Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Gericht

Nacktfoto von Ex gepostet und randaliert

Das teure Laminat soll er nach seinem Rausschmiss mit der Bohrmaschine regelrecht zersiebt haben.

Das teure Laminat soll er nach seinem Rausschmiss mit der Bohrmaschine regelrecht zersiebt haben.

Kiel/Bad Segeberg.Einen Tag nachdem Sandra M. (41, Namen geändert) ihren neuen Lebensgefährten vor die Tür gesetzt hatte, fand sie Haus und Garten verwüstet vor: Türschloss, Laptop und Klobrille waren mit Silikon verklebt. Matratzen und Bekleidung zerschnitten. Modeschmuck und DVDs gestohlen. Rund 30 Rosenstöcke und Obstbäume zerhackt oder angesägt. Seit gestern muss sich ihr Ex-Freund zum zweiten Mal wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Diebstahls verantworten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Ex legte Berufung ein

Gegen die erstinstanzliche Verurteilung durch das Amtsgericht Bad Segeberg legte Oliver L. (50) im März 2017 Berufung ein. „Ich habe mit den Vorwürfen nichts zu tun“, behauptet der geschiedene Mann aus dem Raum Henstedt-Ulzburg. Vier Monate auf Bewährung verhängte damals der Strafrichter – ein mildes Urteil angesichts der Folgen der Tat.

Allein der Wiederaufbau des aufwendig gestalteten Gartens, in den Sandra M. („Ich bin nie in den Urlaub gefahren“) viel Herzblut, Zeit und Geld investiert hatte, sollte laut Voranschlag einer Firma 17 000 Euro kosten. Um ihre Seele nach dem Schock einigermaßen wieder ins Lot zu bringen, benötigte Sandra M. nach eigenen Angaben 25 Therapiestunden bei einem Psychologen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie die alleinerziehende Mutter zum Auftakt des Indizienprozesses im Kieler Landgericht berichtete, hatte sie Oliver L. über Bekannte kennengelernt. Der geschiedene Mann bewährte sich bald als geschickter Handwerker. Er half beim Verlegen eines neuen Fußbodens. Das teure Laminat soll er nach seinem Rausschmiss mit der Bohrmaschine regelrecht zersiebt haben.

Schränke und Grünflächen mit Unkraut-Ex begossen

Als die kaufmännische Angestellte am Tag der Verwüstung nach Hause kam, waren Grünflächen, Sträucher und ein antiker Holzschrank mit Unkraut-Ex begossen, das Holz für einen neuen Carport zersägt, Akkubohrer und Rasenmäher gestohlen. Oliver L., der vor Gericht schweigt, will nichts damit zu tun gehabt haben. Doch ein Zeuge hatte ihn an dem Tag gesehen. Und ein häufig von ihm genutzter Anhänger stand vor dem Haus, darauf ein Rasenmäher.

Urteil von Landgericht Kiel

Für eine Zivilkammer des Kieler Landgerichts war der Fall schon vor zwei Jahren klar: Sie verurteilte Oliver L. rechtskräftig zu Schadensersatz. Knapp 14 000 Euro habe er seitdem gezahlt, hieß es. „Gleichwohl soll die Berufung hier durchgeführt werden?“, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte nickt stumm, lehnt sich mit verschränkten Armen zurück. Bleibt die Frage, ob ihm sein Verteidiger klar gemacht hat, dass die Strafe im zweiten Durchgang auch härter ausfallen könnte. Denn auch die Staatsanwaltschaft hat das Urteil angefochten.

In ihrer Aussage berichtet Sandra M., ihr kleiner Sohn sei begeistert gewesen von Oliver L., die beiden hätten sich prima verstanden. Dazu würde passen, dass das Zimmer des Jungen unbehelligt blieb. Die Frau war genervt, weil der neue Freund, der sich bei der Arbeit „wegen Rücken“ wochenlang krankschreiben ließ, schon nach zwei Monaten ständig in ihrem Haus abhing. „Das wurde mir irgendwann zu viel“, sagt sie. „Ich hatte keinen Freiraum mehr.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Am Tag vor der Verwüstung habe sie ihn weggeschickt. „Ich sagte ihm, ich muss arbeiten und aufräumen.“ Oliver L. sei erst nach wiederholter Aufforderung gegangen, habe wütend die Tür hinter sich zugeknallt. Sandra M. reagierte mit einer WhatsApp, in der sie ihren Hausschlüssel zurückforderte und auf einigen Tagen ohne jeden Kontakt bestand.

Nur den Nacktpost gestanden

Daraufhin ersetzte Oliver L. sein WhatsApp-Profilbild durch ein Nacktfoto, das er in besseren Zeiten von Sandra M. machen durfte. Nur zu dieser Persönlichkeitsverletzung hat er sich bisher bekannt. „Aus Frust“, so gestand er im ersten Prozess, habe er das Bild gepostet.

Thomas Geyer

Mehr aus Segeberg

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.