Ukraine-Hilfe

Kreis Segeberg appelliert wegen Ukraine an Bevölkerung: „Helfen Sie!“

Gegenwärtig kommen fast täglich Flüchtlinge aus der Ukraine auch nach Segeberg, unter anderem in die Erstaufnahme im Levo-Park. Der Kreis bittet alle Segeberger eindringlich um Hilfe.

Gegenwärtig kommen fast täglich Flüchtlinge aus der Ukraine auch nach Segeberg, unter anderem in die Erstaufnahme im Levo-Park. Der Kreis bittet alle Segeberger eindringlich um Hilfe.

Segeberg. Es sind Zeiten wie diese, in denen Freundschaft zum Tragen kommt. Dann wird besonders deutlich, warum die Völkerverständigung in Zeiten des Friedens alle Mühe wert ist. Seit 20 Jahren tauschen sich der Kreis Segeberg und der Kreis Drawsko Pomorskie in Polen zu vergleichsweise simplen Themen wie Fischerei, Industrie oder Naturschutz aus. Aktivregionen, Vereine und Schülergruppen besuchen sich, Politik und Verwaltung berichten über Projekte. Jetzt geht es um Krieg. Nur Polen trennt Deutschland von der Ukraine. Dort kommen Millionen Flüchtlinge an. Noch bevor es in der Segeberger Kreispolitik am Donnerstagabend um Zwists in puncto Radverkehr oder Müllentsorgung ging, hat der Kreistag ein klares Statement zur russischen Invasion abgegeben – und zum Spenden für den Partnerkreis aufgerufen.

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„Wir alle sind fassungslos. Krieg in Europa, Krieg mitten unter uns. Einen Monat später sehen wir immer noch das Unvorstellbare“, sagte Kreispräsident Claus Peter Dieck im Namen aller Fraktionen, der Kreisverwaltung und des Kreistags insgesamt. „Wir sehen und lesen von Toten, von Geburten in ukrainischen Luftschutzkellern, von Menschen, die in kalten U-Bahnschächten oder Theatern ohne Wärme und Strom verharren. Wir sehen Angriffe und Zerstörung von Wohnhäusern, Krankenhäusern und Kindergärten. Wir sehen Menschen auf der Flucht und menschliche Tragödien. Väter, die zurückbleiben. Bereits über drei Millionen verzweifelte Menschen mussten flüchten. Millionen leben weiter in Angst, Beschuss und Bombenterror“, sagte Dieck.

Kreis Segeberg rückt durch den Krieg zusammen

„Die Lage wird von Tag zu Tag schlimmer, und es ist leider kein Ende in Sicht. Diese schrecklichen Tage haben unsere Welt für immer verändert. Bei Mahnwachen und Kundgebungen haben Menschen ihr Mitgefühl zum Ausdruck gebracht und ein Zeichen gesetzt gegen diesen sinnlosen Krieg. Aber wir sehen auch ein Zusammenrücken. In der westlichen Staatengemeinschaft und in unseren Gemeinden und Städten. Auch hier im Kreis Segeberg“, so der Kreispräsident. „Wir erleben eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität. Meine Damen und Herren: Segeberg hilft.“

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Es gebe Sammelaktionen, teils privat organisiert, Hilfsgüter würden gespendet und verpackt. Vollbeladen hätten sich viele Lastwagen auf den Weg in Richtung Ukraine gemacht. Und ins benachbarte Polen, wo die meisten Menschen eine erste Zuflucht gefunden haben. „Allein in Polen sind mehr als zwei Millionen Flüchtlinge angekommen. Wir dürfen Polen mit diesen Flüchtlingen nicht allein lassen“, sagte Dieck. Das gelte auch für den Partnerkreis Drawsko Pomorskie. „Wir rufen daher hier und heute dazu auf, unsere polnischen Freunde mit einer Geldspende zu unterstützen. Dazu werden wir beim Kreis ein Konto einrichten.“ Landrat Jan Peter Schröder und Kreispräsident Dieck haben mit den ersten 1000 Euro einen Grundstock gelegt. Das Geld ist zweckgebunden. Es wird für Projekte, Maßnahmen und zur Unterstützung von kriegsgeschädigten Ukrainern eingesetzt.

Appell: „Helfen Sie, wenn Sie können!“

Die Segeberger seien nah und direkt mit den Folgen des Krieges verbunden. „Wir erleben das alle sehr direkt und sehr persönlich. Im Freundeskreis, in Vereinen oder in Partner- und Patenschaften. Die ersten Flüchtlinge sind hier vor zwei Wochen angekommen. Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung. Aber auch die Städte und Gemeinden brauchen Hilfe, gerade bei der Beschaffung von Wohnraum“, sagte Kreispräsident Dieck. „Daher noch mal unser gemeinsamer Appell: Helfen Sie, wenn Sie können! Nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten vor Ort, wo zahlreiche Städte, Ämter und Gemeinden die Möglichkeit eröffnet haben, Geld oder Sachspenden abzugeben. Doch bitte achten Sie darauf, was genau gebraucht wird. Vorrangig bleiben Geldspenden und Wohnraumangebote.“

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Sonder-Spendenkonto wird eingerichtet

Kreistagsmitglieder können für den Partnerkreis Drawsko Pomorskie auf ein kreisinternes Konto spenden. Damit auch Bürgerinnen und Bürger sich an der Aktion beteiligen können, muss jedoch aus verschiedenen rechtlichen Gründen ein Sonderkonto eingerichtet werden. Das soll in den kommenden Tagen geschehen, teilt der Kreis mit. Es soll bis Ostern eingerichtet sein und wird dann auf der Homepage des Kreises veröffentlicht werden. Eingezahlt werden kann dann mit dem Spendenzweck „Hilfe Ukraine“.

Ein besonderer Dank wurde ausgesprochen. An alle Ehrenamtlichen, die Blaulichtorganisationen und Mitarbeiter in der Verwaltung. „Sie haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, Notunterkünfte zu bestücken und die Versorgung der ankommenden Menschen sicherzustellen. Sie alle haben einen verdammt guten Job gemacht“, betonte Dieck. „Wir danken allen Menschen für ihre Hilfe, Solidarität und menschliches Handeln. Dieser Krieg ist ein Angriff auf die Demokratie und die Freiheit. Nicht nur in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, bei den zahllosen Opfern und allen Menschen, die unter dem sinnlosen Krieg leiden.“

Die Partnerschaft zwischen den Kreisen Segeberg und Drawsko Pomorskie in Polen besteht seit dem Jahr 2000. Neben dieser Kreispartnerschaft gibt es seit 1991 noch eine weitere – mit der Region Pölva in Estland – nahe der Grenze zu Russland.

Von Irene Burow

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