Bad Segeberg

Die 68-jährige Christel Herder hat sogar einen ganz besonders großen Schritt gewagt. Fast ihr ganzes Leben verbrachte sie auf der Insel Rügen. 2017 verstarb dann ihr Mann, Haus und Hof konnte sie nicht mehr alleine bewältigen. Und als ihr die Ärzte nach einem Krankenhausaufenthalt den Umzug in ein betreutes Wohnen nahe legten, wagte sie noch mal eine große Veränderung und zog nach Bad Segeberg, denn in der Nähe, in Tensfeld, Blunk und Weitewelt, leben auch ihre drei Kinder. „Sie haben damals hier Arbeit gefunden, bei uns gab es ja nichts. Jetzt brauchen sie nur noch 20 Minuten zu mir und nicht mehr drei Stunden.“ Vor Kurzem habe sie ihr Hausarzt gefragt, ob sie Rügen vermisse. Christel Herders Antwort war klar: „Nein, überhaupt nicht.“

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Im Corona-Winter war es schwer, Kontakt zu bekommen

Am Anfang war es gar nicht leicht. Christel Herder kam im Dezember 2020 nach Bad Segeberg. „Da war es erst schwer, Kontakt zu kriegen. Ich kannte keinen, es war Corona-Lockdown, und im Winter verkriecht sich ja auch jeder“, sagt Herder. Doch dann kam der Frühling – und Koordinatorin Andrea Nier. Sie sorgte dafür, dass ein mobiles Impfteam auch die Seniorenanlage besuchte und baute die Aktivitäten langsam wieder auf. Denn beim „Wohnen mit Service“ gibt es keinen 24-Stunden-Service wie beim Betreuten Wohnen, da die Senioren recht eigenständig in ihren Wohnungen leben. Aber Nier kümmert sich um Gemeinschaftsaktivitäten, zum Beispiel um die Sitzgymnastik am Montag und Freitag oder um einen der Wochen-Höhepunkte für Herder, die Kaffeerunde mit Torte und Klönschnack am Donnerstag. „Das ist immer so liebevoll vorbereitet, richtig toll“, erzählt Herder mit Freude.

Fast wie in der Kindheit

Mittlerweile ist die 68-Jährige nicht mehr aus der Gemeinschaft wegzudenken. An einem schönen, warmen Tag nach dem Lockdown und den Impfungen saß sie draußen, und immer mehr Senioren gesellten sich dazu. Schnell war man per Du. Im Sommer war es manchmal wie früher in der Kindheit. „Da sind wir abends nur schnell zum Abendbrot rein und haben uns danach wieder draußen getroffen“, sagt Herder lachend. Sie würde den Schritt immer wieder wagen: „Es ist einfach toll, ich habe viele Kontakte, sehe meine Kinder, die sich liebevoll um mich kümmern und mit mir einkaufen fahren oder mich besuchen. Ich bin dankbar und glücklich.“ Vor ihr im Gemeinschaftsraum auf dem Tisch steht ein „Mensch-ärgere-Spiel“ für sechs Teilnehmer, das mitten im Spiel unterbrochen wurde. „Das haben wir gestern nicht mehr zu Ende geschafft. Wissen Sie, zu sechst dauert das lange. Aber nachher wird weiter gespielt“, sagt Herder, und man sieht ihr an, dass sie sich sehr darauf freut.

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Von Sven Wehde

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