Hilfe für Ukraine

Krieg in der Ukraine: So können Sie im Kreis Segeberg helfen

Dr. Oksana Ulan, MedX Project-Geschäftsführer Andreas Moll, Famila-Marktleiter Andreas Findeisen aus Kaltenkirchen (Eigentümer der Flächen) sowie Florian Gottschalk (v.l.).

Dr. Oksana Ulan, MedX Project-Geschäftsführer Andreas Moll, Famila-Marktleiter Andreas Findeisen aus Kaltenkirchen (Eigentümer der Flächen) sowie Florian Gottschalk (v.l.).

Segeberg. Die Hilfswelle im Kreis Segeberg rollt. Aus ersten Initiativen ist ein Ansturm an Hilfsbereitschaft geworden, der nur noch schwer von Einzelpersonen zu bewältigen ist. Aus diesem Grund bitten die Organisatoren bereits, auf die professionellen Anlaufstellen im Internet auszuweichen. „Mein Handy explodiert“, sagt etwa Udo Nickel.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Bad Segeberger Dozent rotiert gerade, wo er nur kann, um medizinische Hilfstransporte in die Ukraine vorzubereiten. „Wir suchen dringend Leute, die etwa beisteuern können. Wir holen die Spenden ab“, sagt er. Täglich ist er mit Freunden und Bekannten unterwegs. „Es bricht gerade über uns zusammen.“

Impfzentrum Kaltenkirchen wird zum Ukraine-Depot

Das Team sammelt nicht nur, sondern koordiniert auch. Große Lieferungen werden nach Kaltenkirchen geordert oder gebracht. Dort wird das Test- und Impfzentrum nun gleichzeitig zum Ukraine-Depot. „Dort entsteht ein Zwischenlager. Es ist Platz genug“, sagt Florian Gottschalk. Er ist in Lentföhrden Projektmanager bei der MedX Project, einer Ausbildungs- und Beraterfirma für Sicherheitskräfte, Hilfsorganisationen, Behörden und Nichtregierungsorganisationen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Große Spende von Apotheker Dirk Buckenberger: rund 10000 Spenderflaschen für Desinfektionsmittel sammelt Udo Nickel für den Ukraine-Hilfskonvoi ein.

Große Spende von Apotheker Dirk Buckenberger: rund 10000 Spenderflaschen für Desinfektionsmittel sammelt Udo Nickel für den Ukraine-Hilfskonvoi ein.

Das Unternehmen kooperiert mit der Ukrainischen Ärztevereinigung in Deutschland. Vorständin Dr. Oksana Ulan hatte jüngst zur Hilfe unter Medizinern aufgerufen, um verletzte Soldaten und Zivilisten in der Ukraine zu versorgen. Sie ist Ärztin in Henstedt-Ulzburg, unter anderem zudem Ausbilderin am Medizinstandort Bad Segeberg – und in der Ukraine geboren.

Die Liste der dringend benötigten medizinischen Ausstattungen ist lang: Schmerzmittel, Antibiotika, Asthma-Mittel, Blutstiller, Tourniquet, Bandagen, Schienen, Verbandsmaterialien, chirurgische Instrumente, Intubationszubehör, Beatmungsutensilien, Thermodecken, Stirnleuchten, Erste-Hilfe-Kästen. Alles, was in einem Kriegsgebiet eine einigermaßen gute medizinische Versorgung gewährleistet. Auch abgelaufenes Material wird angenommen.

Lesen Sie auch

Erfahrene Task-Force sichert Transporte

Die ersten Dinge wurden bereits von Privatpersonen in den Osten gebracht, berichtet Florian Gottschalk. Am Mittwoch, spätestens Donnerstag starten die ersten Laster samt Anhänger. „Durchgeführt werden die Lieferungen von einer medizinischen Task Force, die unser Unternehmen bereitstellt.“ Hierbei handelt es sich um Experten mit medizinischen, logistischen und militärischen Hintergründen, die in Inlands- und Auslandseinsätzen erfahren sind und einen reibungslosen Transport gewährleisten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wohnraum dringend gesucht

Es ist zu erwarten, dass zunehmend Flüchtlinge aus der Ukraine im Norden ankommen. Der Kreis Segeberg ist ohnehin laufend mit den Kommunen dazu im Gespräch, da Wohnraum Mangelware ist. Er hatte für dieses Jahr bereits mit größerem Zulauf gerechnet, die Lage könnte sich durch das Kriegsgeschehen weiter zuspitzen. In den umliegenden Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt, im Levopark Bad Segeberg und Neumünster sind laut Landesamt für Flüchtlinge jeweils Hunderte Plätze frei.

Trotzdem machen sich im Südkreis bereits Wohnungsunternehmen startklar, wie das Hamburger Abendblatt berichtete. Aus aktuellem Anlass sind professionelle Plattformen entstanden, auf denen Wohnraum aller Art angeboten werden kann. Angaben können im Internet zum Beispiel gemacht werden unter elinor.network/gastfreundschaft-ukraine oder unter www.wunderflats.com/page/ukraine/landlords-who-help-de. Auch Zimmer und Betten sind möglich.

Viele Mediziner spenden bereits

Mehrere Großspender im Kreis Segeberg haben bereits geholfen. Darunter Apotheker oder Augenärzte, ein Chirurgie-Einkäufer spendete Desinfektionsmittel, ein Unternehmer Beatmungsgeräte, eine Klinik palettenweise OP-Material. „Es gibt so viele Leute, die Gutes tun“, sagt Udo Nickel. Für Überführungen über die Grenze sind genaue Auflistungen dieses Materials nötig: Bezeichnung der Ware, Anzahl, Verpackungsart, Gewicht. Es würde die Arbeit stark erleichtern, wenn die Spende mit einem entsprechenden Begleitzettel versehen würde, teilt Oksana Ulan mit.

Irina Zelenova, Ljudmila Budnikov, Walter Blender und Torben Miehle (v.l.) von der Jüdischen Gemeinde sammeln für ankommende Flüchtlinge vor allem Kleidung und Kinderspielzeug.

Irina Zelenova, Ljudmila Budnikov, Walter Blender und Torben Miehle (v.l.) von der Jüdischen Gemeinde sammeln für ankommende Flüchtlinge vor allem Kleidung und Kinderspielzeug.

Callcenter für Helfer und Geflüchtete rund um die Uhr erreichbar

Die Anfragenflut ist enorm. „Mittlerweile koordiniert sich alles gebündelt, dass nicht jeder einzeln organisieren muss“, so Gottschalk. Die Ukrainische Ärztevereinigung ist zum Beispiel im engen Austausch mit dem extra eingerichteten Norddeutschen Ukrainischen Hilfsstab. Seit Montag gibt es dort einen Callcenter für Helfer und Geflüchtete. Er ist rund um die Uhr erreichbar, für Helfer unter +49170/484 26 64 oder +49170/4 83 93 66; für Geflüchtete unter +49 152/21 45 55 30 oder +49 1 52/21 45 55 25.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Infos zu Hilfsmöglichkeiten wie Spenden und Wohnraumangebote gibt es unter www.uaevd.de, hilfe-ua.de, per Mail an o.ulan@hilfe-ua.de beziehungsweise ukraine@medx-project.de. Spenden für die Transporte sind möglich an die Ukrainische Ärztevereinigung in Deutschland e.V.; Sparkasse Südholstein; IBAN: DE50 2305 1030 0511 3395 41; BIC: NOLADE21SHO; Verwendungszweck: Medizinische Hilfe für die Ukraine.

Jüdische Gemeinde sammelt Kleidung

Die Jüdische Gemeinde in Bad Segeberg hat im Untergeschoss eine Sammelstelle eingerichtet. Der Fokus liegt hier vor allem auf Kleidung und kleinen Spielzeugen für ankommende Flüchtlinge und Kinder. „Wir sammeln bereits seit einigen Tagen, und es wird täglich mehr“, sagt Organisator Torben Miehle. „Wir erwarten im Kreis Segeberg geflüchtete Menschen, die alles zurücklassen mussten und dringend Hilfe benötigen.“ Ein Fahrer sei zudem mit Hilfsgütern unterwegs zur Grenze der Ukraine. Die Gemeinde stellt sich darauf ein, Geflüchtete zu Ämtern zu begleiten und zu dolmetschen. Wer etwas spenden möchte, richtet sich direkt an Torben Miehle unter Telefon 01 51/40 30 18 21. Er nimmt die Spenden im Jean-Labowsky-Weg 1 in Bad Segeberg entgegen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Schnittgalerie unterstützt Hotel in Warschau

Die Friseurinnen der Schnittgalerie in der Fußgängerzone in Bad Segeberg haben zum Spenden aufgerufen und innerhalb weniger Stunden tütenweise Material bekommen. Noch bis zum 3. März um 10 Uhr nehmen sie gut erhaltene Kleidung, Hygieneartikel wie Windeln und Zahnbürsten oder haltbare Lebensmittel entgegen. Wer Geld abgeben möchte: Davon wird vorher noch mal kräftig eingekauft. Die Waren kommen der Benefizaktion der Reinfelderin Magdalena von Ostrowski zugute, die Freunde in Warschau unterstützt. Die Hotelbetreiber nehmen dort Geflüchtete auf. Versorgung und Lebensmittel werden auch in Polen knapp. "Wir sind tief bestürzt und wollen helfen", sagt Peggi Niemann, Chefin in der Schnittgalerie. Die Reinfelder Spedition Bode schickt in Kürze einen oder mehrere 25-Tonner auf die Reise gen Polen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Bad Segebergerin Liudmyla Lieber sammelt für ihre Heimat nördlich von Kiew.

Die Bad Segebergerin Liudmyla Lieber sammelt für ihre Heimat nördlich von Kiew.

Ukrainerin sammelt für Grundversorgung

Die Ukrainerin Liudmyla Lieber aus Bad Segeberg bereitet mit Freunden ebenfalls einen Transport in ihre Heimat nördlich von Kiew vor. Die Kleinstadt Ivankiv ist logistisch abgeschnitten. Russische Truppen kommen auf ihrem Weg nach Kiew dort vorbei, morden und marodieren nach Berichten von Augenzeugen in der Region. Ein Lager entsteht beim Kosmetikstudio "Lieber Schön" in der Kaiser-Lothar-Allee 11a. Gespendet werden sollten auch hier nur Dinge, die konkret helfen, zum Beispiel: Hygieneartikel, Verbandsmaterial, Schmerzmittel und Medikamente, Verbandskästen, Isomatten und Thermodecken, Stirnlampen, Babynahrung, warme Kleidung, auch für Kinder. Wer möchte, kann dort auch Spenden für Sprit abgeben. Liudmyla Lieber bittet darum, von Anrufen abzusehen – "einfach vorbeikommen", sagt sie.

Von Irene Burow

Mehr aus Segeberg

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Spiele entdecken